Schwaikheim

Schwaikheim: Zwei Männer übernehmen Ruder bei "Bürger helfen Bürgern"

Bürger helfen Bürgern
Joachim Babenschneider und Johannes Krings (r.) beim Interview im neuen „Rat-Laden“-Domizil. © Gabriel Habermann

Beim Verein „Bürger helfen Bürgern“ ist es „andersherum“ als bei anderen: Nach der langjährigen „Frauenherrschaft“ seit der Gründung haben jetzt Männer das Ruder übernommen. Auf die Frage an Joachim Babenschneider und Johann Krings, ob das der Beginn eines Patriarchats ist, müssen die beiden neuen Vorsitzenden allerdings lachen.

Eines ist allerdings mit ihrem Amtsantritt klar: Ein Generationenwechsel ist das nicht, Babenschneider ist 67, Krings noch ein Jahr älter. Aber die beiden stehen, wie man so sagt, „noch voll im Saft“ und sie sehen sich selbst auch keineswegs als Übergangslösung. Außerdem ist die Führung des Vereins keineswegs eine Männerdomäne. Annemie Grzinia ist weiterhin Kassiererin. Außerdem „steigen“ Angelika Kölz und Martina Lampater ein, übernehmen Aufgaben. Im sozialen Bereich dominierten eh schon immer Frauen, so die Lebenserfahrung von Krings.

Ein Ziel: die Verzahnung mit der sonstigen Seniorenarbeit im Ort

Krings ist eh kein Neuling beim „BhB“. Babenschneider ist erst seit September dabei, nachdem er mitbekommen hatte, was der Verein alles so macht, und davon beeindruckt war. Im Gegensatz zu Krings (Zweiter Vorsitzender des Heimatvereins und Schriftführer des CDU-Gemeindeverbands) hat er auch noch keine Erfahrung als „Funktionär“. Und wie das oft so ist in Vereinen: Beide hat es nicht nach dem Amt gedrängt, aber sie haben in „Not am Mann“ sich überzeugen, ja vielleicht sogar überreden lassen.

So groß sei die Not gar nicht: Der Verein arbeite sehr gut, die Gruppen in ihm funktionierten, betont Krings. Wobei der „Wiederanlauf“ nach Corona durchaus nicht einfach gewesen sei, ergänzt Babenschneider. So sei zum Beispiel der Frühstückstreff bislang noch nicht wieder gestartet. Ziel sei, das, was gut laufe, fortzuführen, vor allem die Formate, die Jung und Alt zusammenführen. Wichtig sei auch die Verzahnung mit der sonstigen Seniorenarbeit im Ort und man wolle ja auch keine Konkurrenz für die anderen Vereine sein, deren Angebote. Der neue „Stab“, das Orga-Team, werde die Aktiven unterstützen, wo immer es nötig ist.

Bei der Hausaufgabenhilfe sind weitere Helfer willkommen

Babenschneider bestätigt den Eindruck, dass auch „Bürger helfen Bürgern“ gleichwohl Nachwuchssorgen hat, selbst wenn es bei einigen Angeboten nach wie vor genug Helfer gibt, noch. Knapp sei es bei der Hausaufgabenbetreuung, da gebe es mittlerweile sogar eine Warteliste (der Schützlinge, die Betreuung brauchen), da sei Verstärkung sehr willkommen. Das Angebot leide aber auch unter Platznot.

Ja, der Altersschnitt der Aktiven liege sicher über 60. Natürlich brauche es und wäre eine Verjüngung angesagt. Aber sie hätten schon die Hoffnung, über die Angebote für Kinder und Jugendliche an deren Eltern „heranzukommen“, also sie gewinnen, einspannen zu können, dass diese selbst mitmachen.

Aber noch mal zu ihnen selbst. Klar, auch sie haben sich, als sie sich zur Verfügung stellten, die übliche Frage gestellt „Was habe ich davon?“ Aber es gehe darum, den Verein für die kommende Zeit so aufzustellen, dass er in jüngere Hände übergeben werden kann, so Babenschneider. Falls die, wie gesagt, sich überhaupt finden lassen. Und wenn ja, dann seien sie auch bereit, in die zweite Reihe zu treten.

„Rat-Laden“: für Vereine, die kein eigenes Vereinsheim haben

Neu ist auch das Domizil des Vereins, der sogenannten „Rat-Laden“ an der unteren Bahnhofstraße, wo einst über viele Jahre das Fahrradgeschäft Vollmer war. Er ist dort nicht alleine, sondern teilt sich den Raum mit anderen Vereinen, die kein eigenes Vereinsheim haben. Der Verein hat dort sein Büro, feste Präsenz- und Beratungszeiten gibt es noch nicht. Das sei an der Reihe, wenn sich wirklich Bedarf dafür ergebe, so Babenschneider. Dringend sei es insofern nicht, weil sich die Gruppe auch weiterhin selbst organisiert, Teams wie beim Mittagstisch autark arbeiten. Die Räume hat die Gemeinde angemietet und stellt diese den Vereinen „für wenig Geld“ zur Verfügung.

In den Angeboten stecke sehr viel Herzblut drin

Wobei sie davon ausgehen, dass auch „Bürger helfen Bürgern“ künftig digitaler wird und die Mitgliederverwaltung vorwiegend im Home-Office erfolgt. Immerhin gibt es bereits einen Facebook-Account und eine Homepage, bei der Babenschneider allerdings noch „Luft nach oben“ sieht. Er betont aber im gleichen Atemzug, wie viel Herzblut in den Angeboten vor Ort stecke. Die Zahl der ehrenamtlichen Arbeitsstunden, die da zusammenkommen, sei riesig.

Trotzdem: Der Verein stand bekanntlich durchaus „auf der Kippe“ wegen fehlender Nachfolger/-innen in der Führung, trotz reichlich aktiver „Powerfrauen“ und es gab auch schon Sitzungen mit „Untergangsstimmung“, so die beiden. Jetzt haben Rentner - oder rüstige Jungsenioren, je nach Sichtweise – übernommen, die darüber durchaus schmunzeln können. Sie seien beide ausgesprochene Familienmenschen und stolze Großväter, stets untereinander in Konkurrenz, wer denn nun von ihnen beide gerade mehr Enkel hat. Bei Krings hat die Gattin gedrängt, dass er sich in die Pflicht nehmen lässt. Bei Babenschneider hat dessen bessere Hälfte gemeint, er solle es sich vorher gut überlegen. Das hat er ja denn wohl getan.

Beim Verein „Bürger helfen Bürgern“ ist es „andersherum“ als bei anderen: Nach der langjährigen „Frauenherrschaft“ seit der Gründung haben jetzt Männer das Ruder übernommen. Auf die Frage an Joachim Babenschneider und Johann Krings, ob das der Beginn eines Patriarchats ist, müssen die beiden neuen Vorsitzenden allerdings lachen.

Eines ist allerdings mit ihrem Amtsantritt klar: Ein Generationenwechsel ist das nicht, Babenschneider ist 67, Krings noch ein Jahr älter. Aber die beiden

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