Schwaikheim

Nach Not-OP wegen Gehirnblutung: Wie geht es Susanne Saltikiotis vom Verein INa?

saltikiotis
Susanne Saltikiotis und ihr Mann Christos, der mehr um sie gezittert hat als sie selbst. © Speiser

Schwaikheim hat in der jüngeren Vergangenheit einige den Ort über viele Jahre prägende Menschen verloren, darunter jüngst Altbürgermeister und Ehrenbürger Lothar Krüger. Doch Schwaikheim ohne Susanne Saltikiotis? Auch das kann und erst recht mag man sich nicht vorstellen angesichts ihres Einsatzes, wohlgemerkt ehrenamtlich (der immerhin und zurecht mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurden). Die Frage ist berechtigt, denn es hätte durchaus sein können.

Wie geht es ihr mittlerweile? „Eigentlich gut.“ Das klingt verblüffend gelassen. Aber so ganz ist sie also noch nicht überm Berg, hat noch eine OP vor sich, darf noch nicht wieder „arbeiten“, wie sie sagt und lächelnd anfügt „ehrenamtlich heißt ja, ich kann, muss aber nicht.“ Wer achtet denn darauf, dass sie sich schont, nicht übernimmt? Die Gefahr besteht bei ihr nicht nur latent. Sie schmunzelt: „Meine Männer“, also ihr Gatte und die beiden (längst erwachsenen) Söhne. Hält sie sich denn dran? Sie überlässt die Antwort, wieder lächelnd, dem „Chef“, der auf der Gartenterrasse am „INa“-Haus nebendran sitzt. Er nickt: „Ja, wir halten sie raus.“

Zum Beispiel aus der Vorbereitung und Organisation des Sonnendeckfestivals im Juli. Selbst „ihr“ Verein, manche reden nicht umsonst von „Frau INa“, „läuft“. Susanne Saltikiotis ergänzt sofort: „Ich muss mich dafür bei allen, die da für mich eingesprungen sind, bedanken.“ Sie nutzt das Interview dafür, weil sie so viel Post bekommen hat, dass sie es gar nicht bei jedem/jeder, der/die ihr alles Gute gewünscht hat, persönlich könnte. Eltern, Kinder, Jugendliche, Flüchtlinge, ganze Familien hätten offenbar für sie gebetet. Erst da, nicht bei den Fragen nach ihr, wirkt sie angefasst.

Es geschah an Himmelfahrt, aus heiterem Himmel

Was genau war passiert, was sie so lange außer Gefecht setzt? Also, sie habe offenbar ein angeborenes Aneurysma, das zu einer schweren Gehirnblutung führte und sie zwei Wochen auf die Intensivstation im Katharinenhospital. Wieder bedankt sie sich, ehe sie weitererzählt, nämlich beim „tollen, sehr menschlichen, empathischen Team“ dort. Es geschah ausgerechnet an Himmelfahrt, bei ihr in der Familie eher Vatertag. Sie wollte Brot holen für das geplante Grillen, die Männer waren unterwegs. Auf einmal bekam sie so starke Kopfschmerzen, dass sie umkippte. Zum Glück entdeckte eine Nachbarin sie schnell und sorgte dafür, dass ein Krankenwagen kam. Wobei, typisch für sie, sie erst gar nicht mitwollte und sie auch die heftigen Nackenschmerzen morgens nicht ernst genommen hatte, sondern dachte, da reiche „Ibu“. Als der Krankenwagen kam, fror sie zwar, aber alle Werte – Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung – waren eigentlich normal. Sie verließ schließlich, auf eigene Verantwortung, nach entsprechender Unterschrift, einfach das Krankenhaus in Winnenden.

Daheim angekommen, fing sie plötzlich aber an zu spucken. Ihr Mann dachte, da stimmt aber wirklich was nicht, und stellte ihr typische Fragen, wie man es bei einer Gehirnerschütterung macht. Die Antworten waren so, dass er dachte „hoppla!“. Zum zweiten Mal wurde der Notarzt alarmiert. Der Verdacht war, dass sie sich möglicherweise einen Nerv eingeklemmt hatte. Um halb zwölf abends kam der Anruf aus der Klinik: „Wir haben eine schlechte Nachricht für Sie.“ Nämlich, dass sie notoperiert werden muss, in Stuttgart. Jetzt muss beim Gespräch doch jemand kurz um Fassung ringen: ihr Mann. Für ihn sei in dem Moment die Welt zusammengebrochen. Er rief im Katharinenkrankenhaus an. Seine Frau sei ins künstliche Koma versetzt worden, die OP war also erst am nächsten Tag. Aber die war erfolgreich: Das Aneurysma wurde abgebunden, versiegelt, es sei nichts zurückgeblieben, das sei sehr selten, sagten die Ärzte.

Susanne Saltikiotis lacht: „Ich habe also echt Glück gehabt.“ Drei Wochen Krankenhausaufenthalt, über vier Wochen verteilt ambulante Reha in Marbach und eine zweite OP folgten. Weil die Ärzte nicht den üblichen Weg zum Krankheitsherd nehmen konnten, trägt sie nach wie vor ein Kopftuch. Aber „alles soweit okay wieder“. Die Regel sei, so sei es ihnen gesagt worden, dass ein Drittel der Fälle bleibende Schäden davonträgt, ein Drittel sterbe.

