Schwaikheim

Nach S-Bahn-Chaos zwischen Winnenden und Stuttgart: Die Züge fahren wieder normal

s-bahn
6.23 Uhr, pünktlich Einfahrt und mit gewohnter Zuglänge. © Gabriel Habermann

„Alles läuft wieder normal“, erstattet ein Kollege sofort Bericht, noch vor dem „Hallo“. Es ist kurz nach halb sieben, vor wenigen Minuten ist die 6.23-Uhr-S-Bahn durchgekommen, planmäßig, ohne Verspätung. Sie sei zwar gut besetzt gewesen, aber es habe noch genügend freie Plätze gegeben, berichtet der Kollege.

S-Bahn Stutgart: Es gilt nach wie vor der Baustellenfahrplan

Er kennt sich aus, sein Hobby ist nämlich die Eisenbahn. So hat er schon am Design erkannt, dass wieder die Baureihe 430 unterwegs ist und der Zug 3-teilig war, also die volle, gewohnte Länge hatte. Es ist die Baureihe, bei der vergangene Woche wegen erhöhtem Verschleiß ihrer Stahlräder auf der Panoramabahn ein Drittel der Züge in die Werkstatt musste, was zu Ausfällen führte, auch und gerade auf der Linie S 3, beziehungsweise zu nur stündlichem Pendelverkehr der S 23.

„Normal“ bedeutet allerdings nur insoweit normal, als eh der Baustellenfahrplan gilt, solange die Stammstrecke zwischen Stuttgarter Hauptbahnhof und Österfeld modernisiert wird. Die S-Bahn fährt in dieser Zeit nur halb- statt viertelstündlich, bis 11. September, wenn es „normal“ läuft mit der Sanierung der Strecke, so verkünden es auch die Laufbänder auf den Anzeigetafeln, ebenso dass alle Halte ab dem Hauptbahnhof in der Zeit, seit Ende Juli, entfallen, und dafür Schienenersatzverkehr eingerichtet ist, Busse diese Haltestellen anfahren.

Er hat Glück, kann im Home-Office arbeiten und hat das gleich genutzt

Ein Ehepaar mittleren Alters wartet auf die S-Bahn um 6.53 Uhr. Sie sind beide Pendler, er arbeitet in der Stuttgarter Innenstadt, sie in Schwäbisch Gmünd. In Schwaikheim wohnen sie so nah am Bahnhof, dass sie dorthin laufen können. Aber ab dort begannen vergangene Woche die Probleme. Er hatte dabei noch Glück, kann nämlich im Home-Office arbeiten, was er denn auch tat. „Ich hab' gleich umgeschaltet.“ Immerhin, er hatte noch überlegt, mit dem Fahrrad nach Waiblingen zu fahren, wo er ja Anschluss gehabt hätte. Dass die Bahn nach einer gewissen Zeit eine Strecke sanieren müsse, sei ja okay, aber das mit den Rädern hätte sie im Griff haben müssen, kritisiert er.

Seine Frau ist während der Pannenzeit mit dem Auto zur Arbeit gefahren, wie normalerweise auch. Sie hat das 9-Euro-Ticket dazu gebracht, es mal mit der Bahn zu versuchen. Aber die Zeit zum Umsteigen in Waiblingen sei sehr knapp, manchmal zu knapp bemessen trotz Rennen und dann verpasst sie halt den nächsten Anschluss auf die Rems-Bahn. In der Gegenrichtung, nach Feierabend, bei der Heimfahrt, sei es das gleiche Leid.

Mit dem Viertelstundentakt sei es besser gewesen, da haben sie dann eben nicht so lange auf den nächsten Zug warten müssen. Wenn alles klappe, sei sie in etwa einer Dreiviertelstunde mit dem Zug in Gmünd, brauche rund eine Viertelstunde länger als mit dem Auto. Wenn es nicht klappt, sei es gleich eine Dreiviertelstunde länger oder gleich bis zu zwei Stunden mehr manchmal. Klar ist sie dafür, das 9-Euro-Ticket zu verlängern. Sie muss nur zwei- oder dreimal in der Woche nach Gmünd. Ein Monatsabo zum regulären Preis rechnet sich aus ihrer Sicht nicht. Und ohne Abo kostet die Strecke, hin und zurück, sie jedes Mal rund 20 Euro.

Sie wich auf den Bus nach Korb aus, die Umsteigerei kostete viel Zeit

Ein paar Meter weiter steht eine junge Frau. Sie arbeitet auch in der Stuttgarter Innenstadt. Sie hat vergangene Woche schon am Abend vorher von den zu erwartenden Ausfällen gewusst, ist also nicht gestrandet, hat sich den Ärger erspart. Ihr Notfallplan: Sie fuhr mit dem Bus von Schwaikheim nach Korb, von dort weiter mit dem Bus nach Waiblingen und von dort mit der S-Bahn nach Stuttgart. Aber die Umsteigerei kostete viel Zeit: „Ich musste deshalb anderthalb Stunden früher aufstehen als sonst“, berichtet sie.

6.50 Uhr, der Regionalzug rauscht durch. In dem sitzen ebenfalls viele Pendler aus Backnang und Waiblingen, die das Glück haben, dass ihre Bahnhöfe auch diesen Anschluss haben. 6.53 Uhr, die S-Bahn läuft pünktlich ein, rund 30 Leute steigen ein.

Einer bleibt zurück, was ist los? Er fotografiert mit dem Smartphone die elektronische Anzeigetafel mit dem Laufband und entpuppt sich auf Nachfrage als Ukrainer. Er spricht kaum Englisch, auf die in dieser Sprache an ihn gestellte Frage, warum er nicht eingestiegen ist, spricht er kurz in sein Handy und ein paar Sekunden später erscheint, offensichtlich durch eine App übersetzt, der Satz in Deutsch auf dem Display, dass er auf seine Frau und sein Kind wartet, die vom Flughafen kommen werden (sollen).

Der Mann dürfte noch andere Sorgen haben, als dass eine S-Bahn ausfällt oder sich verspätet.

„Alles läuft wieder normal“, erstattet ein Kollege sofort Bericht, noch vor dem „Hallo“. Es ist kurz nach halb sieben, vor wenigen Minuten ist die 6.23-Uhr-S-Bahn durchgekommen, planmäßig, ohne Verspätung. Sie sei zwar gut besetzt gewesen, aber es habe noch genügend freie Plätze gegeben, berichtet der Kollege.

S-Bahn Stutgart: Es gilt nach wie vor der Baustellenfahrplan

Er kennt sich aus, sein Hobby ist nämlich die Eisenbahn. So hat er schon am Design erkannt, dass wieder die

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