Schwaikheim

Schwaikheim: Erneut mehr Anmeldungen für Klassenstufe 5 der Gemeinschaftsschule

Rektorin der Ludwig-Uhland-Schule
Heike Hömseder sieht die Schule für die kommende „Schnupfensaison“, was Corona angeht, gut gewappnet. © Alexandra Palmizi

Gut, dass ein Technik-Lehrer handwerklich geschickt ist, soll vorkommen. Aber Robert Doldinger macht auch als Barista eine gute Figur. Den kann die Ludwig-Uhland-Schule gut brauchen. Sie hat nämlich mittlerweile das „Café Ludwig“.

Der bisherige Aufenthaltsraum ist zu einem Treffpunkt für Schüler, Lehrer und Eltern umgestaltet worden. Doldinger hat die Theke und die Tische „gebaut“, aus den ausgedienten Werkbänken der mittlerweile in der Schwaikheimer Gemeinschaftsschule aufgegangenen Robert-Boehringer-Schule in Winnenden. Das Café mit seinen loungeartigen Sitzgelegenheiten sollen alsbald die Schüler übernehmen, es als Schülerfirma betreiben. Erst müssen sie aber noch in die Barista-Lehre gehen, bei den Vorbildern an der Albertville-Realschule, wo es so ein Schüler-Café schon gibt. Bis dahin hat Doldinger eben noch einen Nebenjob.

Das Café an der „LUS“ solle aber auf keinen Fall eine Konkurrenz zur ebenfalls nagelneuen Mensa dort sein, die gleichfalls „Aufenthaltsqualität“ hat, versichert Schulleiterin Heike Hömseder. Nein, es gehe um eine Ergänzung im Sinne des Mottos „Schule als Lebensraum“. Sie ist zwar im Stress, nächste Woche beginnt die Schule wieder, aber so viel Respekt muss sein: Als Englisch-Lehrerin hat sie prompt auf den Tod der britischen Königin reagiert und an ihrer Tür im Rektorat den Union Jack aufgehängt, auf halbmast. Das ist für sie aber nicht nur mehr oder weniger launige Pflicht, sondern ehrlich bekundete Anerkennung für die „Großmutter der ganzen Welt“, wie sie sagt.

Weitere Vorbereitungsklasse für Schüler aus Flüchtlingsfamilien

Es gibt aber nicht nur traurige Nachrichten. Die Schule hat eine weitere Vorbereitungsklasse genehmigt bekommen, für den Unterricht von Schülern aus Flüchtlingsfamilien, die insgesamt dritte, die zweite in der Sekundarstufe. Die sei auch dringend nötig, versichern Heike Hömseder und ihre Stellvertreterin Julia Hausleib. Es kämen immer neue Anfragen, vor allem von Geflüchteten aus der Ukraine. Sie waren im vergangenen Schuljahr schon längst weit über dem eigentlichen Klassenteiler von 24, mit über 30 Schülern jeweils. Mit der neuen Klasse und dank einer neuen Kollegin schaffen sie es wieder drunter. Das Führungsduo gibt aber keine Entwarnung: Die Lage ändere sich täglich, es kämen immer weiter neue Schüler, eben auch aus Leutenbach, die in die Vorbereitungsklassen aufgenommen werden müssen. In der Nachbargemeinde gibt es keine, die Schüler aus den Flüchtlingsfamilien werden dort, soweit und so lange möglich, in die regulären Klassen integriert. „Wir hatten alleine in dieser Woche neun Anfragen.“

Durch den Neubau sind vorübergehend zwei Klassenzimmer im Hauptgebäude freigeworden, mit der weiteren Vorbereitungsklasse ist also noch eines frei. Da ist also noch Platz, wäre Reserve? Sie winken ab. Das Problem sei das Personal, das Fehlen von Lehrern. Aber: Insgesamt sei die Schule da gut versorgt, sie dürften sich nicht beschweren. Nur eines dürfe nicht passieren: dass eine Kollegin in Bälde schwanger wird. Da gelte nämlich die bisherige Corona-Regel weiter, dass diese Kollegin dann sofort aufhören müsse, in dem Moment nicht mehr für den Unterricht eingesetzt werden dürfe. Die Deputate reichten nämlich gerade mal so aus, genau genommen, gebe es zwar ein leichtes Minus, das könne aber aufgefangen werden, der Pflichtunterricht sei aber gewährleistet, zu knapp sei es allerdings in den Fächern Kunst und Musik. Und bei Physik klappe es nur, weil ein Kollege den gesamten Unterricht für alle Sekundarklassen stemme. „Der darf also auf gar keinen Fall ausfallen.“ Bei Sport dagegen sei die Versorgung mit Lehrern wiederum sogar sehr gut.

50 Anmeldungen für die Klassenstufe 5

Es hat 50 Anmeldungen für die Klassenstufe 5 gegeben, acht mehr als im Vorjahr, wie überhaupt die Zahl stetig steigt, um etwa 20 Prozent jährlich. Der befürchtete (geunkte) Einbruch mit der Aufgabe der Schule in Winnenden ist also nicht eingetreten, im Gegenteil. Die betreffenden Schüler teilen sich ziemlich genau halbe-halbe auf: 50 Prozent Einheimische, 50 Prozent Auswärtige, also Winnender, vor allem von der Kasten- und der Stöckachschule.

