Schwaikheim

Nachbetrachtungen zur Bürgermeisterwahl Schwaikheim: Eindeutiges Ergebnis überrascht

Bürgermeisterwahl Schwaikheim
Bei der Bürgermeisterwahl in Schwaikheim hat sich Dr. Astrid Loff im ersten Wahlgang mit über 60% behauptet. © ZVW/Benjamin Büttner

Die Erleichterung ist mit Händen zu greifen gewesen. Der zweite Wahlgang bleibt Schwaikheim, den Schwaikheimern, erspart und damit eine Hängepartie mit vielen Unwägbarkeiten. Zum Beispiel der, ob Alexander Bauer, Gemeinderatsfraktionsvorsitzender und Ortsvereinsvorsitzender der SPD sowie seit Gerhard Häusers tragischem Tod dessen Stellvertreter im Amt, kandidiert hätte. Eine eindeutige Aussage dazu gab es von ihm selbst nicht. Nach der geballten Fanpost-Leserbriefoffensive hatten das viele Schwaikheimer erwartet, etliche unter ihnen befürchtet, manche allerdings auch gehofft. Nach den „Gebrauchsanweisungen“, wie er, ohne selbst zu kandidieren, doch noch ins Spiel gebracht werden könnte, hat das eindeutige Ergebnis all diesen Spekulationen ein jähes Ende gesetzt. Jäh deshalb, weil die allermeisten davon ausgegangen waren, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommen würde. Denn den fünf ernsthaften Bewerbern war zuzutrauen, dass sich die Stimmen doch deutlich gleichmäßiger unter ihnen aufteilen würden, als es dann zur Überraschung fast aller, wohl auch der Siegerin, tatsächlich der Fall war. Dass es also keinem/keiner von ihnen im ersten Wahlgang zur absoluten Mehrheit (50 Prozent plus x) reichen würde.

Hätte, hätte, Fahrradkette, hat mal einer prägnant-provokant dazu gesagt. Es kam ganz anders. Vielleicht ist die Überraschung darüber auch in einer Fehleinschätzung begründet, nach welchen Gesichtspunkten sich Wähler entscheiden, erst recht bei einer Persönlichkeitswahl wie dieser offenbar nämlich nicht nach Unterschieden im kommunalpolitischen Kleinklein, sondern danach, wie jemand „rüberkommt“, um es mal salopp auszudrücken. Vielleicht kam dem Faktor „persönlicher Eindruck“ in der speziellen Situation, in der sich Schwaikheim befindet, noch darüber hinaus besondere Bedeutung zu. Damit soll keineswegs behauptet werden, dass Marvin Roth oder Chris-Robert Berendt etwa bei ihrem Wahlkampf keine Sympathien gewonnen oder an der Wahlurne verdient haben. Das Gleiche gilt auch für Andrea Sieber und Harald Eiberger. Bei ihnen beiden war jedoch auffällig oft ein „Ja, aber“ zu hören.

Gegenüber Astrid Loff war kaum ein Vorbehalt zu hören

Die Einzige, bei der dieser Vorbehalt, wenn nach ihr gefragt wurde, kaum geäußert wurde, war Astrid Loff. Das ist, freilich in der Nachbetrachtung, so auffällig, dass es ein Fingerzeig hätte sein können, dass es doch eindeutig in ihre Richtung gehen würde. Daran änderte auch ihr Missgeschick, ihr Tritt ins Blühstreifen-Fettnäpfchen nichts, auch wenn versucht wurde, das auf den sozusagen letzten Metern gegen sie auszuschlachten. Ob sie das Stimmen gekostet haben mag und, wenn ja, viele? Wäre ihr Wahlsieg sonst noch „überragender“ ausgefallen? Oder verfing die Kampagne schlicht nicht, weil die Leute sagten, es gibt Wichtigeres, an so einer Marginalie mache ich doch meine Wahlentscheidung nicht fest?

Apropos Kampagne und Alexander Bauer. Nicht auf dem Wahlzettel stehend, aber in Leserbriefen geradezu herbeierfleht, wurde sein Name 64-mal dort in die freie Zeile so reingeschrieben, dass diese Stimmen – weil eindeutig zuordenbar, wer damit gemeint ist – gültig sind. Das ist ein Stimmenanteil von knapp 1,6 Prozent, in etwa halb so viel wie für den letzten der fünf ernstzunehmenden Kandidaten Chris-Robert Berendt. Der Vollständigkeit halber: Besenwirt Lothar Maier und Ralf Nägele bekamen jeweils eine Stimme. Unter den „Sonstigen“ war Alexander Bauer also, wenn man so will, haushoher Sieger. Er wurde übrigens von einigen Schwaikheimern auf dem Rathausplatz vermisst. Die waren der Meinung, der stellvertretende Bürgermeister hätte der künftigen hauptamtlichen Bürgermeisterin, die ihn bald von seinen Zusatzpflichten zu seinem Hauptberuf erlösen wird, durchaus gratulieren dürfen.

