Schwaikheim

Schwaikheim: Kürzere Kita-Öffnungszeiten sorgen für Unmut bei Eltern

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Die Betreuungseinrichtung ist jüngst erst erweitert worden und die größte im Ort. © speiser

So häufig kommt es nicht vor, dass im Rathaus-Saal alle Plätze bei einer Gemeinderatssitzung besetzt sind und die Fragerunde (bevor es in die Beratung der Tagesordnungspunkte geht) über eine halbe Stunde dauert. Beides zeigte nun: Es „brennt“ und es wurde auch schnell klar, wo. Auf der Empore waren zahlreiche Eltern und die beiden Leiterinnen des Kinderhauses Badstraße und des Paula-Korell-Kinderhauses.

Es ging um die geplante, von den Leiterinnen gewünschte und wohl für die Erzieherinnen auch nötige vorübergehende Kürzung der Öffnungszeiten in den beiden Ganztageseinrichtungen – wegen der prekären Personalsituation dort und der Mehrbelastung der Erzieherinnen dadurch. Die Kürzung soll diese etwas entlasten, die Lage damit etwas entspannen.

Bei den Eltern hat sich viel Unmut angesammelt

Dieser zwischenzeitliche Ausweg aus der Misere ist offensichtlich nicht im Sinne der betroffenen Eltern, vor allem nicht der berufstätigen unter ihnen. Deren Vertreter im Gesamtelternbeirat machten denn auch bei der Fragerunde ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch, ihren Unmut kundzutun, lange vor dem, was unter „Top 5“ erst noch beraten und beschlossen werden sollte. Als dieser dran war, gab es aber auch aus dem Gemeinderat selbst Kritik an der, so die Beratungsunterlage verharmlosend, „Anpassung“. Wobei diese Sprachregelung übliche Praxis von Verwaltungen ist. Jede Gebühren- Beitrags- oder Steuererhöhung heißt dort „Anpassung“ und man kann sicher sein, dass es zu 99 Prozent eine Erhöhung ist, denn runter geht es so gut wie nie.

Nun also aber eine Verringerung des Angebots, zeitlich. Die Elternvertreter gingen bei ihrer Kritik daran allerdings auch über die jetzige Situation hinaus, beklagten die Einschränkungen in den vergangenen Jahren (Corona) und die Mehrbelastungen dadurch also auch für sie, nicht nur für die Erzieherinnen. Ob insbesondere das nun Wirkung zeigte, die Verwaltung reagierte auf jeden Fall, Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff zeigte sich kompromissbereit, kam den Eltern etwas entgegen.

Geplant war unter der Überschrift „verlässliche Betreuung für die Elternschaft und um gleichzeitig dem Personalmangel Rechnung zu tragen“, so hieß es in der Beratungsunterlage, die Öffnungszeiten in den Ganztageseinrichtungen zu verringern: von Montag bis Donnerstag nur noch von 7.30 bis 16 Uhr, sowie am Freitag von 7.30 bis 15 Uhr, also statt zehn Stunden wie bisher, auch am Freitag (7 bis 17 Uhr) nur noch neun beziehungsweise acht Stunden (wöchentlich nur noch 44 statt bisher 50 Stunden).

Dies sollte bereits ab 1. August gelten, also nur wenige Tage nach der Beschlussfassung dazu. Es ging aber auch um die Zeitspanne, wie lange diese Einschränkung, die vorübergehend sein soll, konkret dauern wird, und für wie lange rückwirkend Elternbeiträge reduziert werden.

Keine Frist, kein Datum für die Rückkehr zu den gewohnten Öffnungszeiten

Die Verwaltung gab dem Drängen nicht nach, ein konkretes Datum zu setzen, die Dauer der kürzeren Betreuungszeit genau zu befristen. Sie will sich nicht auf einen Termin festlegen, um dann, falls der doch nicht einzuhalten wäre, der Personalmangel sich nämlich fortsetzt, darauf „festgenagelt“ zu werden. Die Änderung soll gelten, bis die neue Satzung für die Kitas, die derzeit erarbeitet wird, greift, die weitere, flexiblere, eventuell sogar wie von Eltern gewünscht stundenweise Buchungsmöglichkeiten (mit entsprechend unterschiedlichen Gebühren) anbieten soll. Bisher gibt es „nur“ verlängerte Öffnungszeit bis 14 Uhr oder Ganztagesbetreuung bis 17 Uhr, obwohl es auch Eltern gibt, die für ihre Kinder zwar Nachmittagsbetreuung brauchen, aber nicht länger als bis 15 oder 16 Uhr.

