Schwaikheim

Prozess: Feucht-fröhlicher Abend in Schwaikheimer Kneipe endet blutig

Waiblingen im Amtsgericht 3
Nicht zum ersten Mal wurde hier wegen Vorkommnissen in einer einschlägig bekannten Kneipe in Schwaikheim verhandelt. © Gabriel Habermann

Mit drei gebrochenen Rippen, einem Trümmerbruch des Ellenbogengelenks und einer zerbrochenen Brille endete im Juni des vergangenen Jahres für einen heute 34-Jährigen ein Abend, der feucht-fröhlich in einer Schwaikheimer Kneipe begonnen hatte. Er leidet bis heute unter körperlichen und seelischen Spätfolgen, muss immer wieder auch ins Krankenhaus deswegen. Eine juristische Aufarbeitung dessen, was dort passiert war, fand nun, über ein Jahr später, am Waiblinger Amtsgericht statt.

Der Geschädigte hatte noch am Tag danach 2,4 Promille

Was genau an diesem Samstag gegen 3 Uhr in der Früh in der Kneipe geschah, dazu wurden dem Richter und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft zwei unterschiedliche Versionen präsentiert, eine vom Angeklagten, die andere vom Geschädigten. Einig sind sich die beiden immerhin darin, dass sie sich flüchtig kennen. Er habe an diesem Abend die Kneipe aufgesucht, um Fußball zu gucken, berichtete der Geschädigte. Dass er dabei auch das eine oder andere Glas über den Durst getrunken hatte, stellte er nicht in Abrede, „ich hatte 2,4 Promille Restalkohol“, berichtete er freimütig von der Blutprobe am nächsten Tag im Krankenhaus.

Es habe einen Wortwechsel gegeben und plötzlich sei er durch die Luft geflogen

Nach dem Fernsehen sei er auf die Terrasse vor dem Lokal gegangen, wo sich mehrere weitere Zecher befanden, unter anderem auch der 31-Jährige, der nun angeklagt war. Dieser sei ebenfalls unter Alkohol gestanden, habe den ganzen Abend über Streit gesucht und versucht, ihn zu provozieren, so der Geschädigte. Da er darauf nicht eingehen wollte, habe er schließlich an der Theke seine Zeche bezahlt und sei dann noch einmal auf die Terrasse zurückgegangen, um auszutrinken. Dabei kam es wohl zunächst zu einem Wortwechsel, dann habe ihn sein Kontrahent urplötzlich derart kräftig gegen die Brust gestoßen, dass er durch die Luft geflogen sei, dabei einen Jägerzaun umriss, unter dem sein linker Arm eingeklemmt wurde, und er gegen einen Stromverteilerkasten knallte. Dort sei er liegen geblieben, unter Schock und mit derartigen Schmerzen, dass er nicht mehr aufstehen konnte. Der andere sei dann noch zu ihm gekommen und habe seine Brille zertreten, die auf den Boden neben ihn gefallen sei, so der Geschädigte.

Im Rems-Murr-Klinikum wurde der Mann noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen. Das zertrümmerte Ellenbogengelenk habe man rekonstruieren können, allerdings sei die Beweglichkeit seitdem stark eingeschränkt. Massiv geschädigt seien allerdings die Nerven, die Finger der linken Hand seien gefühllos. Er sei vierzehn Tage stationär im Klinikum gewesen, mittlerweile stehe er vor der vierten und fünften Operation. „Der linke Arm wird wohl nie wieder.“ Zusätzlich durch die Verantwortung für seine pflegebedürftige Mutter belastet, habe er an Ostern einen psychischen Zusammenbruch erlitten, seitdem sei er „fast ständig“ im Zentrum für Psychiatrie in stationärer Behandlung.

Augenzeuge bestätigte die Version des Geschädigten

Während diese Schilderung von einem Augenzeugen gestützt wurde, der erklärte, an diesem Abend keinen Alkohol konsumiert zu haben und dessen Glaubwürdigkeit auch durch intensives Nachfragen des Verteidigers des Angeklagten nicht erschüttert werden konnte, bestand der Angeklagte auf seiner Version des Geschehens. Er selbst habe an diesem Abend lediglich drei oder vier Bier getrunken, während der Geschädigte bereits um neun, zehn Uhr betrunken gewesen sei und stark geschwankt habe. Zwischen ihnen beiden habe es zu keinem Moment einen Wortwechsel gegeben, es seien nur ein paar Worte gewechselt worden, „harmloser Small Talk halt“. Während er noch einen Bekannten auf den Bahnsteig an der Kneipenterrasse begleitete, sei der Geschädigte plötzlich gestolpert und über den Zaun gestürzt. Dieser habe laut geschrien, woraufhin er und sein Bekannter zu ihm hingerannt seien und versucht hätten, ihm aufzuhelfen. Möglicherweise sei dabei auch die Brille unbeabsichtigt zerbrochen.

Richter lehnte Vernehmung der Zeugen der Verteidigung ab

Die vom Verteidiger beantragte Vernehmung des von seinem Mandanten erwähnten Bekannten lehnte der Richter mit der Begründung ab, dass dieser bereits bei seiner Vernehmung durch die Polizei erklärt hatte, von dem Geschehen rund um den Sturz nichts mitbekommen zu haben. Ebenso wenig ließ er ein an diesem Abend in der Gaststätte anwesendes Paar als Zeugen zu, das auf Antrag des Verteidigers erklären sollte, dass der Angeklagte keinesfalls den ganzen Abend über den anderen provoziert habe. Um zu einem Urteil zu kommen, gehe es nämlich nicht um den Ablauf des gesamten Abends, sondern um das „Kerngeschehen“, erklärte der Richter.

Das Urteil: Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 40 Euro

Er verurteilte den Angeklagten schließlich wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 40 Euro. Die Höhe der Tagessätze musste geschätzt werden, da der Angeklagte von seinem Recht Gebrauch machte, über seine persönlichen Verhältnisse nichts auszusagen. Zusätzlich hat er als Verurteilter die Gerichtskosten zu tragen.

Mit drei gebrochenen Rippen, einem Trümmerbruch des Ellenbogengelenks und einer zerbrochenen Brille endete im Juni des vergangenen Jahres für einen heute 34-Jährigen ein Abend, der feucht-fröhlich in einer Schwaikheimer Kneipe begonnen hatte. Er leidet bis heute unter körperlichen und seelischen Spätfolgen, muss immer wieder auch ins Krankenhaus deswegen. Eine juristische Aufarbeitung dessen, was dort passiert war, fand nun, über ein Jahr später, am Waiblinger Amtsgericht statt.

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