Schwaikheim

Schwaikheim erhöht Kindergarten-Gebühr: Mutter zornig über teure Pauschal-Tarife

Kinderbetreuung
Elisabeth Kaun hat einen Sohn, der bald zwei Jahre alt wird und im Kinderhaus Badstraße betreut wird. © Gaby Schneider

Zu den von den neuen Buchungsmodellen und den neuen höheren Gebühren für die Kinderbetreuung – beides jüngst vom Gemeinderat beschlossen – betroffenen Eltern gehören Elisabeth Kaun, 36, und ihr Lebensgefährte, 33. Ihr Sohn, der bald zwei Jahre alt wird, ist in der Krippe im Kinderhaus Badstraße, einer von zwei Ganztagesbetreuungseinrichtungen in Schwaikheim.

"XL"-Variante mit sieben Stunden Betreuung

Sie haben aktuell, beziehungsweise derzeit noch, eine Kombi aus zwei Tagen Ganztagesbetreuung und drei Tagen mit verlängerten Öffnungszeiten, in der „XL“-Variante (sieben Stunden Betreuung, bis 14 Uhr) gebucht. Bedeutet, sie haben so buchen müssen (und müssen entsprechend bezahlen), dass sie ihr Kind bereits um 7 Uhr bringen können, die ganze Woche. Tatsächlich machen sie es aber nur an zwei Tagen, beziehungsweise sind nur an diesen darauf angewiesen, weil sie da früher mit der Arbeit beginnen müssen. An den anderen drei lassen sie ihren Sohn länger im Bett, wollen ihn in dem Alter nicht unnötig früher rausholen.

Das gilt ebenso auf „der anderen Seite“ des Tages. Sie holen ihn im Kinderhaus ab, sobald es bei ihnen geht, lassen ihn nicht länger dort als nötig, auch das ist nachvollziehbar, dass berufstätige Eltern ihr Kind zumindest in ihrer Freizeit möglichst bei sich haben wollen. Praktisch läuft es darauf hinaus, dass sie ihren Sohn zwischen 15 und 16 Uhr abholen, auch an den Tagen, an denen sie aktuell bis um 17 Uhr gebucht haben (wobei seit vier Monaten die Öffnungszeiten eh gekürzt sind, bereits um 16 Uhr enden). Das Kinderhaus Badstraße ist eine Ganztageseinrichtung, es muss dort mindestens für zwei Tage in der Woche Ganztagesbetreuung gebucht werden, dazu für die anderen drei Tage entweder VÖ oder VÖ-XL, wobei die Eltern sich entscheiden müssen zwischen diesen beiden Optionen, „hin- und herspringen“ geht nicht, auch wenn der Bedarf dafür da wäre. Dass sie da nicht die Wahl haben, sei zwar nicht schön, aber zu verschmerzen. Die bisherigen Buchungszeiten seien zwar nicht optimal, aber anpassbar an ihren Bedarf.

Sie müssen künftig viel mehr Betreuung buchen, als sie brauchen und wollen

Was ist aus ihrer Sicht kritikwürdig am neuen Modell? Das Hauptproblem sei eben die Kombination, die neuen Buchungsmodelle, die eben in Wirklichkeit nicht, wie von der Gemeinde behauptet, flexibel seien, in Verbindung mit den neuen Gebühren. Durch die Arbeitszeiten von ihnen beiden und die Fahrzeit nach Schwaikheim – sie als Lehrerin in Welzheim, er in Stuttgart-Vaihingen – seien sie nun gezwungen, für jeden Tag GT 10, Betreuung von 7 bis 17 Uhr zu buchen (und zu bezahlen natürlich), „obwohl wir das eigentlich nicht brauchen“. Weil sie an einem Tag, aber eben nur an einem in der Woche, ihr Kind dort bis 17 Uhr im Kinderhaus betreuen lassen müssen, weil es keine Kombination aus Ganztagesbetreuung - und VÖ-/VÖ-XL-Tagen mehr gibt.

Die von der Gemeinde betonte mehr Flexibilität gebe es nur im Ü-3-Bereich (Kindergartenalter), allerdings auch nur etwas mehr, nicht aber für die Krippe (U-3-Bereich). Für die Eltern dort gelte das Motto „Vogel friss oder stirb“. Starr sei es auch morgens: Sie müssten entscheiden, ob sie ihr Kind um 7 oder um 8 Uhr oder um 7.30 Uhr bringen, für die ganze Woche. „Wir sind also gezwungen, zu viel zu buchen und damit auch zu viel zu zahlen. Wirklich flexibel würde bedeuten, nur das buchen, was wir brauchen, und auch nur das bezahlen.“