Geändert wird allerdings der Zeitpunkt, ab wann die kürzeren Öffnungszeiten gelten. Statt 1. August wird es der 1. September, um den betroffenen Eltern mehr Zeit zu verschaffen, sich darauf einzustellen. Bei der rückwirkenden Reduzierung von Gebühren forderten Eltern, statt wie beantragt nur bis 1. August noch deutlich weiter zurückzugehen, also für einen viel längeren Zeitraum Geld zurückzuerstatten. Das wäre ein kleiner Ausgleich für zahlreiche Ausfälle vor allem während der Pandemie aus ihrer Sicht.

Die Elternbeiträge decken acht Prozent der Kosten

Astrid Loff verwies dazu aber auf den Kostendeckungsgrad, den Anteil der Eltern durch ihre Beiträge an den Kosten der Kinderbetreuung, der in Schwaikheim gerade mal acht Prozent beträgt, wobei es im Schnitt im Lande nicht viel anders aussieht, Schwaikheim mit dieser niedrigen Quote also keineswegs alleine steht. Hinzu kommt, auch darauf verwies Astrid Loff, dass im vergangenen Jahr die Gemeinde der Empfehlung der Landesverbände wegen der Belastungen der Familien durch die Pandemie nicht gefolgt war, die Beiträge um knapp drei Prozent zu erhöhen. Es bleibt also dabei, weil auch der Gemeinderat dem so zugestimmt hat: Rückerstattung nur bis zum 1. August.

Was die Dauer des Zeitraums angeht, in dem die kürzeren Öffnungszeiten gelten werden, betonte Astrid Loff, auch die Verwaltung sei daran interessiert, dass diese so kurz wie möglich sein soll, die neue Satzung möglichst schnell kommen solle. Die Kürzungen würden zurückgenommen, sobald es die Personalsituation zulasse, versprach sie darüber hinaus, damit eine Forderung der SPD-Fraktion aufnehmend. Allerdings wies auch Michael Grünert, CDU-FB, darauf hin, dass es anders besprochen gewesen sei, nämlich mit einer zeitlichen Begrenzung, genauen Frist. „Das wäre ein Signal an die Eltern, dass wir dran arbeiten, zu den normalen Betreuungszeiten zurückzukommen.“ Zumindest eine 17-Uhr-Gruppe solle es weiter geben, beziehungsweise erhalten oder zusammengestellt werden, für die berufstätigen Eltern, die die Betreuung bis dahin brauchen, so seine Anregung. Grüner war denn auch der Einzige, der bei der Abstimmung „Nein“ sagte.

Den Beginn der Betreuung erst ab 7.30 Uhr „strich“ die Bürgermeisterin kurzerhand. Das sei ein Übertragungsfehler gewesen und in der Tat mit dem Elternbeirat anders besprochen gewesen. Es bleibt also bei 7 Uhr.

Susan Jungwirth: Erzieherinnen arbeiten seit langem am Limit

Astrid Loff gab bei der Beratung auch den anwesenden Kita-Leiterinnen die Chance, „die andere Seite“ direkt zu schildern. Susan Jungwirth vom Paula-Korell-Kinderhaus wies darauf hin, dass die Erzieherinnen seit geraumer Zeit „am Limit arbeiten, um die Betreuung bis 17 Uhr zu halten. Wir hauen dafür alles raus, was möglich ist, mit Überstunden und Verschieben von Urlauben.“ Aber das gehe nicht mehr lange gut und mache es auch immer schwieriger, bei solchen Bedingungen die Erzieherinnen in Schwaikheim zu halten. Sie bitte also darum, der vorgeschlagene Kürzung der Öffnungszeiten zuzustimmen und die Eltern, diese zu akzeptieren.

Auch wenn die Lage derzeit besonders prekär sei, sei ein Verschieben des Beginns der Kürzung der Öffnungszeiten auf das Ende der Sommerferien tragbar aus ihrer Sicht, so Susan Jungwirth. Die Eltern bekommen also nun einen Monat länger Zeit für die Umstellung.

So häufig kommt es nicht vor, dass im Rathaus-Saal alle Plätze bei einer Gemeinderatssitzung besetzt sind und die Fragerunde (bevor es in die Beratung der Tagesordnungspunkte geht) über eine halbe Stunde dauert. Beides zeigte nun: Es „brennt“ und es wurde auch schnell klar, wo. Auf der Empore waren zahlreiche Eltern und die beiden Leiterinnen des Kinderhauses Badstraße und des Paula-Korell-Kinderhauses.

Es ging um die geplante, von den Leiterinnen gewünschte und wohl für die

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