Schwaikheim

Schwaikheim: Bushaltestellen werden für Rollstuhlfahrer umgebaut

Bushaltestelle
Haltestelle Fahrtrichtung Ortsmitte: Wie kommen Rollstuhlfahrer sicher vom Bahnhof dorthin und wie von dort zum Bahnhof? © Gabriel Habermann

Auch die drei „restlichen“ Bushaltestellen, die noch nicht barrierefrei sind, sollen nun entsprechend umgebaut werden. Eigentlich sind es sechs, in beiden Fahrtrichtungen jeweils eine, die Bahn spricht dabei selbst von „Haltepunkten“. „Barrierefrei“ bedeutet, dass nicht nur Rollstuhlfahrer und Leute, die schlecht zu Fuß sind (Ältere mit Rollator), sondern auch Sehbehinderte endlich den Linienbus überhaupt beziehungsweise ohne größere Mühen nutzen können sollen. Entsprechend umgebaut ist bislang nur die Haltestelle an der Bahnhofstraße, und das auch nur, weil dort im vergangenen Jahr Kanal und Wasserleitung erneuert wurden und es sinnvoll (günstiger) war, die Arbeiten in einem Zug von der Firma Klöpfer erledigen zu lassen (Kosten für den Umbau knapp 62.000 Euro).

Bereits vor etwa zwei Jahren hatte der Technische Ausschuss des Gemeinderats die Haltestellen besichtigt, war ihm der Vorentwurf zum Umbau des Ingenieurbüros Frank vorgestellt worden. Im Herbst vergangenen Jahres wurden die Pläne mit dem kommunalen Behindertenbeauftragten beim Landratsamt und dem Busunternehmen Dannenmann, das die Linie 339 betreibt (Korb-Schwaikheim-Winnenden beziehungsweise Rems-Murr-Klinikum dort und umgekehrt), abgestimmt und auf deren Anregungen hin geändert. Zum Beispiel, dass bei den Haltestellen an der Winnender Straße und am Bahnhof zusätzlich barrierefreie Querungshilfen gebaut werden, so dass die Kosten nach der Schätzung von Frank insgesamt knapp eine halbe Million Euro betragen werden.

Die Haltestelle an der Winnender Straße liegt außerorts, an der Landesstraße 1140. Dort ist also das Land der Träger der Straßenbaulast und damit der Kosten, allerdings nur für den Umbau selbst (rund 160.000 Euro), nicht dagegen für den Witterungsschutz, die Ausstattung, die Beleuchtung und die Beschilderung. Die rund 6000 Euro dafür muss die Gemeinde aufbringen. Sie erhält allerdings für die Planung und Umsetzung der Umbauten einen Verwaltungskostenzuschlag in Höhe von acht Prozent, knapp 13.000 Euro.

Arbeiten in zwei Abschnitten, also auch noch im kommenden Jahr

Die Arbeiten sollen wegen der Kosten in zwei Abschnitten erfolgen. Voraussichtlich sind noch in diesem Jahr die Haltestellen an der Winnender Straße und am Bahnhof an der Reihe, im kommenden Jahr die an der Schulstraße (Rathaus).

Der Umbau bedeutet vor allem, dass die betreffenden Bordsteine erhöht beziehungsweise ausgewechselt werden, entweder auf 24 Zentimeter oder auf 18 Zentimeter. Grund für die niedrigeren Bordsteine ist, dass dort, wo beim Anfahren die Haltestelle vom Bus „überstrichen“ wird, verhindert werden muss, dass der Bus dabei „aufsetzt“. Außerdem kommen an die Einstiegsstellen an der vorderen Bustür taktile Elemente für Sehbehinderte. Taktile Elemente gibt es bereits an dem Kreisverkehr in der Ortsmitte. Vor der mittleren Tür braucht es jeweils eine 2,5 Meter breite, freie Fläche, damit Rollstuhlfahrer dort bequem und möglichst selbstständig ein- und aussteigen können. Damit wird auch sichergestellt, dass bei ausgefahrener Klapprampe noch ausreichend Platz zum Drehen vorhanden ist. Außerdem sollen elektronische Anzeigen und Sprachansagen die Haltestellen ergänzen.

Der Unterschied zwischen den 18 und 24 Zentimeter hohen Bordsteinen hat zur Folge: Bei den niedrigeren ist der Einsatz der Klapprampe erforderlich, um den Höhenunterschied zwischen Bordstein und Bus zu überwinden, bei den höheren  in der Regel nicht, wobei auch noch 21 Zentimeter hohe Bordsteine infrage kommen, für die der jeweilige Bus allerdings Neigetechnik benötigt, die Möglichkeit abzusenken, dann ist auch dort die Klapprampe nicht nötig. Bei 24 oder 21 Zentimetern kommt also der jeweilige Fahrgast mit dem Rollstuhl direkt in den und aus dem Bus. Je nach Lage, zur Verfügung stehendem Platz, wird es außerdem kürzere oder längere Haltepunkte geben.

An der Haltestelle beim Rathaus muss der Gehweg verbreitert werden

Bei der Haltestelle an der Schulstraße ist vorgesehen, dass die Busse am Fahrbahnrand stehen, um Fahrgäste ein- und/oder aussteigen zu lassen. Dort geht es so eng zu, dass der Gehweg in diesem Bereich verbreitert werden muss. Auf der Seite des Rathauses kommen Bordsteine mit einer Höhe von 18 Zentimetern hin. Laut Frank wird wegen der Einfahrten vor und hinter der Haltestelle der Einstieg nur an der mittleren Tür barrierefrei möglich sein. Auf der gegenüberliegenden Seite sind die höheren 24-Zentimeter-Bordsteine vorgesehen, weil das bestehende Grünbeet dort dies erlaubt. Dort können der vordere und der mittlere Einstieg barrierefrei werden.

