Schwaikheim

Schwaikheim: Mann zahlt Ferrari-Reparatur nicht - und muss jetzt ins Gefängnis

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Um die nicht bezahlte Werkstatt-Rechnung für einen Ferrari drehte sich eine Verhandlung am Amtsgericht Waiblingen. © Ferrari

Wusste der Angeklagte, als er seinen Ferrari zum Restaurieren in die Werkstatt nach Schwaikheim brachte, dass er überhaupt nicht in der Lage sein werde, die dafür veranschlagten Kosten von fast 4000 Euro zu berappen? Oder nahm er das zumindest „billigend in Kauf“?

Um eine schlüssige Antwort auf diese Frage zu finden, mussten sich das Waiblinger Amtsgericht und der Vertreter der Staatsanwaltschaft durch ein Labyrinth an Firmen und Geschäftsbeziehungen tasten, das der 52-jährige Geschäftsmann aus Stuttgart vor ihnen ausbreitete, um das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen.

Ein Unterfangen, das am Ende aber erfolglos blieb. Der Richter verurteilte den selbstständigen Kaufmann wegen Betrugs zu sechs Monaten Freiheitsentzug, zur Übernahme der Gerichtskosten und zur Zahlung von rund 4000 Euro als Wertersatz für den von ihm verursachten Schaden.

Undurchsichtiger Finanzierungsdeal mit einem Bekannten

Im Frühjahr 2020 hatte der Mann den Ferrari, der eigentlich einer der sechs Firmen seiner Frau gehörte, für 41 000 Euro an einen Bekannten verkauft. Dieser Bekannte nahm einen Kredit über die Verkaufssumme auf. Vereinbart war, dass er die knapp 800 Euro, die jeden Monat für diesen Kredit fällig werden, in bar an den Käufer bezahlen sollte. Wenn der Kredit vollständig abgelöst wäre, würde der Bekannte den Ferrari wieder auf ihn überschreiben. So der Deal laut Angeklagtem.

Dessen Sinn habe darin bestanden, erklärte der Bekannte vor Gericht, dem Angeklagten, der damals gerade eine eidesstattliche Versicherung über seine Vermögensverhältnisse abgegeben hatte und seine monatlichen Einkünfte mit 445 Euro angegeben hatte, eine größere Summe Bargeld zukommen zu lassen.

Mehrere Monate habe dieses Arrangement funktioniert, so der Bekannte, dann seien die Zahlungen nur noch unregelmäßig gekommen, schließlich ganz ausgeblieben, so dass er den Kredit für die mittlerweile weiterverkaufte Nobelkarosse selbst bedienen musste.

Auf die Frage des Richters, woher er eigentlich die 800 Euro jeden Monat nehmen wollte, erklärte der Angeklagte, das Geld hätte ihm seine Frau geben sollen, in deren sechs Unternehmen er mal als Geschäftsführer, Gesellschafter oder Berater tätig war. Zudem habe er immer wieder mal auch eigene Einkünfte aus seiner Tätigkeit als Berater erzielt.

Angebliche Großprojekte, die sich aber leider zerschlagen hätten

Der Mann erzählte dem Gericht von großen Summen, die er angeblich hatte einnehmen wollen. Zwei Großprojekte hätten sich aber zerschlagen. Bei dem einen sei es um den Verkauf von Automobilen nach China gegangen, dieser hätte ihm zwischen 80.000 und 100.000 Euro eingebracht, wenn er nicht der Corona- und Halbleiterkrise sowie den Problemen in Asien zum Opfer gefallen wäre.

Gar 150.000 Euro hätte die Vermittlung eines Patents nach Rumänien in die dortige Erdölindustrie eingebracht, womit eines der Unternehmen seiner Frau beauftragt worden wäre. Diese 150 000 Euro seien ihm für Anfang Oktober 2020 anvisiert worden, woraufhin er den Ferrari in die Werkstatt brachte.

Doch auch da habe ihm Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da im Herbst 2020 Reisen nicht mehr möglich waren, hätten die Geschäftspartner das Geschäft auf Eis gelegt. Mittlerweile existiere auch die deutsche Firma, die das Patent angeboten hatte, nicht mehr.

Vom Richter nach Verträgen oder Geschäftsunterlagen zu diesem Projekt gefragt, musste der Angeklagte allerdings passen. Es gebe darüber keine Dokumente, alle Absprachen und Übereinkünfte seien ausschließlich mündlich erfolgt.

Statt Geld kam eine eidesstattliche Erklärung

Auf jeden Fall bis heute nicht bezahlt hat der Angeklagte die Rechnung in Höhe von exakt 3920,01 Euro, die ihm die Werkstatt für die Renovierung des Ferrari Ende Oktober 2020 zusammen mit Bildern über die einzelnen Arbeitsschritte und die verbauten Teile zumailte. Er habe sich artig bedankt und mitgeteilt, dass er seine Sekretärin anweisen würde, das Geld in der kommenden Woche zu überweisen, berichtete die Geschäftsführerin der Werkstatt. Auf das Geld warte sie bis heute. Stattdessen habe der Angeklagte eine eidesstattliche Erklärung vorgelegt, woraufhin die Schwaikheimerin Anzeige wegen Betrugs erstattete.

Der Angeklagte versuchte, sich im Gerichtssaal bei der Geschädigten für den Verlust und die Unannehmlichkeiten, die er verursacht hat, zu entschuldigen. Er würde gern den Schaden wiedergutmachen. Dies sei allerdings nicht möglich, da er sich seit Anfang Juni wegen Fluchtgefahr in einer anderen, offenbar viel größeren Sache, in Stammheim in Untersuchungshaft befinde.

Das dazu gehörige Wirtschaftsverfahren, ergänzte sein Verteidiger, beginne vor dem Stuttgarter Landgericht im November; angesetzt seien 40 Verhandlungstage. Was die Verhandlung vor dem Waiblinger Amtsgericht anbelange, so kündigte der Verteidiger nach dem Urteil an, dagegen Rechtsmittel einzulegen.

Wusste der Angeklagte, als er seinen Ferrari zum Restaurieren in die Werkstatt nach Schwaikheim brachte, dass er überhaupt nicht in der Lage sein werde, die dafür veranschlagten Kosten von fast 4000 Euro zu berappen? Oder nahm er das zumindest „billigend in Kauf“?

Um eine schlüssige Antwort auf diese Frage zu finden, mussten sich das Waiblinger Amtsgericht und der Vertreter der Staatsanwaltschaft durch ein Labyrinth an Firmen und Geschäftsbeziehungen tasten, das der 52-jährige

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