Schwaikheim

Neues Dream-Team im Freibad Schwaikheim: Maria Häußermann und Ronny Biesold

Bademeisterpaar
Maria Häußermann und Ronny Biesold habe mit dem Bad noch einiges vor. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Stammbesucherin des Freibads ist begeistert. Also, das neue Bademeisterduo sei ein Dream-Team, mit dem habe die Gemeinde einen absoluten Glücksgriff getan, findet sie. Also denn, vor Ort recherchieren, ob' wirklich so ist. Tatsächlich, selbst der Zaungast, der auch ohne Badehose reinkommt, merkt: Hier herrscht Aufbruchstimmung.

Noch sind Ronny Biesold und Maria Häußermann an diesem Morgen aber entspannt. Er sowieso, denn er hat eigentlich frei, ist aber fürs Interview mit der Zeitung extra von Althütte her- beziehungsweise runtergekommen. Nachher geht’s mit den Töchtern, na wohin wohl, zum Baden. Er kommt also auch in der Freizeit nicht vom Wasser los. Bei seiner Kollegin allerdings steigt allmählich die Spannung, gleich steht die Wassergymnastik an, auch das eine Neuerung, die sie eingeführt haben.

Biesold, 49, ist seit vergangenem Jahr da, die 31-Jährige seit Juni. Das ist kein Zufall. Die beiden waren schon vorher, im Gaildorfer Freibad, ein Gespann. Sie wohnt in Affalterbach-Wolfsölden, da ist Schwaikheim doch ein bisschen näher als Gaildorf. Das Gaildorfer Freibad wird derzeit umgebaut, ist deswegen geschlossen. Aber sie bleiben natürlich in Schwaikheim, auch wenn Gaildorf wieder aufmacht. Biesold war 17 Jahre dort. Er ist Meister für Bäderbetriebe, seine Kollegin Fachangestellte für solche (drei Jahre Ausbildung im Winnender Wunnebad). Sie ist mittlerweile dreifache Mutter und damit ein Beispiel dafür, dass der Job auch als Mama händelbar ist.

Dass auch sie nach Schwaikheim gekommen ist, hat schon mit ihm zu tun

Wobei Biesold das mit den unterschiedlichen „Titeln“ relativiert. Seine Kollegin könne dieselben Sachen wie er. Schließlich habe sie eine „harte Schule“ hinter sich, eben bei ihm, so Biesold schmunzelnd. Aber man nimmt es ihm ab, dass er seiner jungen Kollegin alles beigebracht hat, was es aus seiner Sicht braucht und zumal sie da auch nicht widerspricht. Nicht umsonst sind die beiden auch danach im Job wieder zusammengekommen. Natürlich hat bei ihr auch der Wohnort eine Rolle gespielt, aber der Annahme, dass er sie für Schwaikheim abgeworben hat, widersprechen beide nicht, warum auch. Warum sollte er mit jemandem, den er gut kennt, klarkommt und von dessen Qualifikation er überzeugt ist, zu der selbst maßgeblich beigetragen hat, nicht weiter zusammenschaffen wollen? Es hat also alles gepasst.

Je näher die Startzeit für die Wassergymnastik rückt, desto merklicher füllt sich das Bad. „Jetzt kommen die Fans“, meint Maria Häußermann lächelnd. Sie kennt ihre Pappenheimer bereits. „Gleich ist das Bad voll“, lobt ihr Kollege. Das Angebot hat sich rumgesprochen, die Wassergymnastik ist ein Markenzeichen, sie lockt an. Aber auch Biesold leistet dazu seinen Beitrag. Es sei einiges zu tun gewesen, auf und an der Anlage, inklusive Hecken schneiden. „Wir pflegen die so, dass auch wir uns als Badegäste wohlfühlen würden“, erklärt seine Kollegin.

Beide können zwar alles, aber es gibt doch eine gewisse Arbeitsteilung

Man sei in einem Freibad „Mädchen für alles“ und das müsse man auch so annehmen, so Biesold. Sie haben die Chemie des Bads komplett umgestellt, der pH-Wert des Badewassers sei zwar gleich geblieben, werde aber nun anders gesteuert. Aber klar, es gebe zwischen ihnen eine gewisse Arbeitsteilung: er der Techniker, sie die Animateurin, die nicht nur Wassergymnastik anbietet, sondern überhaupt für Unterhaltung, Feste im Bad, sorgt. Im Juni gab es einen Fest-Testlauf. Der bekam so viel positive Resonanz, dass sie gleich einen weiteren Termin ansetzten, 6. August.

Das Gespräch kommt noch mal auf Gaildorf zurück. Das Bad dort ist viel größer, es ist für so viele Gäste ausgelegt, wie Schwaikheim Einwohner hat. Ein anderer Vergleich: In Schwaikheim beträgt das Beckenvolumen 900 Kubikmeter, in Gaildorf 5000. Es ist ein Mineralbad mit eigener Quelle und auch die herrliche Lage mit Blick aufs Rottal sorgt dafür, dass der Einzugsbereich dort bis nach Stuttgart reicht.