Die Haltestelle an der Winnender Straße hat bereits Hochbord- beziehungsweise Kapsteine (15 Zentimeter). Der Umbau kann unter Beibehaltung der bestehenden Haltestellen erfolgen. Bei der auf der Nordseite (Kürräcker) braucht es 18 Zentimer hohe Bordsteine auf gerader Strecke, so dass der Bus dort ohne Spalt zu ihnen anfahren kann. Dafür wird der Haltepunkt versetzt und so auch die erforderliche Gehwegbreite von zweieinhalb Metern erreicht (für das Ausfahren der Klapprampe und als Rangierfläche für Rollstühle). Beim Haltepunkt auf der Südseite (Friedhof) werden neue, 24 Zentimeter hohe Kapsteine gesetzt. Um dort die erforderliche Aufstellfläche zu schaffen, sind als Abgrenzung, Abstützung Betonpalisaden vorgesehen. Zwischen den beiden Haltepunkten gibt es eine Querungsinsel, diese soll ausgebaut werden, mit einem sechs Zentimeter hohen Anschlag am Fahrbahnrand und einem Richtungsfeld für Blinde, das ihnen die Gehrichtung anzeigt. Für Rollstühle und Rollatoren ist zudem ein Bereich mit ebenem Randstein vorgesehen.

Bei der Haltestelle am Bahnhof gibt es den Haltepunkt Richtung Korb (eine Busbucht, wo der Bus aus Richtung Ortsmitte von der Bahnhofstraße her kommt) und den Richtung Ortsmitte, wo der Bus von der Avus her kommend zum Bahnhof einbiegt, eine Wendeschleife dreht Richtung Tankstelle Nitschke und entlang der Fahrbahn hält. Beide Haltepunkte müssen umgebaut werden, auch die Busbucht, damit sie wie erforderlich anfahrbar wird. Auch bei der anderen Anfahrt geht es darum, dass der Bus geradlinig bis an die Bordsteine kommt. Die Aufstellflächen von jeweils 2,5 Meter sieht Frank als kein Problem an.

Am Bahnhof ist eine getrennte Querung zur Busbucht geplant

Die spannende Frage ist bei dieser Haltestelle, der durch den Bahnhof besondere Bedeutung zukommt, eher, wie kommen Menschen mit Behinderung von dort zu diesem und von diesem zum Bus? Dafür ist ein Leitsystem geplant. Es soll Sehbehinderten den Weg weisen und sie an den Querungspunkten unterstützen. Direkt am Bahnhof ist eine getrennte Querung geplant, die auch mit einem Rollstuhl leicht befahrbar sein soll. An der Querung zwischen den beiden Haltepunkten sind aufgrund der geringen Gehwegbreiten Überfahrsteine mit nur drei Zentimeter hohem Anschlag und breiterer Fase vorgesehen, bei denen die Planer davon ausgehen, dass sie Rollstuhlfahrer problemlos bewältigen können.

Diese Variante ist ein Kompromiss. Denn für Rollstuhlfahrer ist optimal, wenn alles eben wäre, dagegen brauchen Sehbehinderte gewisse „Höhen“ zur Orientierung. Dass diese beiden Anforderungen an gleicher Stelle schwierig miteinander zu vereinbaren sind, zeigen eben bereits die Überwege am „Stonehenge“-Kreisel, darauf wies in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, als die neue Planung vorgestellt wurde, auch Karl-Heinz Jaworski, Grüne, hin. Rollstuhlfahrer müssen dort den ebenen Bereich „genau treffen“, sonst drohen sie wegen der Kante umzukippen.

Es sei klar, so das Ingenieurbüro Frank dazu, dass es nicht reichen werde, nur die Haltestelle barrierefrei umzubauen. Auch die Wege dorthin und von dort weg müssten für die Rollstuhlfahrer hindernisfrei sein, natürlich müssten deshalb die Bordsteine an den Straßeneinmündungen abgesenkt werden. Das werde im Zuge des Haltestellenumbaus ebenfalls gemacht.

Dass der Bus an der Haltestelle auf der Straße hält, um Fahrgäste ein- oder aussteigen zu lassen, wo es also eine eigene Busbucht gibt, bedeutet in der Regel, dass die Autos hinter ihm so lange warten müssen, bis der Bus wieder anfährt. Das ist aber weder neu noch wird es nur in Schwaikheim so sein. Der Gemeinderat hat der Planung einstimmig zugestimmt, ebenso den Baubeschluss und den Beschluss zur Ausschreibung der Arbeiten gefasst.

Auch die drei „restlichen“ Bushaltestellen, die noch nicht barrierefrei sind, sollen nun entsprechend umgebaut werden. Eigentlich sind es sechs, in beiden Fahrtrichtungen jeweils eine, die Bahn spricht dabei selbst von „Haltepunkten“. „Barrierefrei“ bedeutet, dass nicht nur Rollstuhlfahrer und Leute, die schlecht zu Fuß sind (Ältere mit Rollator), sondern auch Sehbehinderte endlich den Linienbus überhaupt beziehungsweise ohne größere Mühen nutzen können sollen. Entsprechend umgebaut ist

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