Schwaikheim

Restaurant "K1 by Sasi": Kai Koser setzt Currys und Rostbraten auf  die Speisekarte

Mittagstisch K1 bei Sasi
Schon in der Mitnahmebox verpackt präsentieren Kosers vom K1 drei Tagesgerichte,und Leber. © ALEXANDRA PALMIZI

Nicht an einem tropischen Strand oder auf einem belebten Nachtmarkt in Thailand, sondern auf einem Parkplatz bei Pforzheim hat Koch Kai Koser seine thailändische Frau Sasithorn kennengelernt. Heute führen sie gemeinsam das Restaurant "K 1 by Sasi" an der Hauptstraße 1 in Schwaikheim. Die Küche ist regional und international: Thailändisch kochen tut er, und zwar so, wie es ihm seine Frau schrittweise beigebracht hat. Sie schmeißt Organisation und Service.

Treuer Gastronom: Seit 20 Jahren in Schwaikheim

Thailändisch spricht er bis heute nicht, aber das Küchen-ABC hat Kai Koser nach mittlerweile acht Jahren sowohl am Bräter als auch am Wok intus: So lange gibt es das deutsch-thailändische Restaurant in Schwaikheim inzwischen. Der Koch selbst ist noch viel länger in Schwaikheim: Viele halten ihm die Treue, seit er zusammen mit einem Geschäftspartner und Kochkollegen im Jahr 2000 das Restaurant Riesling in der Ortsmitte leitete. Schwaikheimer und Gäste aus dem weiten Umkreis zogen mit, als er nach zwölf Jahren ins Restaurant Wiesental umzog. Dort stellte er seine bis dahin regionale, gehobene Speisekarte zusätzlich internationaler auf. In der Zeit lernte er seine heutige thailändische Frau kennen, die Küche bekam fernöstliche Noten.

Seit 2012 bekommen die einen hier wunderbar abgeschmeckte Linsen mit selbst gemachten Spätzle oder Zwiebelrostbraten, die anderen mischen Reis mit Soßen auf Basis von Kokosmilch, Sojasoße oder Tamarinde, genießen Ingwer und Zitronengras im Kokoscurry und freuen sich, wenn feine Chili-Schärfe den Gaumen belebt und an den Lippen bitzelt.

Das historische BMW-Motorrad fasziniert die Frau - und bringt die beiden zusammen

Dass es zu dieser für eine Landgaststätte nicht gerade ganz alltäglichen Kombination kommen konnte, ist nicht auf eine west-östliche Fernreise, sondern im Gegenteil auf eine Nahreise von hier Richtung Westen zurückzuführen. „Ich war mit meinem Motorrad in der Gegend um Pforzheim unterwegs und hab’ Pause gemacht, da stand sie plötzlich vor mir und hat mein Motorrad bewundert.“ Seine BMW Cruiser mit historischem Baujahr hatte es der Thailänderin angetan - wenig später saß sie drauf und brach mit dem Fahrer ins gemeinsame Eheleben auf.

Bis sie sich traute, als Sozia auf dem Rücksitz Platz zu nehmen, habe sie sich Zeit gelassen. „Sie wollte lieber selber fahren, hat aber keinen Motorradführerschein“, erinnert sich Koser, der bis dato noch nie in Thailand war, grinsend. So konnte er nicht wissen, dass sie es aus ihrer Heimat gewohnt war, selbst zu fahren - das Moped ist dort das am meisten verbreitete Alltagsverkehrsmittel, auf dem ganze Familien samt Hund durch den Verkehr wuseln.

Das Motorrad, das sie im Jahr 2005 zusammenbrachte, hat er 2008 aus Zeitgründen verkauft, damit sich der Koch seinem inzwischen eigenen gut laufenden Restaurant voll und ganz widmen kann. Statt Motorradfahrten standen jetzt Entdeckungsreisen in die traditionelle thailändische Küche an: Seine Frau, die in Thailand im Hotel gelernt habe und über jahrelange Gastronomieerfahrung verfüge, brachte ihm, der im Hotel Schlossgarten in Stuttgart gelernt und als Küchenchef im Solitude gearbeitet hat, den asiatischen Feinschliff bei.

Wusste sie nicht weiter, habe sie ihre Familie kontaktiert, um sich bestimmte Rezepte durchgeben zu lassen. So kommt es, dass das K 1 neben Standardgerichten auch immer wieder ausgefallene Spezialitäten anbietet: Pat Thai, das traditionelle National-Nudelgericht, oder Pat Bai Grapu, speziell gebratenes Fleisch mit Thaibasilikum, Chili und Austernsoße, gerne oben mit einem Spiegelei als Topping. „Mal eine andere Geschmacksrichtung als das übliche Kokosmilchcurry mit Ananas“, sagt Koser. Denn das sei gar nicht typisch thailändisch: „Ich habe gemerkt, dass die Art, wie hier oft thailändisch gekocht wird, sehr deutsch ist“, sagt er.