Auch wenn sie immer noch davon schwärmen, sie hätten damit wirklich abgeschlossen, versichert Biesold. Ihre Aufgabe sei jetzt hier in Schwaikheim, und er glaube schon, dass sie das Bad aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst, gepusht haben, das bestätigten ihnen auch viele der Badegäste. „Die sagen, endlich ist hier mal was los.“

Aber jetzt mal im Ernst, sie, als Profis, wie sehen sie das Schwaikheimer Bad, das ja, wie fast alle Bäder, ein Zuschussbetrieb für die Gemeinde ist, weil die Einnahmen von den Badegästen die Kosten nicht decken? Biesold überlegt nicht lange, klare Aussage ohne Schmeicheleitendenz und Sorge um den Arbeitsplatz – die er sich wohl kaum machen muss, denn qualifiziertes Bäderpersonal wird überall händeringend gesucht, es gibt sogar Bäder, die sind deswegen geschlossen: „Das Bad ist auf jeden Fall erhaltenswert.“ Maria Häußermann ist zwar erst seit zwei Monaten da, aber ihre Erfahrung aus dieser kurzen Zeit: „Das Bad ist wichtig für Schwaikheim. Die Leute fühlen sich wohl hier, die freuen sich richtig, wenn sie herkommen. Und man kennt sich. Es ist alles vertraut.“

Eine Neuerung sind die Liegen auf der Empore

Wobei, noch eine Neuerung hat es mit Biesold gegeben: die Liegen auf der Empore. Sie könnten noch mehr brauchen, so beliebt seien die. Aber, und auch da merkt man den „Zug“, der mit ihm reingekommen ist: Liegen reservieren – für das die Deutschen in Urlaubshotspots als Weltmeister berüchtigt sind, weil sie selbst dort den Wecker auf morgens 5 Uhr stellen, um am Pool sich vorsorglich ihren Claim für den ganzen Tag mit Handtüchern abzustecken – das läuft nicht, wird hier nicht geduldet. Seine Devise dazu lautet: „Wenn sie voll sind, sind sie eben voll.“ Seine Kollegin stellt allerdings gleich klar: „Wir schmeißen aber keine Handtücher runter, wir sind nicht die Handtuchpolizei“.

Das mit dem „Zug“ kommt bei Biesold nicht von ungefähr. Er war früher Leistungssportler, aber nicht im Schwimmen, wie man annehmen würde, sondern in der Leichtathletik, nämlich ein sehr guter Mittelstreckler, der es in der damaligen DDR zu einigen Titeln gebracht hat. Er setzt sich Ziele, auch am neuen Arbeitsplatz, ist es gewohnt, die Dinge in die Hand zu nehmen. Sie beide würden im Bad mehr selbst reparieren, als es bisher üblich war. „Wir sind auch in der Lage, Ersatzteile, die wir brauchen, selbst zu bestellen.“

Damit das Bad „laufe“, brauche es nun mal einen professionellen Standard auch im Umfeld. Ein Beispiel: Wenn das Bad täglich öffne, müsse eben alles bereits parat sein für die Gäste, keine Kompromisse also bei Pünktlichkeit und Sauberkeit.

Während des Sonnendeck-Festivals hat Biesold im Freibad übernachtet

Noch ein Beispiel dafür, wie Biesold „tickt“, seinen Job versteht, was ihm das Bad bedeutet: Er bestätigt, was der eingangs genannte weibliche Stammgast erzählt hatte. Es ist in Schwaikheim (gute?) Tradition, dass während des Sonnendeckfestivals (und auch während des Fleckenfests) das Freibad nächtlichen Besuch bekommt. Einen entsprechenden „Hinweis“ dazu hatte Biesold vom langjährigen Bauhofleiter Jürgen Haag erhalten (der als Urschwaikheimer die dortigen Sitten und Bräuche kennt).

Und was macht er? Er übernachtet in dem Zeitraum im Freibad. Und als es so weit ist, schaltet er urplötzlich die Lautsprecheranlage an, begrüßt die ungebetenen Gäste freundlich mit einem „Guten Morgen!“, und gibt ihnen genau eine Minute Zeit, sich vom Acker zu machen. Der Coup gelang. An die verdutzten Gesichter der Eindringliche, bevor sie flüchteten, erinnert er sich heute noch schmunzelnd: „Da hatte ich die Überraschung auf meiner Seite.“

Nun muss Maria Häußermann aber endgültig los, denn Pünktlichkeit gilt auch bei der Wassergymnastik von ihr. Rund 50 Damen jeglichen Alters (und ein Mann) sind bereits erwartungsvoll, das große Becken ist alleine schon mit ihnen fast voll, jetzt haben also die Älteren dort mal das Kommando, dabei ist an diesem Vormittag nicht einmal unbedingt ideales Badewetter. Aus den Lautsprechern dröhnt Powermusik, die „Vorturnerin“ am Beckenrand ist, ganz „Biesold-Schule“, ziemlich fordernd, es geht Schlag auf Schlag, im Wasser eben etwas langsamer, mühsamer als an Land. Aber schlapp macht zwischendrin keine(r), nur mal ein Verschnaufspäuschen.

Die Stammbesucherin des Freibads ist begeistert. Also, das neue Bademeisterduo sei ein Dream-Team, mit dem habe die Gemeinde einen absoluten Glücksgriff getan, findet sie. Also denn, vor Ort recherchieren, ob' wirklich so ist. Tatsächlich, selbst der Zaungast, der auch ohne Badehose reinkommt, merkt: Hier herrscht Aufbruchstimmung.

Noch sind Ronny Biesold und Maria Häußermann an diesem Morgen aber entspannt. Er sowieso, denn er hat eigentlich frei, ist aber fürs Interview mit der

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