Schwaikheim

Saison beim Tennisclub Schwaikheim eröffnet, aber Einschränkungen wegen Corona

1/2
TC Schwaikheim
Oliver Zimmermann und Ilka Röthele, die beiden Vorsitzenden. © Gabriel Habermann
2/2
TC Schwaikheim
Endlich können die ersten Bälle im Freien geschlagen werden. Vorläufig sind nur Einzel zulässig, Doppel sind verboten. Fotos: Habermann © Gabriel Habermann

Wie bei allen Tennisvereinen im Land ist die Freiluftsaison auch beim Schwaikheimer Tennisclub wegen Corona mit Verspätung gestartet. Mitte April waren die Plätze gerichtet, der alte Sand runter, neuer drauf, alles war also bereits fertig, berichten Oliver Zimmermann und Ilka Röthele, die beiden Vorsitzenden. Auch das Wetter zeige sich von seiner idealen Seite für diesen Sport. Das und der anhaltende „Lockdown“ auch für die Tennisanlagen, den Betrieb darauf, sorgten für eine gewisse Ungeduld, spannten so manchen Racketschwinger auf die Folter.

Die Ungewissheit, ob und wann es losgehen kann, sorgte bei den Verantwortlichen zusätzlich für Sorgen. Es sei für sie eine spannende Frage gewesen, ob nicht einige Mitglieder kommen und gleich mal ihre bereits abgebuchten Jahresbeiträge zurückhaben wollen, berichtet Zimmermann. Zumal nach dem vorherigen Abbruch des Wintertrainings der Jugend in der Halle tatsächlich Eltern sofort sich erkundigt hatten, was denn nun mit dem restlichen Geld sei, das sie bereits für die komplette Winterrunde überwiesen hatten, ergänzt Jugendwartin Marcia Barth. Aber natürlich seien die betreffenden Teilbeträge, für die es dann kein Training mehr gab, sofort zurückerstattet worden, betont sie. Für die Jahresbeiträge sei aber keine einzige Anfrage in der Richtung gekommen, betont Zimmermann.

Tische weit auseinander, nur einer hinterm Tresen und die Küche bleibt kalt

Der verzögerte Saisonstart habe aber zu vielen weiteren Fragen geführt, etwa wie mit den Arbeitsstunden verfahren wird, die jedes Mitglied ehrenamtlich leisten soll, entweder bei der Pflege der Außenanlagen oder bei der Bewirtung des Vereinsheims, dem sogenannten Hüttendienst. Der Verein lässt die Plätze vor der Saison von einer Fachfirma richten, da sind die Mitglieder also außen vor. Und das Clubheim ist keine öffentliche Gaststätte, wird also vom Verein selbst betrieben. Dieses sich gegenseitige Bewirten werde in der gewohnten Form nicht stattfinden können, weil damit der geforderte Sicherheitsabstand nicht einzuhalten wäre, so Zimmermann und Röthele, die beide auch „Corona-Beauftragte“ des Vereins sind. Man werde es hier machen wie die Gastronomie sonst auch: versetzt sitzen, entsprechend die Tische auseinanderziehen. Nur eine Person darf hinter dem Tresen stehen, um Getränke auszuschenken. Außerdem gibt es unten im Vereinsheim einen Getränkeautomaten. Die Küche bleibt ganz kalt.

 Ungewohnt sei auch, dass vorerst nur Einzel erlaubt sind, also keine Doppel. Noch ist es ein bisschen wie in den Geschäften und wohl auch nun wie bei den Gaststätten: Spielen ist zwar wieder erlaubt, aber die Leute zögerten, seien offenbar verunsichert. Am ersten Tag, als die Anlage offen war, waren gerade mal zwölf Paarungen da, verteilt über den ganzen Tag. Sonst, in normalen Jahren, halten es Tennisspieler schier kaum aus, bis es endlich draußen wieder losgeht. „Wir hatten schon Angst, dass die uns die Bude einrennen und wir hier womöglich ,Wächter’ brauchen. Zumal ja der Betrieb in anderen Bundesländern schon wieder angelaufen war“, so Zimmermann. Heuer gebe es bislang aber keinerlei Gedrängel auf der Anlage.

Sie wollen nicht „Sheriff“ spielen, warnen aber vor Verstößen

Informiert über die Situation, stets auf dem Laufenden seien die Mitglieder über den Newsletter des Vereins gewesen. Die beiden Vorsitzenden stellen aber auch gleich klar, dass sie nicht „Sheriff“ spielen wollen, was die Einhaltung der Vorschriften betreffe. „Wir haben Vertrauen, sehen aber auch die Gefahr, dass, wenn es wider Erwarten nicht funktionieren sollte, uns die Anlage möglicherweise wieder zugemacht wird“, so Röthele. Zu den Pflichten während Corona gehört auch, eine Spielliste zu führen, um im Fall einer möglichen Infektion eines Spielers dessen Kontakte zurückverfolgen zu können. Auch in den Trainingsablauf greift die Viruskrise ein. Die Jugendlichen trainierten größtenteils in Zweiergruppen, so Marcia Barth, wobei bei denen eigentlich bis zu vier in einer Gruppe erlaubt seien. Bei den Erwachsenen ist die Vorgabe dazu gleich. Es gab aber noch kein Mannschaftstraining, die Umsetzung dort überlasse man der Verantwortung des jeweiligen Trainers, so Zimmermann. Man werde den Betrieb insgesamt ganz langsam aufnehmen, sei von den Vorgaben des Verbandes dabei abhängig, wobei das (weitere) Lockerungen, aber auch wieder Verschärfungen sein könnten. „Die Mitglieder sind erst mal froh, dass sie überhaupt auf den Platz können.“