Eltern, die auf lange Betreuung angewiesen sind, würden bestraft

Da komme also beides zusammen: die Gebührenerhöhung an sich plus die Mehrbelastung durch die neuen Buchungsmodelle. „Die normale Erhöhung wäre für uns ja im Rahmen, aber so trifft es uns doppelt.“ Beim „Worst Case“, GT 10, mit 50 Wochenstunden Betreuung, seien es etwa zehn Stunden über den Bedarf hinaus, „die wir auch tatsächlich gar nicht in Anspruch nehmen“. Eigentlich, im Grunde, würden sie sogar dreifach „bestraft“, durch die Einführung des „Verursacherprinzips“, nämlich, dass die Eltern, die ihre Kinder lange betreuen lassen, künftig im Verhältnis stärker zur Kasse gebeten werden. Sie gehören dazu. „Aber die Eltern, die das machen, sind darauf angewiesen, die lassen ihre Kinder ja nicht aus Jux und Tollerei so lange in der Betreuung.“

Das gilt auch für sie, denn natürlich sei es ihnen lieber und sei es für die Bindung ihres Kindes zu den Eltern besser, dass es, wenn es geht, möglichst bei den Eltern ist. In dieser Hinsicht ist das Paar also eigentlich konventionell, man könnte sogar sagen, konservativ. Sie wollen ihr Kind, solange es noch so klein ist, eigentlich nicht den ganzen Tag in der Kita haben. „Wir glauben auch nicht, dass wir damit ein Einzelfall sind.“ Sie verweisen auf die Whatsapp-Gruppe der Eltern, wüssten aus der, dass es mindestens noch drei weitere Elternpaare gibt, die nur zwei oder drei lange Betreuungstage benötigen.

Die Pflicht, im Kinderhaus Badstraße Ganztagesbetreuung zu buchen (die sie ja auch brauchen), sei okay, es sei ja schließlich eine Ganztageseinrichtung, sonst könnten sie ihr Kind ja gleich in einer anderen Einrichtung anmelden. „Aber so, wie es künftig gehandhabt wird“, sei es für die Gemeinde doch eigentlich gar nicht mehr planbar: „Die weiß dann doch nur, was gebucht ist, aber nicht mehr, was gebraucht wird.“ Und deswegen werde Personal vorgehalten, das eigentlich unnötig sei – und das verteuere es eben für die Eltern.

Nur sechs Wochen zwischen Beschluss und Inkrafttreten der Neuerungen

Sie verweisen auch auf die kurze Zeit, bis die Neuerungen gelten werden. Von der Sitzung, in der die neuen Regelungen beschlossen wurden, bis zu ihrem geplanten Inkrafttreten zu Jahresanfang seien es nur sechs Wochen (inklusive Weihnachtsfeiertage), in denen betroffene Eltern mit ihren Betrieben über neue Arbeitszeiten verhandeln können, vorausgesetzt natürlich, diese haben, was ihnen bevorsteht, überhaupt umgehend mitbekommen. Ebenso kurz sei das Zeitfenster vor allem für Familien, bei denen es finanziell eng zugeht, um sich auf die höheren Gebühren umzustellen. Es wäre deshalb umso wichtiger, so Elisabeth Kauns Lebensgefährte, dass die Gebührenerhöhung in sozial vertretbarem Rahmen käme, das sei aber leider eben nicht der Fall. Er ist überzeugt davon, dass sie außerhalb dessen liegt, was in anderen Bundesländern gerichtlich für zulässig erklärt worden ist.

Sie selbst zahlen aktuell rund 520 Euro im Monat. Nach dem neuen Buchungsmodell und den neuen Gebühren werden es ab Jahresbeginn 722 Euro sein, ab September, wenn es so bleibt, wie beschlossen, 755 Euro, also zunächst 38 und später 45 Prozent mehr. Ohne das verpflichtende Mittagessen, das je Tag vier Euro kostet und damit 80 Euro im Monat zusätzlich bedeutet. Es gebe aber auch Eltern, die künftig über 50 Prozent mehr bezahlen müssten. „Wie viel muss man denn verdienen, dass sich das dann noch lohnt?“ Wenn die Kinderbetreuung über 800 Euro im Monat koste, dann tue das wohl den meisten Haushalten richtig weh, sind die beiden überzeugt.

Den Zwang, das warme Mittagessen zu buchen (und zu bezahlen), unabhängig davon, ob es beansprucht wird, sehen sie ebenfalls kritisch bei Kindern im Krippenalter. Das Thema Unverträglichkeiten und die Unterschiede bei den Essgewohnheiten, erst recht angesichts der multikulturellen Gesellschaft Schwaikheims, seien durchaus ernst zu nehmen, auf jeden Fall kein Anlass, sich über Eltern dazu lustig zu machen oder deren „Anspruchshaltung“ zu beklagen. Sie bezweifeln ohnehin, dass alle kleinen Kinder warmes (und fremdes) Essen mögen. Ihr Sohn zum Beispiel tue es nicht.

Zu den von den neuen Buchungsmodellen und den neuen höheren Gebühren für die Kinderbetreuung – beides jüngst vom Gemeinderat beschlossen – betroffenen Eltern gehören Elisabeth Kaun, 36, und ihr Lebensgefährte, 33. Ihr Sohn, der bald zwei Jahre alt wird, ist in der Krippe im Kinderhaus Badstraße, einer von zwei Ganztagesbetreuungseinrichtungen in Schwaikheim.

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Sie haben aktuell, beziehungsweise derzeit noch, eine Kombi aus zwei Tagen

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