Selten scharf und eher selten Curry - deutsche Irrtümer über die Thai-Küche

Von seinen Reisen weiß Koser, dass Thais eher selten Currys essen, sich vielmehr an Gebratenem aus dem Wok, verfeinert mit verschiedenen Soßen und unterschiedlich zubereiteten Gemüse- und Fleischsorten, halten. „Auch die Art zu würzen habe ich von meiner Frau noch mal neu gelernt“, sagt er. Häufigster Fehler der westlichen Thaiküche - aus Sicht seiner Frau: „Wir werfen alles in einen Topf, nach dem Motto viel hilft viel.“

Größter Irrtum - auch aus Sicht seiner Frau: „Die Thai-Küche ist immer scharf.“ Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht gefragt werden: „Ist das scharf?“ Dabei gebe es viele milde Gerichte. „Außerdem machen wir den Schärfegrad ohnehin human und passen es individuell an“, sagt Koser. Ungefähr die Hälfte der Gäste entscheidet sich für ein Thaigericht, das es auch während Corona täglich à la carte gibt, zudem einmal pro Woche als Mittagstisch. Für besondere Anlässe und auf Vorbestellung kreieren Kosers auch komplette Menüs - auf Wunsch abseits der Normalokarte.

Beim Pressebesuch wird Massamancurry aufgetischt: Die aus Südthailand und ursprünglich aus Malaysia stammende mildeste Variante in der Curry-Palette basiert auf einer Paste mit einer feinen Aromatik von Kreuzkümmel, Kardamom und Kaffirlimettenblättern. Letztere köcheln - ganz ähnlich unseren Lorbeerblättern - in der Soße mit und geben ihre Würze direkt ab. Erdnüsse sind mit drin, klein geschnittene Kartoffelstückchen und Hühnchen, entweder Keule oder Hühnerbrust. Die asienerfahrene Reporterin mit schärfeerprobter Zunge hat sich für ihr Testessen die „Original Thai-Schärfe“ gewünscht, die ganz passabel umgesetzt wurde. Beim Essen daheim hat sie allerdings noch mit den vom Koch dazu gelieferten roten Chiliflocken nachgeholfen. Dafür ist die thailändische Küche ja bekannt: Gewürzt oder nachgewürzt wird dort am Tisch, auf dem - egal ob auf einem kleinen Nachtmarkt oder im klimatisierten Großstadtrestaurant - etliche Gefäße mit allerlei geheimnisvollen Soßen zum Einrühren ins Essen bereitstehen, in denen grüne und rote Chilis schwimmen.

Thai-Essen liege auch hier im Trend, meint Koser. Der Exotik-Touch sei bei den Schwaben angekommen, die aber unverändert auf Kosers Verwurzelung in der schwäbischen und gutbürgerlichen Küche zählen können, die er immer wieder anreichert um internationale Akzente, aber auch ganz klassisch serviert. Oft säßen sich am Anfang der eingefleischte Rostbraten-Fan und der fernöstliche Feinschmecker gegenüber. Viele Schwaben probierten hier als Erstes „natürlich den Rostbraten, um zu vergleichen“ und zu schauen, ob die Küche was taugt. „Nach den ersten Besuchen stellen wir aber meist fest, dass sich das Bestellverhalten ändert“, so Koser, der „seine“ Schwaikheimer, wie er liebevoll sagt, ja inzwischen durch und durch kennt. Dreimal ist er innerhalb des Ortes mit seinem Restaurant umgezogen. Woanders hin möchte er nicht, dafür gefällt es ihm zu gut - offenbar beruht das auf Gegenseitigkeit. „Die vielen Stammkunden geben uns das Gefühl, willkommen zu sein als Wirte, das merken wir auch jetzt während Corona, dass wir toll unterstützt werden.“

Nicht an einem tropischen Strand oder auf einem belebten Nachtmarkt in Thailand, sondern auf einem Parkplatz bei Pforzheim hat Koch Kai Koser seine thailändische Frau Sasithorn kennengelernt. Heute führen sie gemeinsam das Restaurant "K 1 by Sasi" an der Hauptstraße 1 in Schwaikheim. Die Küche ist regional und international: Thailändisch kochen tut er, und zwar so, wie es ihm seine Frau schrittweise beigebracht hat. Sie schmeißt Organisation und Service.

Treuer Gastronom: Seit 20

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