Schwaikheim

Schwaikheimerin hilft Kindern mit Hörverlust in Haiti

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Eine kleine ängstliche Patientin sitzt bei Nadja Laible auf dem Schoß. Die Hörakustikerin brauchte viel Einfühlungsvermögen, bis sie das Vertrauen der Kleinen hatte. © Laura Edenberger
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Vor dem Abflug nach Port au Prince am Flughafen in Miami.
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Um ins Landesinnere zu kommen, musste das Team durch große Flüsse fahren.
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In diesen Pavillons hat das Team zahlreiche Kinderohren behandelt.
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Mit dem schüchternen Mädchen hat Nadja Laible viel Zeit verbracht.
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Der kleine Louis hat die gesamte Station auf Trab gehalten.

Schwaikheim/Haiti. Als Hörakustikerin hilft Nadja Laible aus Schwaikheim nicht nur Menschen in Deutschland. Im Mai 2018 war die 30-Jährige für die Hear the World Foundation in Haiti im Einsatz und hat dort die Ohren zahlreicher Kinder behandelt und mit Hörgeräten versorgt. Uns hat Nadja Laible von ihren "heftigen Eindrücken" in einem der ärmsten Länder der Welt erzählt.

Fast elf Millionen Menschen leben in Haiti, die medizinischen Zustände sind schlecht. Experten und die nötige Ausrüstung, um an Hörverlust erkrankte Kinder zu versorgen, fehlen. Werden die Kleinen nicht behandelt, kann das verheerende Folgen haben: Wenn sie nicht hören können, lernen sie nicht sprechen, können nicht zur Schule gehen und werden aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Manche Eltern glauben sogar, dass gehörlose Kinder mit einem Fluch belegt sind.

Die Kinder benötigen professionelle Hilfe. Menschen wie Nadja Laible wollen mit ihrem Fachwissen und Engagement dazu beitragen, diese Situation zu verbessern.

Eine Reise ins Unerwartete

Vor ihrer Reise musste sie einen Impfmarathon durchlaufen und nahm via Skype Kontakt zu den anderen Freiwilligen - die ausschließlich aus den USA und Kanada kamen - auf, um zu besprechen, wer welche medizinische Versorgung und Medikamente mit nach Haiti nimmt. Im Mai traf sich die 14-köpfige Gruppe dann am Flughafen in Miami und trat ihre Reise ins Unerwartete an.

Abenteuerliche Reise in den Dschungel

In Haiti versorgte das Team zunächst Kinder im "New Life Children's Home", einem Kinderheim mitten in Port au Prince. Zwei Tage später fuhren die Freiwilligen weiter zu einer Schule in das Landesinnere nach Hinche, um auch dort Kinderohren zu untersuchen. Die fünfstündige Reise in den Dschungel war für Nadja Laible besonders abenteuerlich: Während der Hauptregenzeit ist die Fahrt durch große Flüsse nicht gerade ungefährlich. "Wir wussten nicht, ob wir die Flüsse überhaupt durchqueren können", erzählt die 30-Jährige.

Schule wird zur Krankenstation

Im Dschungel warteten hunderte Menschen auf das Hear the World-Team. Eine Familie war bei brütender Hitze sogar vier Stunden durch den Wald gelaufen, damit die Kinder untersucht werden konnten. 

Das Team richtete in Schul-Pavillons Krankenstationen ein und musste dann erst einmal alle Kinder registrieren. Allein das war eine riesige Herausforderung, da man sich nur schwer verständigen konnte und man von manchen Kindern weder Name noch Alter wusste. Doch die Registrierung war notwendig, denn nur so können die Kinder vom nächsten Team der Stiftung, dass noch in diesem Jahr nach Haiti reist, nachbehandelt und mit Hörgeräten versorgt werden.

Perlen und Krabbeltiere in den kleinen Ohren

Während der Behandlungen bekamen die Experten Unterstützung von einheimischen Helfern. Bei einigen Kindern genügte es schon, die Ohren von kleinen Haarperlen, Krabbeltieren oder anderen Fremdkörpern zu befreien und zu reinigen. "Es ist unbeschreiblich, wenn dich ein Kind anschaut und zum ersten Mal etwas hört", erzählt Laible. In anderen Fällen mussten die Experten aber auch richtige Hörtests durchführen, um herauszufinden, wie gut oder schlecht die Kinder noch hören konnten.

"Die Kinder sind völlig reizüberflutet"

Für die Hörtests bekamen die Kinder große Kopfhörer aufgesetzt und sollten die Hand heben, sobald sie einen Piepton hören. Mit Händen und Füßen mussten die Ärzte den ängstlichen Patienten erklären, was sie zu tun hatten. "Die Kinder sind völlig reizüberflutet. Man braucht sehr sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen, um das Vertrauen eines Kindes zu bekommen ", sagt Laible. Manche Messungen musste das Team zum Teil sieben bis acht Mal durchführen, um ein klares Ergebnis zu bekommen.

Vertrauen spielend gewinnen

Mit einem kleinen Mädchen verbrachte Laible viel Zeit. Die Patientin war sehr schüchtern und ängstlich. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, spielte die Hörakustikerin mit dem Mädchen, leuchtete ihr mit einem Licht immer wieder auf den Arm und ließ sie die Lichtpunkte fangen. Es dauerte zwar seine Zeit, aber irgendwann ließ sich das Mädchen doch noch untersuchen. 

Auch der kleine Louis ist der Schwaikheimerin besonders in Erinnerung geblieben. "Er war glücklicherweise gesund", erzählt sie. Doch nach seinem Hörtest hielt er die gesamte Station auf Trab: Der Piepton hatte ihm wohl so gut gefallen, dass er das Geräusch auch noch Minuten später nach machte und die anderen Kinder von deren Untersuchung ablenkte. 

Hilfe in der Haiti Deaf Academy

Nach der schweißtreibenden Arbeit im Dschungel fuhr das Team zurück nach Port au Prince und besuchte dort dann noch die Haiti Deaf Academy. In diesem Heim werden benachteiligte Kinder mit Hörverlust unterstützt und unterrichtet. Die Experten versorgten dort Kinder, die bereits Hörsysteme haben und kontrollierten und reinigten deren Ohren.

Es war nicht die letzte Reise

Für Laible war es "unbeschreiblich schön", sich mit den Kindern zu beschäftigen, ihnen in die Augen zu schauen und Zeit mit ihnen zu verbringen. "Man wird auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt", fasst Nadja Laible ihre Zeit in Haiti zusammen. Zu sehen, in welcher Armut die Menschen leben, war für sie schlimm. Für die Hörakustikerin war es definitiv nicht der letzte Einsatz im Ausland: "Am liebsten würde ich es zwei- oder dreimal im Jahr machen", sagt die Schwaikheimerin. Wenn es klappt, möchte sie schon nächstes Jahr wieder ins Ausland reisen.


Schwaikheim/Haiti. Als Hörakustikerin hilft Nadja Laible aus Schwaikheim nicht nur Menschen in Deutschland. Im Mai 2018 war die 30-Jährige für die Hear the World Foundation in Haiti im Einsatz und hat dort die Ohren zahlreicher Kinder behandelt und mit Hörgeräten versorgt. Uns hat Nadja Laible von ihren "heftigen Eindrücken" in einem der ärmsten Länder der Welt erzählt.

Fast elf Millionen Menschen leben in Haiti, die medizinischen Zustände

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