Zum gängigen, noch immer weit verbreiteten Vorurteil, Lehrer seien die Urlaubsweltmeister, hätten wie die Schüler im Sommer sechs Wochen am Stück frei: Die Pädagogen in Schwaikheim sind schon die ganze Woche vor dem Schulstart wieder vor Ort. Die Einschulungsfeier für die Erstklässler wurde verlegt, von Samstag auf Freitag und für jede Klasse gibt es eine eigene. Am Mittwoch war Gesamtlehrerkonferenz, am Donnerstag Klausurtag, Thema: Umgang mit digitalen Medien, am Freitag standen die Klassenstufenkonferenzen beziehungsweise die Fachschaftskonferenzen auf dem Stundenplan.

Was ist coronamäßig im neuen Schuljahr zu befürchten? „Wir starten ohne Auflagen.“ Es gebe keine Maskenpflicht, natürlich dürfe, wer wolle, ob Lehrer oder Schüler, eine tragen. Für die „Schnupfensaison“ werde die Schule für jeden optional, als auf Nachfrage, bei Bedarf, vier Antigenschnelltestkits zur Verfügung stellen. Verwunderlich ist aus Sicht der Schulleiterinnen die Vorgabe, dass die Tests nicht in der Schule gemacht werden sollen, wie bislang, sondern daheim. Die Kits sind noch von der letzten „Saison“ übrig, es werden also keine neuen beschafft. Sich zu testen, ist freiwillig, davon gehen sie beide aus, von einer Verpflichtung sei bislang nichts bekannt.

„Wie es ist, wenn wieder eine ,pandemische Lage’ entsteht, beziehungsweise sie zurückkommt, ist aber völlig offen“, betont Heike Hömseder. Es wird außerdem die Möglichkeit geben, für Schüler und Lehrer, sich von der Präsenzpflicht beim Unterricht befreien zu lassen, gegen ein entsprechendes Attest. Wobei Heike Hömseder davon ausgeht, dass kaum eine(r) davon Gebrauch machen wird, bei den Lehrern habe sich im vergangenen Jahr niemand abgemeldet, bei den Schülern seien es ein paar wenige gewesen.

Rückkehr der Maskenpflicht hält sie für nicht ausgeschlossen

Sollte aber erneut „der Fall X“ eintreten, werde das die Schule „nicht aus der Ruhe bringen“, „denn wir haben in den vergangenen zweieinhalb Jahren damit umzugehen gelernt“. Das müsse also sozusagen nur wieder aus der Schublade gezogen werden. Komplette Schulschließungen kann sie nicht vorstellen, die Rückkehr der Maskenpflicht dagegen schon, weil die am schnellsten, einfachsten, umzusetzen wäre, siehe Züge und Pflegeheime. Ebenso ausgedünnte Klassen. Problematisch werde es, wenn Lehrer ausfallen sollten. Das werde unweigerlich zu Mehrarbeit für die Kollegen führen oder, wenn es nicht anders gehe, zu Unterrichtsausfall. Lehrerausfälle seien bislang kompensiert worden, aber das gehe nicht auf Dauer, „weil sonst die Kollegen ,ausbrennen’“. Ersatz, Reserven gebe es keine.

Was ist mit dem aktuellen Thema „Energie sparen“? Also, die Schulen seien ja von der Regelung für öffentliche Gebäude, die Räume runterzukühlen, ausgenommen. Damit gelte für sie die allgemeine Arbeitsstättenverordnung, sprich in Räumen, wo überwiegend gesessen wird, also die Klassenzimmer, mindestens 20 Grad, da, wo man sich bewege, mindestens 19 Grad, zum Beispiel in den Technik-Unterrichtsräumen.

Heike Hömseder verweist auf die Pflicht zum Lüften, auf Raumluftfiltergeräte in den Klassenzimmern der Grundschule und die „CO“-Ampeln“, die bei Überschreitung des Konzentrationshöchstwerts anschlagen und wo dann umgehend stoßgelüftet werden muss. Angesichts dessen, dass die Schulräume eh noch nie überheizt gewesen seien, werde man also nicht runtergehen bei der Temperatur, es sei denn, es komme „von oben“ irgendwann noch die Anweisung dazu. „Größeres Einsparpotenzial sehe ich bei unserer Schule eher durch eine energetische Sanierung.“ Dass es im Hauptgebäude der Schule mitunter zieht „wie Hechtsuppe“ ist kein Geheimnis.

Die wichtigste Frage ist die nach der Erweiterung der Grundschule

Eine viel wichtigere Frage, die sich auch Heike Hömseder und Julia Hausleib stellen, ist, wie geht es eigentlich räumlich mit der Grundschule weiter? Die braucht, möglichst bald, mehr Platz, mehr Räume. Dafür spricht auch der bevorstehende Anspruch von Eltern auf Ganztagesbetreuung. Die Schulleiterinnen verweisen auf den großen Bedarf, auf Wartelisten. Sie halten die offene, nicht verpflichtende Form in Schwaikheim für die richtige. Darüber und über die unausweichliche weitere Erweiterung der Schule habe es schon Gespräche mit der Gemeinde und der Verwaltung gegeben. Dass aus ihrer Sicht aber durchaus Eile geboten ist, weil „die Uhr tickt“, das deuten sie mehr als an mit Blick auf das Neubaugebiet „Heiße Klinge“ sowie die neuen Wohnbebauungen in der Ortsmitte.

Gut, dass ein Technik-Lehrer handwerklich geschickt ist, soll vorkommen. Aber Robert Doldinger macht auch als Barista eine gute Figur. Den kann die Ludwig-Uhland-Schule gut brauchen. Sie hat nämlich mittlerweile das „Café Ludwig“.

Der bisherige Aufenthaltsraum ist zu einem Treffpunkt für Schüler, Lehrer und Eltern umgestaltet worden. Doldinger hat die Theke und die Tische „gebaut“, aus den ausgedienten Werkbänken der mittlerweile in der Schwaikheimer Gemeinschaftsschule aufgegangenen

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