Eibergers Auftreten hatte entschiedene Fans und Gegner

Wie es in den zwei Wochen bis zum zweiten Wahlgang hätte weitergehen können, davon gab es in den letzten Tagen und in der Woche vor der Wahl einen Vorgeschmack. Astrid Loff und auch Harald Eiberger waren bereits „im Visier“, um es mal so zu sagen. Zu Eiberger gab es ohnehin „zwei Meinungen“. Die einen verwiesen auf seine Erfahrung im Amt – deren Fehlen bei Astrid Loff, wenn man so will, ihr einziger „Makel“ ist – seine Fach- und Verwaltungskompetenz, die eine Kollegin der „Pforzheimer Zeitung“, die eigens am Wahlabend nach Schwaikheim kam, ausdrücklich bestätigte. Die anderen sagten zu seiner hemdsärmeligen, burschikosen Art, seinem ausgeprägten Älbler-Schwäbisch, entschieden „Geht ja gar nicht, als Dorfschultes allenfalls, aber doch nicht in unserem Schwoiga“.

Lichtstrahl nach Monaten der Düsternis und Bitterkeit

Diese Zeit des Schwebezustands hätte Schwaikheim, das eh schon mit sich zu kämpfen hat, also nicht gutgetan, wäre dem Wiederzusammenfinden kaum förderlich gewesen. Es bleibt seinen Bürgern erspart, insofern kann man sagen, die Wähler haben weise entschieden, das klare, unmissverständliche Votum kann den Zusammenhalt stärken, Astrid Loff verkörpert den Willen dazu selbst. So war auf dem mit spätsommerlichem Sonnenglanz erfüllten Rathausplatz denn nicht nur Freude und Erleichterung mit Händen zu greifen, sondern auch eine feierliche Einigkeit zu spüren, dass man nach Monaten der Düsternis und Bitterkeit diesen Sonnenstrahl ergreifen, diese Chance nicht vertun will. Ob die Wahl von Astrid Loff wirklich ein Neustart ist, wird sich allerdings noch weisen müssen. Ihr ganz persönlicher „Lackmustest“ steht noch aus. Immerhin: Sie hat dabei 62,5 Prozent im Rücken, ein Vertrauensvorschuss der Bürger, der ihr den Einstieg und das Arbeiten erleichtern müsste, im Rathaus und im Gemeinderat.

Schwaikheim bekommt also eine Bürgermeisterin, Leutenbach verliert eine Gemeinderätin, die bei der jüngsten Wahl 2019 mit ihrer neu gegründeten „Jungen Liste Leutenbach“ überhaupt erst ins Gremium kam. Was sagt denn ihr künftiger Kollege Jürgen Kiesl dazu? Also, Astrid Loff habe er als engagierte Kommunalpolitikerin kennengelernt, die sich aber nicht in Details verliere und die Zukunftsprojekte wie die Pumptrackanlage und die Gemeinde-App unterstützt habe. Er lasse sie also nur ungern ziehen, sei aber zuversichtlich, dass es mit ihr eine genauso vertrauensvoll konstruktive Zusammenarbeit geben werde wie mit ihrem Vorgänger Gerhard Häuser. Und er gehe davon aus, dass sie im Schwaikheimer Amt von ihren Erfahrungen in den zwei Jahren im Leutenbacher Gemeinderat profitieren werde, so Kiesl.

Amtsantritt: Zum 1. Oktober wird sie es sicher nicht schaffen

Wie geht es ihr selbst, am nächsten Tag, also eine Nacht darüber geschlafen? Sie sei glücklich aufgewacht, habe viele Glückwünsche auf allen Kanälen beantwortet und sich bei ihrer Familie für die tatkräftige Unterstützung im Wahlkampf bedankt, so Astrid Loff. Ist sie immer noch über ihr fulminantes Ergebnis selbst verblüfft? Sie lacht: „Mittlerweile bin ich begeistert.“ Sie habe sich zwar ein eindeutiges Ergebnis gewünscht, aber es nie in diesem Ausmaß erwartet. Wann tritt sie ihr Amt an? Also, 1. Oktober werde sie sicher nicht schaffen, eine Prognose könne sie zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht abgeben, wolle sich deshalb nicht festlegen. „Ich hoffe natürlich so schnell wie möglich.“ Es hänge aber nicht nur von ihr ab, sie könne ihrer bisherigen Arbeitsstelle, der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg, nur signalisieren, dass sie dort so bald wie möglich „raus“ wolle.

Die Erleichterung ist mit Händen zu greifen gewesen. Der zweite Wahlgang bleibt Schwaikheim, den Schwaikheimern, erspart und damit eine Hängepartie mit vielen Unwägbarkeiten. Zum Beispiel der, ob Alexander Bauer, Gemeinderatsfraktionsvorsitzender und Ortsvereinsvorsitzender der SPD sowie seit Gerhard Häusers tragischem Tod dessen Stellvertreter im Amt, kandidiert hätte. Eine eindeutige Aussage dazu gab es von ihm selbst nicht. Nach der geballten Fanpost-Leserbriefoffensive hatten das viele

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