Schwaikheim

Schwaikheimer investiert Hochzeitsgeld in "Gras" und landet vor dem Amtsgericht

Dealen
Gleich ein halbes Kilo besorgte sich der Hauptangeklagte, verkauft wurden aber nur 100 Gramm, ehe die Polizei den Rest fand. © animaflora2016 / Fotolia

Wegen des Besitzes und Verkaufs von Marihuana, juristisch gesprochen, gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln hatten sich ein Schwaikheimer und ein Leutenbacher, beide 32, vor dem Amtsgericht Waiblingen zu verantworten. Es ging um zwei Fälle, beide im September 2019, einmal 100 Gramm, aufgeteilt in mehrere Tranchen, einmal um den Besitz von rund 300 Gramm.

Der Schwaikheimer hat nach dem Realschulabschluss eine Schreinerausbildung gemacht, arbeitete danach als selbstständiger Monteur im Ladenbau, vor allem auf Messen. Die fielen aber während der Corona-Zeit aus, er wurde also arbeitslos, bezieht seither Hartz IV, hat aber, wie er dem Gericht versicherte und was ihm dieses auch abnahm, eine Stelle in Aussicht. In Trennung lebend, eine dreijährige gemeinsame Tochter und eine ganz erkleckliche fünfstellige Summe an Schulden, sprich Steuerrückstände beim Finanzamt, so seine weiteren Angaben zur Person gegenüber dem Schöffengericht. Die Nachfrage des Richters, ob er denn eine „Drogenkarriere“ habe, bejahte er, versicherte allerdings, nach dieser „Geschichte“ damit komplett aufgehört zu haben. So ganz aber offenbar noch nicht, relativierte sein Anwalt, denn es gebe ja nach wie vor Kontakt zur Drogenberatung.

Gelegentlicher Konsum

Sein Kompagnon hat nach dem Abgang von Gymnasium in der achten Klasse und dem Schulabschluss mit der Mittleren Reife eine kaufmännische Ausbildung gemacht und arbeitet in der Lagerlogistik. Bei ihm habe der „gelegentliche“ Drogenkonsum in der Jugend begonnen, auch er habe Schulden, wenn auch deutlich weniger, berichtete er dem Gericht.

Der Schwaikheimer ließ eingangs der Beweisaufnahme durch seinen Anwalt eine Erklärung abgeben, dass er die Vorwürfe einräume, ein Geständnis also. Die Abnehmer der Tranchen seien frühere Schulfreunde gewesen. Der Anwalt des Leutenbachers berichtete, dass sein Mandant die Verkäufe im Auftrag des anderen getätigt habe. Das Marihuana habe diesem gehört. Er hatte sich das selbst besorgt mit den Geldgeschenken aus seiner Hochzeit zuvor. Sein Freund war während der Hochzeitsreise der Frischvermählten in deren Wohnung, kümmerte sich während deren Abwesenheit um diese. Vom Verkaufserlös habe er nichts bekommen, also keine Prämie oder Entlohnung, wobei der Richter davon ausging, dass die wohl eben in einem gewissen Anteil für den Eigenkonsum bestanden habe, sprich, er habe sich am Vorrat bedienen können.

Problem: Zwei Springmesser in der Nähe des Drogenlagers

Das Problem an dem Fall beziehungsweise die Vorwürfe erschwerend ist, dass bei einer Hausdurchsuchung durch die Polizei in der Nähe des „Drogenlagers“ Messer gefunden wurden, weshalb der Verdacht im Raum stand, dass diese „vorsorglich“ dort waren, falls es bei den „Verkaufsverhandlungen“ Probleme gegeben hätte. Dann wäre nämlich von bewaffnetem Handel auszugehen, von einem ganz anderen, nämlich deutlich höheren, Strafrahmen, und damit wäre nicht das Amtsgericht, sondern das Landgericht zuständig, so der Richter.

Als Zeugin sagte eine Polizistin aus, die bei der Hausdurchsuchung dabei war. Ein Nachbar des Schwaikheimers hatte gegen halb zwei in der Nacht wegen Lärm angerufen, weil dieser draußen laut rumgeschrien hatte. Sie und ihre Kollegen hätten die Wohnung in einem ziemlich wüsten Zustand vorgefunden, aus dem Keller seien laute Musik und Geschrei gekommen. Der Angeklagte sei dort in aufgelöstem Zustand und, na ja, völlig nackt gewesen. Außerdem habe es eindeutig nach Marihuana gerochen, der Mann habe gleich eingeräumt, dass er dort kiffe. Entsprechende Utensilien seien dort rumgelegen, dazu Überreste von Joints. 350 Gramm Marihuana, in einer Stofftasche und in Einmachgläsern aufbewahrt, seien gefunden worden – und eben zwei aufklappbare Springmesser. Offenbar habe es kurz vorher einen Streit mit der Ehefrau gegeben, das Paar sei erst zuvor von den Flitterwochen aus Spanien zurückgekommen. Der Drogenkonsum kurz vorher sei dem Mann deutlich anzumerken gewesen, er habe starke Stimmungsschwankungen gezeigt.

Was die Polizei aber eben auch fand, war ein Handy, berichtete eine weitere Zeugin, nämlich die ermittelnde Kripobeamtin. Und durch die Auswertung der Whatsapp-Chatverläufe kam die Kripo den vorausgegangenen Verkäufen auf die Spur.

Beide Angeklagte sind einschlägig vorbestraft. Allerdings ging es, wie auch in diesem Fall, immer um „weiche“ Drogen, nun allerdings, zusammen, um eine durchaus erhebliche Menge. Beim zweiten Angeklagten war allerdings die Frage, ob er überhaupt Mittäter war, oder es sich bei ihm nicht „bloß“ um Beihilfe handelte. Das Gericht ging in seinem Urteil schließlich davon aus und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird.

Bewährungsstrafe

Der, wenn man so will, Hauptangeklagte, erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt wird. Ihn mahnte der Richter eindringlich, zu bedenken, was bei der Hausdurchsuchung hätte passieren können, nämlich viel Schlimmeres: „Sie waren da völlig außer sich, und die beiden Messer waren im gleichen Raum!“ Immerhin seien es keine Pistolen gewesen, deshalb und auch, weil es „nur“ um Marihuana ging, sei von einem minderschweren Fall auszugehen. Sein Beitrag zu den Taten sei dennoch wesentlich größer als bei seinem ebenfalls angeklagten Freund. Bei dem spreche für bloße Beihilfe, dass er genaue Anweisungen zum Verkauf gehabt und vom Gewinn daraus nichts abbekommen habe.

Beide Angeklagten bekamen als Auflage, sich von der Drogenberatung helfen zu lassen. Eine Geldbuße als „Denkzettel“ mache angesichts ihrer Schulden, im einen Fall dazu auch noch Arbeitslosigkeit, keinen Sinn, zumal dieser Angeklagte ja durch die Trennung von seiner Frau nun Unterhalt für das gemeinsame Kind zahlen müsse. Hinzu kämen für beide ja auch noch die Verfahrenskosten von rund 1000 Euro.

Wegen des Besitzes und Verkaufs von Marihuana, juristisch gesprochen, gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln hatten sich ein Schwaikheimer und ein Leutenbacher, beide 32, vor dem Amtsgericht Waiblingen zu verantworten. Es ging um zwei Fälle, beide im September 2019, einmal 100 Gramm, aufgeteilt in mehrere Tranchen, einmal um den Besitz von rund 300 Gramm.

Der Schwaikheimer hat nach dem Realschulabschluss eine Schreinerausbildung gemacht, arbeitete danach als selbstständiger

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