An die ersten zwei Wochen nach der OP kann sie sich nicht mehr erinnern

Sie gehört offenbar, toi, toi, toi, zum dritten Drittel. Vielleicht ist der erträgliche „Preis“ dafür, dass sie sich an zwei Wochen ihres Lebens, die nach der ersten OP nämlich, überhaupt nicht mehr erinnern kann. „Das war am Anfang sehr komisch für mich.“ Aber keine Sorge, ihr Gedächtnis funktioniere längst wieder, alles, Namen, Ereignisse in ihrem Leben, sei, bis auf die Lücke eben, wieder da. Auch die Tests in der Reha hätten ergeben, dass alles wieder okay sei. Sie lacht: „Selbst rechnen kann ich auch wieder, Gott sei Dank.“ Auch die Blutwerte seien wieder normal, obwohl sie, schon immer sehr schlank, sichtlich abgenommen hat. Die Ärzte sorgten sich zwar deshalb, „aber ich bin ja schon mein ganzes Leben lang dünn“.

Sie darf ein Jahr lang kein Auto steuern

Na ja, so ganz „easy“ ist es doch nicht, räumt sie ein. Sie hatte während der OP einen epileptischen Anfall, darf deshalb und weil sie nun vorbeugende Tabletten nehmen muss, ein Jahr lang kein Auto steuern. Daran müsse sie sich noch gewöhnen. Zum Glück ist Christos mittlerweile Rentner und daher nun ihr Chauffeur. Sie hat sich ein Ziel gesetzt, will die zwangsweise nikotinlose Zeit im Krankenhaus und der Reha nutzen, um endgültig mit dem Rauchen aufzuhören. Sie hatte da keine Entzugserscheinungen, auch das schier ein Wunder für sie. Der Verzicht auf Alkohol fällt ihr nicht schwer: Sie trinkt eh keinen. Aber ihr fehle trotzdem was, und das glaubt man ihr sofort: nicht mithelfen zu können. INa nahm deswegen nicht wie sonst teil am Fleckenfest. Das war der Grund, auch wenn anderslautende Gerüchte im Ort herumgingen. Der Rat der Ärzte lautet: Sie soll erst Kraft sammeln, ihren geschwächten Körper allmählich wieder aufbauen. „Wobei denen schon klar ist, dass ich bald wieder arbeiten will und werde. Aber gut, auch mir ist klar, dass ich erst mal kürzertreten muss.“ Trotzdem: "INa" sei und bleibe ihr Herzblut. Gut, es gehe auch mal ohne sie, auch das sei ja eine Erkenntnis. Viele ehemalige Schüler hätten sich gemeldet, seien vorbeigekommen, hätten Hilfe angeboten. Jugendliche hätten ihr Whatsapp-Nachrichten geschickt, dass sie für sie beten. „Das hat mich sehr gerührt, zu erfahren, wie die an einem hängen. Ich weiß, dass ich für die Kinder dort wichtig bin. Und die sind es für mich. Das beruht auf Gegenseitigkeit, Wertschätzung auf beiden Seiten.“

Beim Sonnendeckfestival hätten sich viele Junge gemeldet, um zu helfen. Und natürlich seien ihre Söhne, die Schwiegertöchter und ihr Mann für sie eingesprungen: „Ich bin so froh um meine Familie, auch weil man merkt, dass meine Jungs ja bei und mit INa aufgewachsen sind.“ Wieder feuchte Augen bei Christos, er versucht erst gar nicht zu verbergen, dass er nahe am Wasser gebaut ist. Natürlich habe er in der Zeit damals nicht nur einmal geheult und gebetet „Lieber Gott, lass sie leben. Sie ist doch der Mittelpunkt unserer Familie.“ Wenn es ums Sterben gehe: Er würde sich vor sie stellen.

30 Jahr vorher nie krank und so gut wie nie beim Arzt

Aber das kann hoffentlich noch lange warten, Susanne Saltikiotis ist erst 62. Sie rechnet selbst damit, dass sie im Oktober, November, „voll wiederhergestellt“ ist und schon vorher bei "INa" wieder mitmachen kann. „Das habe ich den Kindern dort versprochen, das gehört zu meinem Leben, tut mir gut. Nix tun den ganzen Tag kann ich eh nicht.“ Ihr Mann blickt noch mal zurück: Seit Mai in Rente und seitdem auf die gemeinsame Zeit gefreut „und dann kommt so ein Schlag.“ Ja, seltsam, nicht wahr, meint sie: 30 Jahre lang vorher nie krank und so gut wie nie beim Arzt.

Schwaikheim hat in der jüngeren Vergangenheit einige den Ort über viele Jahre prägende Menschen verloren, darunter jüngst Altbürgermeister und Ehrenbürger Lothar Krüger. Doch Schwaikheim ohne Susanne Saltikiotis? Auch das kann und erst recht mag man sich nicht vorstellen angesichts ihres Einsatzes, wohlgemerkt ehrenamtlich (der immerhin und zurecht mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt wurden). Die Frage ist berechtigt, denn es hätte durchaus sein können.

Wie geht es ihr

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper