Schwaikheim

Schwaikheim: Energie-Genossenschaft betreibt bald 15 Fotovoltaikanlagen

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Auf dem Dach des Anbaus für die Gemeinschaftsschule ist die jüngste PV-Anlage der BES am Mittwoch (13.4.) in Betrieb gegangen. Drohnenfoto: Kögel © Jochen Kögel

Der Klimawandel war in Schwaikheim vor zehn Jahren die Triebfeder, Strom umweltfreundlich von der Sonne zu ernten und Schritt für Schritt öffentliche Gebäude mit Fotovoltaikanlagen (PV-Anlagen) zu bestücken. Seit ein paar Monaten, seit die Strompreise nicht zuletzt durch Börsengeschäfte hochgejazzt wurden, und erst recht mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs, erfährt das Thema „eigener Strom“ einen regelrechten Boom. Die Ehrenamtlichen von der Bürgerenergiegenossenschaft Schwaikheim (BES) erleben es hautnah, denn aus der ganzen Region werden sie um Rat gefragt: Wie viele Module würden auf mein Dach passen, ist es überhaupt geeignet, können Sie mal vorbeikommen? Dieter Lindenmaier, eins der 16 Gründungsmitglieder und noch einer der Vorsitzenden, muss diese Anfragen von Nicht-Mitgliedern allesamt abwehren. „Das Ehrenamt ist fast schon ein Fulltime-Job geworden“, erzählt er auf Einladung von Bürgermeisterin Astrid Loff im Rathaus.

Mitglieder geben Geld für den Anlagenbau und erhalten eine Dividende

Sie weiß, die BES steht kurz davor, Mitarbeiter (Werkstudenten, Minijobber) für ihre Arbeit zu bezahlen, und sie ist mächtig stolz auf die immer größer und professioneller werdende Genossenschaft. Wo andere Kommunen vielleicht höchstens Stadtwerke haben, die Anlagen betreiben und den Strom sowie Gas verkaufen, hat Schwaikheim (9680 Einwohner) dieses Geschäft im Grunde in die Hände aller Bürger gelegt. Fürs Zeichnen eines 250-Euro-Anteils wird man Mitglied und hat eine Stimme. Die Dividende liegt momentan bei 1,5 Prozent. Bis zu 40 Anteile kann man zeichnen, aber nur, wenn Projekte umgesetzt werden, für die die BES Kapital braucht. „Es gibt eine lange Warteliste“, sagt Astrid Loff, aber sie ruft auch ein ehrgeiziges Ziel auf, für das Geld gebraucht wird: „Wir wollen nicht nur eine klimaneutrale Gemeinde werden, sondern autark, also unabhängig von Energie ,von außen'.“

Jochen Kögel (43), der im März in den Vorstand gewählt worden ist, sieht die Genossenschaft dafür bestens aufgestellt, weil sie von Anfang an Mitglied im Dachverband Bürgerwerke geworden ist. Beispiel Mieterstrommodell, das die BES erstmals in Winnenden auf den Gebäuden der Baugenossenschaft am Wolfsklingenweg umgesetzt hat: „Alle 36 beziehen von uns den Strom, der von den PV-Anlagen auf ihrem Dach kommt.“ Sollte der mal doch nicht reichen, führt Dieter Lindenmaier aus, verfügt die BES über grünen Strom vom Dachverband, der von zahlreichen anderen Bürgerwerken Strom aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft ins Netz speist. Demnächst geht die zweite Mieterstromanlage in Betrieb, auf den Dächern der BGW-Gebäude im Eichendorffweg Winnenden.

Gemeinschaftsschulneubau: Noch nicht bezogen, Dach produziert schon Strom

Auch Schuldächer sind attraktive Standorte für die Genossen, durch Vermittlung des früheren Kämmerers betreiben die Schwaikheimer bald die Anlage auf der Gemeinschaftsschule in Korb und das große Flachdach des Erweiterungsbaus für die Ludwig-Uhland-Schule ist seit dieser Woche Mittwoch Träger einer Stromproduktion. Ihre Spitzenleistung wird mit 61 kWp angegeben, das heißt, im Jahr können bis zu 61 000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Geteilt durch 2500 erhält man die Zahl der Haushalte, die damit für ein Jahr versorgt werden können, es sind mehr als 24.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Bürgerenergie mehr als 600 000 Euro investiert und 386 kWp installiert. Vier Gebäude von Haus Elim sind dabei, demnächst auch dessen Schwaikheimer Erweiterung. Zählt man die im Bau befindlichen Projekte dazu, kommen 131 000 Euro und 101 kWp dazu. „Unsere größte Anlage ist aber immer noch unsere allererste, die auf dem Kinderhaus an der Badstraße“, sagt Dieter Lindenmaier. Sie hat 81 kWp zu bieten, zum Vergleich, ein Einfamilienhaus mit Satteldach etwa 4 bis 5 kWp. Dieter Lindenmaier begrüßt die Änderungen, die Wirtschaftsminister Robert Habeck auf den Weg gebracht hat. „Die Vergütung von eingespeistem Strom wird dann wieder attraktiver und mehr Anlagen rentabel.“ Sie lag bei großen Anlagen zuletzt bei 5 Cent für die Kilowattstunde, früher waren 18 Cent üblich.

Der Klimawandel war in Schwaikheim vor zehn Jahren die Triebfeder, Strom umweltfreundlich von der Sonne zu ernten und Schritt für Schritt öffentliche Gebäude mit Fotovoltaikanlagen (PV-Anlagen) zu bestücken. Seit ein paar Monaten, seit die Strompreise nicht zuletzt durch Börsengeschäfte hochgejazzt wurden, und erst recht mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs, erfährt das Thema „eigener Strom“ einen regelrechten Boom. Die Ehrenamtlichen von der Bürgerenergiegenossenschaft Schwaikheim (BES)

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