Schwaikheim

Protest gegen neues Baugebiet in Schwaikheim hält an

banner gegen leimtelle
Banner von Kritikern des geplanten Wohngebietes. (Archivfoto) © privat

Die Bürgerinitiative gegen das geplante Baugebiet Leimtelle II reagiert auf den Artikel „Äcker - zu wertvoll für Wohnhäuser?“, bringt sich damit, nach einer Corona-Pause, wenn man so will, wieder in Erinnerung, zeigt, dass ihr Protest nachhaltig ist. Sie hat selbstgebastelte Banner direkt an dem Gebiet im Gewann Leimtelle aufgehängt, das in Verlängerung der Leintelstraße am nordwestlichen Ortsrand Richtung Bittenfeld liegt. Zuvor hatte die BI - vertreten durch Petra Rommel, zum einen Vorsitzende des Obst-und Gartenbauvereins, zum anderen Obsthofladenbetreiberin und Tanja Haag, Anwohnerin der Leintelstraße – an die Fraktionen des Gemeinderats und an Bürgermeister Gerhard Häuser einen Brandbrief geschrieben.

Corona habe gezeigt, dass Versorgung aus dem eigenen Land wichtig sei

Sie verweist dort darauf, dass die Corona-Zeit gelehrt habe, wie wichtig es sei, die Versorgung der Bevölkerung aus dem eigenen Land sicherzustellen. Grundnahrungsmittel wie Getreide, Produkte daraus, und Kartoffeln aus Deutschland seien extrem nachgefragt worden. Während in den Supermärkten die betreffenden Regale zeitweise leer gewesen seien, seien die landwirtschaftlichen Betriebe mit Direktvermarktung regelrecht gestürmt worden. Im Hofladen des Bauernhofs Müller - der direkt an das Gebiet angrenzt – hätten erstmals die Kartoffeln nicht mehr bis zur neuen Ernste ausgereicht.

Die Bürgerinitiative verweist in ihrem Schreiben erneut darauf, dass der Boden in Leimtelle sehr wertvoll ist. Einmal versiegelt (überbaut) sei er unwiederbringlich für die landwirtschaftliche Produktion und damit die Nahrungsmittelversorgung verloren. Unter Bezug auf Zeitungsartikel über die Versiegelung von Flächen im Südwesten (täglich 4,5 Hektar, was etwa sechs Fußballfeldern entspricht), was überwiegend zulasten landwirtschaftlicher Flächen und zu einem Großteil wertvoller Flächen gehe, fordert die BI, bei der Ausweisung von neuen Baugebieten auf den Bodenschutz beziehungsweise die Bodenqualität Rücksicht zu nehmen. Es sei widersprüchlich, auf der einen Seite grundsätzlich sich einig zu sein, dass die Bodenversiegelung reduziert werden müsse, auf der anderen Seite weise aber jede Kommune weiter neue Baugebiete aus. Das gelte auch für Schwaikheim, aber auch die Ortschaften drum herum. Wobei aber immerhin die Nachbargemeinde Leutenbach bewusst unlängst auf ein großes Baugebiet verzichtet hat, nach vielen Jahren des Wachsens auch dort, mit der Begründung, dass die bestehende Infrastruktur an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt sei und man die Folgekosten weiteren Wachstums nicht stemmen könne und wolle.

Die BI stellt im Weiteren in Frage, ob es dieses neue Baugebiet (Leimtelle II) in Schwaikheim wirklich noch brauche, wenn die bereits begonnenen (also Heiße Klinge und Neue Ortsmitte) fertiggestellt sind und die innerörtliche Schließung von Baulücken von der Gemeinde vorangetrieben werden würde. Die BI formuliert dies im Konjunktiv, weil, so Tanja Haag auf Nachfrage, sie das Bemühen der Gemeinde darum vermisst: „Wir erkennen da nichts.“ Die BI hat dazu eine Liste, in der sie 17 Beispiele (mit Ortsangabe) für Baulücken aufführt, fünf davon alleine immer noch in Kürräcker, das selbst vor rund 15 Jahren ein Neubaugebiet war. Wie sich der Wohnungsmarkt mittelfristig entwickle, sei angesichts der aktuellen Entwicklungen ohnehin schwer abzuschätzen, so die BI weiter. Sie hält aber auch den Standort für falsch gewählt, bleibt dabei, dass, wenn schon, das „andere Ende“ von Schwaikheim, die Umgebung des Bahnhofs Richtung Winnenden, unter dem Aspekt Nähe zum ÖPNV, ins Auge gefasst werden sollte.

Am weitesten entfernt vom Bahnhof

Tanja Haag vermisst außerdem nach wie vor eine öffentliche Diskussion und Begründung, warum die „offizielle“ (nämlich ebenfalls im Flächennutzungsplan stehende) Alternative, das Gebiet Steige, jenseits der Kelterstraße und ebenfalls am westlichen Ortsrand gelegen, vorerst nicht kommen soll, aufgeschoben wird zugunsten von Leimtelle II. Wobei der Boden dort allerdings kaum weniger wertvoll ist: „Nur damit wir uns recht verstehen, wir sind auch nicht für das Gebiet Steige, weil es ebenfalls zu weit weg ist vom Bahnhof“, betont Tanja Haag. Außerdem habe die Gemeinde Schwaikheim auf absehbare Zeit ganz andere Aufgaben, müsse erst mal infrastrukturelle Probleme lösen (Hausarzt, zu wenig Kinder- und Krippenplätze, zu wenige Erzieherinnen). Eigentlich wäre es also angebracht abwarten und in der Zwischenzeit (den Bedarf und Alternativen) zu prüfen, heißt es in dem Schreiben weiter, weshalb Tanja Haag nach wie vor den Vorschlag der Grünen eines (von der Mehrheit im Gemeinderat abgelehnten) „Moratoriums“ für richtig hält. Die Hoffnung, dass sich die Gemeinde eines Besseren besinne, habe man noch nicht aufgegeben.

In seiner Antwort auf den Brief verweist Bürgermeister Gerhard Häuser die BI darauf, dass die von ihre genannten Bedenken und Fragen im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens geprüft und abgewogen würden. In diesem Verfahren finde darüber hinaus eine Beteiligung der Öffentlichkeit statt, in deren Rahmen es Gelegenheit für die BI gebe, ihre Anregungen und Bedenken vorzubringen.

Die Bürgerinitiative gegen das geplante Baugebiet Leimtelle II reagiert auf den Artikel „Äcker - zu wertvoll für Wohnhäuser?“, bringt sich damit, nach einer Corona-Pause, wenn man so will, wieder in Erinnerung, zeigt, dass ihr Protest nachhaltig ist. Sie hat selbstgebastelte Banner direkt an dem Gebiet im Gewann Leimtelle aufgehängt, das in Verlängerung der Leintelstraße am nordwestlichen Ortsrand Richtung Bittenfeld liegt. Zuvor hatte die BI - vertreten durch Petra Rommel, zum einen

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