Schwaikheim

Offener Brief zu geplantem Baugebiet: Leimtelle wird kein günstiger Wohnraum

banner gegen leimtelle
Banner von Kritikern des geplanten Wohngebietes. (Archivfoto) © privat

Der Gemeinderat solle doch noch über ein Moratorium für das nächste Baugebiet in Schwaikheim entscheiden, fordert die Bürgerinitiative gegen das geplante Gebiet Leimtelle II in einem offenen Brief an Bürgermeister Gerhard Häuser und die Gemeinderäte.

Petra Rommel und Tanja Haag, die den Brief stellvertretend für die BI geschrieben haben, schreiben zwar „nur“, dass sie damit „ihrer Hoffnung Ausdruck verleihen wollen“. Sie verlangen nicht direkt, dass der Gemeinderat so einen Aufschub, den die Grünen vorgeschlagen hatten, beschließen solle, sondern regen diplomatisch an, dass dieser „gegebenenfalls andere Prioritäten setzen“ solle, „um den Wohnungsmangel zu beheben“. Aber sie lassen die Adressaten nicht im Unklaren darüber, dass sie weitere Unterschriften gegen das Gebiet Leimtelle II sammeln.

In dem Brief wird angezweifelt, ob dem in der Tat auch aus Sicht der Schreiberinnen dramatischen Mangel an günstigen beziehungsweise „bezahlbaren“ Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt mit einem neuen Baugebiet abgeholfen werden könne. Begründet wird dieser Zweifel damit, dass nicht nur Wohnen, sondern auch Bauen in Deutschland teuer sei. Selbst wenn sich, wie in Schwaikheim vorgesehen, durch den geplanten Aufkauf aller Grundstücke in einer Hand (durch die LBBW) „dieses Mal“ kein Investor „bereichern“ sollte, könnten in einem Neubau keine Quadratmeter-Preise angeboten werden, die sich sozial schwache Familien beziehungsweise Bedürftige leisten können, außer die Gemeinde beziehungsweise die öffentliche Hand unterstütze hier wesentlich, so Petra Rommel und Tanja Haag.

Sie verweisen in dem Zusammenhang darauf, dass selbst Baugenossenschaften, die per Satzung verpflichtet seien, günstigen Wohnraum bereitzustellen, Neubauwohnungen mit zehn bis zwölf Euro je Quadratmeter vermieten müssten. Deshalb sei zu bezweifeln, dass Bedürftige im Gebiet Leimtelle II wirklich zum Zug kommen werden.

Verweis auf den Verkehrsentwicklungsplan

Petra Rommel und Tanja Haag nehmen im Weiteren ins Visier, dass die Gemeinde bereits den Erlös aus dem Verkauf von gemeindeeigenen Grundstücken (bisheriges Gelände des Bauhofs und Gelände des Kindergartens Lessingstraße zum Beispiel) im Haushalt miteinplane, damit die Verschuldung in Schwaikheim nicht ganz so exorbitant steige, diese also „nicht für einen geförderten sozialen Wohnungsbau zur Verfügung“ stellen werde.

In dem Brief wird auch auf den Verkehrsentwicklungsplan verwiesen, laut dem die Hauptstraße mit Verkehr bereits stark belastet ist. Die Anwohner dort klagen bereits jetzt über einen hohen Lärmpegel. Durch das Neubaugebiet Leimtelle II, den Zu- und Abfahrten dorthin beziehungsweise von dort würde der Verkehr auf dieser Achse noch weiter ansteigen, so die Sorge. Auch auf die Schmalheit der Anliegerstraßen Schönbühlstraße, Ziegelstraße und Leintelstraße wird verwiesen, verbunden mit der Frage, wie angesichts dessen diese den zusätzlichen Verkehr aufnehmen sollen.

Erneut wird außerdem, wie von Kritikern im Gemeinderat, die Entfernung des Gebiets zum Bahnhof als zu groß bemängelt. Dies werde zur Folge haben, dass die Bewohner und Besucher des Gebiets mit dem Auto zu- und abfahren, also gegebenenfalls die S-Bahn gar nicht erst nutzten, so die Befürchtung. Auch die Sicherung der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln aus dem eigenen Land, die Pflicht zum Erhalt wertvoller Böden und der Schutz des Klimas wird in dem Brief erneut ins Feld geführt, ebenso die Funktion der Böden in dem Gebiet als Produktionsflächen für die Landwirtschaft, als wichtige Wasserspeicher, die Qualität des Lößbodens dort, mit dem Flächennutzungsplan von 1994, sozusagen als Zeugen samt entsprechenden Zitaten daraus. Es sei auch nicht „hinnehmbar“, so der Brief weiter, dass die Innenentwicklung und das Schließen von Baulücken nicht oberste Priorität hätten, das mit Blick natürlich auf die geplante Erschließung „auf freiem Feld“.