Schwaikheim

Nach Beleidigung: 18-Jährige schlägt auf junge Frau ein

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Das Amtsgericht in Waiblingen. © Ramona Adolf

Schwaikheim/Waiblingen. 2,2 Promille Alkohol im Blut hatte eine 18-jährige Schwaikheimerin, als sie im November am frühen Morgen in Feuerbach nahe einer Disco an der Heilbronner Straße von anderen jungen Frauen beleidigt wurde. Sie rastete damals so aus, dass sie sich nun wegen Körperverletzung vor Gericht zu verantworten hatte. Mit der Auflage, 30 gemeinnützige Arbeitsstunden abzuleisten, kam sie glimpflich davon.

Warum der Zoff damals entstand, blieb vor Gericht unklar. Die Angeklagte sagte aus, dass sie und Freundinnen damals aus einer Gruppe heraus ohne jeden Grund als Huren beschimpft worden seien. Das habe sie sich nicht gefallen lassen und sei rüber. Dort hielt sie sich nicht lange mit dem Versuch auf, die Sache verbal zu klären, sondern griff sich eine aus der Gruppe. Sie schlug ihr ins Gesicht und auf den Hinterkopf, so dass die andere Beulen, Schwellungen und noch einige Tage Kopfschmerzen davontrug.

Angeklagte bestreitet Einsatz einer Waffe

Damals sah es so aus, als habe sie sogar mit ihrem Handy zugeschlagen, was juristisch als Einsatz einer Waffe zu werten gewesen wäre und ihr deshalb die Anklage schwere Körperverletzung eintrug. Den Einsatz des Handys bestritt die 18-Jährige vor Gericht allerdings. Es hätte doch keinen Sinn gehabt, zu riskieren, dass das Gerät, das für sie sehr wichtig sei, beschädigt wird oder kaputtgeht.

Das Opfer und zwei Zeugen waren sich nun nicht mehr sicher, ob die Angeklagte damals tatsächlich mit dem Handy zugeschlagen hatte. Der Vorwurf wurde denn auch von der Anklage und vom Gericht fallengelassen, zumal die Verletzungen durchaus auch von Schlägen nur mit der flachen Hand oder der Faust hätten stammen können, so die Richterin. Die Zeugen versicherten allerdings auch, dass der Streit keineswegs einseitig von ihnen aus begonnen worden sei. Es habe von beiden Seiten Beleidigungen gegeben.

Polizeistreife brauchte Verstärkung

Was vor Gericht allerdings erschwerend hinzukam, ist, dass die Angeklagte in ihrem Furor damals auch auf die herbeigerufene Polizeistreife, die sehr schnell zur Stelle war und damit vielleicht Schlimmeres verhinderte, losging, nachdem sie sie von der Kontrahentin getrennt hatte. Sie bedachte die Beamten mit kaum weniger unflätigen Ausdrücken als dem, der sie selbst zuvor ausrasten ließ. Sie wollte vehement immer wieder in Richtung ihres Opfers zurück, schlug dabei um sich, war kaum zu bändigen. Die Polizisten drückten sie schließlich auf den Boden, legten ihr Handschellen an und mussten sogar Verstärkung anfordern, um sie auf die Wache bringen zu können.

Angeklagte versichert Verzicht auf Alkohol

Die Schläge und die Beleidigungen gab die Angeklagte vor Gericht ohne Umschweife zu, räumte diese Vorwürfe also ein. Zu ihrem Zustand damals hielt ihr die Richterin vor, dass die festgestellten 2,2 Promille eigentlich „unfassbar“ seien, zusammen mit dem Umstand, dass sie auf die Zeugen und die Polizei damals keineswegs einen volltrunkenen Zustand gemacht hatte. Das spreche für eine „gewisse Gewöhnung“. Von der Angeklagten kam dazu das Eingeständnis, dass früher, wenn sie mit Freunden an Wochenenden unterwegs war, im Laufe einer Nacht immer wieder mal einiges zusammengekommen sei. Sie wisse mittlerweile, dass ihr Alkohol nicht gut tue, rühre deshalb seit einiger Zeit keinen mehr an, versicherte die Angeklagte. Sie erhielt schließlich außer den Arbeitsstunden die Auflage, unverzüglich an einem Trainingskurs zur Stärkung ihrer Sozialkompetenz teilzunehmen, auch um Struktur in ihren Alltag zu bekommen, so die Richterin.

Richterin und Ankläger mahnen eindringlich

So jung die Angeklagte ist, sie hat bereits eine „bewegte“ Biografie. Es gab mehrere Schulwechsel, weil es, in ihren Worten, „nicht geklappt hat“, sie die Schule immer wieder schwänzte, und schließlich den Abbruch. Sie hat mehrfach Bekanntschaft mit dem Gericht gemacht, ist wegen verschiedener Ordnungswidrigkeiten und Delikte für die Richterin und die Jugendgerichtshelferin keine Unbekannte. Im aktuellen Fall lag sogar ein Haftbefehl gegen sie vor, weil sie zum ersten Verhandlungstermin nicht erschienen war, angeblich weil sie die Ladung nicht erhalten habe.

Nach dem Schulabbruch hat sie eine Zeit lang gekellnert, derzeit hat sie keinen Job, sie möchte, so ihre Aussage vor Gericht, ein halbjähriges Praktikum in einem Altenheim machen, um zu sehen, ob die Arbeit dort etwas für sie wäre. Eine Alternative sei auch, auf eine Schule zu gehen, um eine Ausbildung als Erzieherin in einem Kindergarten zu beginnen.

Die junge Frau verteidigte sich vor Gericht selbst, ohne Anwalt, wobei sie durchaus den Eindruck machte, dass sie weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen ist. Allerdings fiel auch der Richterin eine gewisse Wurstigkeit, spätpubertäre Widerspenstigkeit auf. Klar war in dem Zusammenhang, dass das Jugendstrafrecht anzuwenden ist.

Die Angeklagte entschuldigte sich zwar bei ihrem Opfer und den Polizisten, aber richtig einsichtig oder gar reuevoll erschien das auch der Richterin nicht. Sie redete der jungen Frau, der offenbar (noch) nicht bewusst ist, auf welch schmalem Grat sie sich bewegt, ins Gewissen. Während der Verhandlungspause vor dem Urteilsspruch warnte auch der Ankläger die 18-Jährige: Nur beim ersten Mal wirke sich Alkoholmissbrauch strafmindernd aus. Wenn sie wisse, dass sie durch Alkohol aggressiv werde, sie aber dadurch noch mal straffällig werde, werde es kein Pardon mehr geben.

Die Richterin machte der Angeklagten außerdem deutlich, dass, wenn die schwere Körperverletzung, also der Gebrauch des Handys zum Schlagen, nachgewiesen worden und sie nach Erwachsenstrafrecht verurteilt worden wäre, es eine ganz empfindliche Haftstrafe hätte geben können.

„Sie wissen aber schon, was in dieser Situation richtig gewesen wäre?“, so die Richterin zu dem Vorfall: „Klar, einfach die Beleidigung überhören und weitergehen“, so die Angeklagte prompt. Zumindest an Grips fehlt es also nicht.