Tendenz, in diesem Jahr nicht an der Verbandsrunde teilzunehmen

Ob es zur Verbandsrunde der Mannschaften komme, sei noch unsicher. Im Verein gebe es aber die Tendenz, in diesem Jahr nicht an ihr teilzunehmen. Es gebe die Möglichkeit, sich kostenlos (und sanktionsfrei) davon abzumelden. Die Vorschläge, die der Verband bislang zur Durchführung der Runde mache, seien „unterirdisch“, also völlig unrealistisch, so Röthele. Angefangen vom Aufstellen und Verteilen von Ständern mit Desinfektionsmittel über die Anlage, bis dahin, dass nach dem Spiel die jeweiligen Spieler die Anlage ganz zu verlassen hätten und dass man zu Auswärtsspielen nicht zusammen im Auto fahren dürfe. Diesen organisatorischen Stress, den finanziellen Mehraufwand werde man sich nicht antun, hoffe aber, dass der Verband die Unsinnigkeit von sich aus einsieht. Die Motivation fehle ohnehin, weil es keinen Auf- und Abstieg geben solle: „Die ganze Fahrerei macht damit doch keinen Sinn. Man dürfte ja den anderen nach seinem eigenen Spiel gar nicht zuschauen. Und man dürfte nur Einzel spielen, keine Doppel.“ Röthele weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass der Verband den Aktionstag zur Mitgliederwerbung „Deutschland spielt Tennis“ mit der Möglichkeit zu kostenlosem Schnuppertraining verschoben hat, weil die eigenen Vorgaben dabei gar nicht einzuhalten wären. Zimmermann verweist darauf, dass Familien die Ferien und den Urlaub dieses Jahr wohl vermehrt zu Hause verbringen werden. Die Plätze des Vereins würden dadurch mehr beansprucht, gut ausgelastet sein. Der offizielle Saisonauftakt fiel aus, die Vereinsmeisterschaften finden dieses Jahr nicht statt, ebenso alle anderen Feste im Club.

Überlegungen, eine Onlinebuchung für die Platzbelegung einzuführen

Die Hauptversammlung, für Mitte Mai vorgesehen, soll vor den Sommerferien stattfinden. Auf keinen Fall jedoch virtuell, online, versichern die Vorsitzenden, aber mit der Festlegung einer maximalen Teilnehmerzahl und Mindestabstand zwischen ihnen. Was ist mit einer App, einem Onlinebuchungssystem für die Plätze, das andere Tennisvereine bereits eingeführt haben? „Noch nicht, aber wir sind dran“, so Zimmermann, „wir überlegen uns das, die Tendenz geht in die Richtung, aber wenn wir es machen, dann wäre es schon auf Dauer, also nicht nur für dieses Corona-Jahr. Sonst würde es keinen Sinn machen. Andererseits: Wann, wenn nicht jetzt.“ Dieses System einzuführen müsse vorher aber gut überlegt sein. Wenn man sich das bei anderen Vereinen so anschaue, sehe es durchaus mitgliederfreundlich aus, als sei es eine Erleichterung für sie, weil man dann eben zu einer bestimmten Zeit „seinen“ Platz im Voraus fest reservieren könnte. Zu bedenken sei aber ebenso, dass es im Verein viele über 60-Jährige gebe.

Umziehen und Duschen vor Ort ist nicht möglich 

Aus seiner Sicht mache Onlinebuchung vor allem in großen Vereinen Sinn, die viele Mitglieder haben, wo die meisten zu bestimmten Ballungszeiten auf relativ wenige Plätze „rennen“. Das Knappheitsproblem gebe es in Schwaikheim – fünf Plätze, knapp 200 Aktive, 30 bis 40 Kinder und Jugendliche, die regelmäßig am Training teilnehmen – wenn überhaupt nur zum Saisonbeginn und an den Tagen, an denen Mannschaftstraining ist. „Dann wird es schon mal eng.“ Dadurch, dass vorläufig nur Einzel, also keine Doppel, gespielt werden dürfen, könnte sich das allerdings verschärfen, meint Marcia Barth. Noch ein Verbot gilt, das sicher nicht gerade verlockend ist: Umziehen vor und nach dem Spiel vor Ort ist nicht erlaubt, ebenso Duschen hinterher, die betreffenden Räume sind zugesperrt. Immerhin: Die Toiletten sind offen und es gilt keine Maskenpflicht beim Spiel und auch nicht beim Bier nach dem Match.