Schwaikheim

Seit einem Jahr Bürgermeisterin in Schwaikheim: Astrid Loff blickt zurück

Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff
Astrid Loff auch gestisch: So viel, was viel Geld kostet und getan werden muss, hat die Gemeinde vor sich. © ALEXANDRA PALMIZI

Rund ein Jahr ist Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff in Schwaikheim im Amt. Wie hat sie die Zeit seit ihrer Amtseinsetzung erlebt? „Als intensiv“, sagt sie beim Rückblickinterview in ihrem Büro. Die Zeit sei geprägt gewesen von einer unheimlich hohen Informationsdichte. Sie habe sich ja erst mal einarbeiten, kundig machen müssen. Eines, was sie dabei gelernt habe: dass „Bedarf“ und „Bedürfnis“ nicht das Gleiche sei, natürlich in Bezug gemeint auf das, was an die Gemeinde und auch an sie persönlich herangetragen wird.

Schwaikheim hat lauf Astrid Loff viele „Baustellen“

Noch eine Erkenntnis von ihr: Schwaikheim habe viele „Baustellen“. Und dass sich die Gemeinde angesichts des knappen Gelds in den nächsten ein, zwei Jahren eigentlich keine „Freiwilligkeitsleistung“ leisten könne, die „Pflichtaufgaben“ absolut Vorrang haben müssen. Sie zuallererst, dringlich, neue Kinderbetreuungsplätze schaffen müsse, um den Bedarf decken zu können.

Bei dem Punkte wird Astrid Loff deutlich, konkret: Dass die „Heiße Klinge“ – das große Neubaugebiet beim Bahnhof, das derzeit aufgesiedelt wird – ohne eine Kita geplant wurde, „darüber bin ich nicht glücklich“. Wenn das Gebiet vollbebaut sein wird, würden nämlich die bestehenden Kindergärten aus allen Nähten platzen – wenn die Gemeinde nicht schnell handelt. Deshalb könne aus ihrer Sicht durchaus auch ein „schöner“ Modulbau abhelfen, die seien nämlich auf einem Stand, dass sie die nächsten 50 Jahre halten. „Das würde erst mal reichen, das muss nicht 100 Jahre Bestand haben.“

Es gebe einen Sanierungsstau, Nachholbedarf bei der Infrastruktur

„Viele Baustellen“? Klingt da ein Vorwurf an ihren Vorgänger heraus? So sei das nicht gemeint, sondern dass es Aufgaben gebe, an die sich die Gemeinde machen müsse und vor denen auch Gerhard Häuser gestanden wäre. Aufgaben, deren Erledigung viel Geld koste, von der man aber eben nicht viel sehe. Zum Beispiel die Sanierung von Kanälen oder Trinkwasserhochbehältern.

Ein gewisser Sanierungsstau bei der Infrastruktur sei nun mal da: „Das heißt nicht, dass in der Vergangenheit nichts geschehen ist, es gibt aber Nachholbedarf, auch bei der Sanierung von Straßen. Auch mein Vorgänger müsste, wenn er noch im Amt wäre, ebenfalls handeln.“ Das Problem sei, dass nicht alles auf einen Schlag gemacht werden könne, dass es damit leider teurer werde. Corona sei ja nicht die letzte Krise, da komme eine nach der andern. Auf der Haben-Seite, wenn man so will, sieht Astrid Loff, unter anderem, dass die Gemeinde alle Flüchtlinge, die sie aufzunehmen hatte, das bislang ohne Zelte oder Belegung von Hallen geschafft hat, auch dank der Unterstützung von Bürgern, die Wohnungen zur Verfügung gestellt haben.

Sind alle Wunden aus der Vergangenheit geheilt?

Wie nimmt sie, die nach wie vor in Nellmersbach wohnt, die Stimmung im Ort wahr, die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat? Seit dem Suizid ihres Vorgängers sind anderthalb Jahre vergangen, Schwaikheim machte (und macht?) seitdem eine schwere Zeit durch. Ob alle Wunden aus der Vergangenheit geheilt seien, da sei sie nicht sicher, aber dafür sei die Zeit auch wohl noch zu kurz, so Astrid Loff.

Also, den Gemeinderat erlebe sie durchgängig als konstruktiv. Dessen Mitglieder brächten sich weit über die Zeit der Sitzungen hinaus ein, alles ehrenamtlich. „Die wollen gestalten, sich beteiligen, geben sich große Mühe, sich für Schwaikheim einzubringen, und ich nehme das auf.“ Ja, es gebe immer wieder Diskussionen, aber da gehe es ihrer Wahrnehmung nach stets um Schwaikheim, um dessen Wohl. Ja, die Anteile der Redebeiträge seien teils sehr unterschiedlich und ja, dass die Kommunalwahl näherrücke, das spüre sie sehr wohl. „Das ist auch mein Eindruck teilweise, aus meiner Sicht ist das aber zu früh.“

Doch es sei wichtig, Diskussionen Raum zu geben: „Es kann ja immer sein, dass gute Vorschläge kommen, und ich erhebe nicht den Anspruch, klüger zu sein als 18 erfahrene Gemeinderäte. Das ist auch ein Beratungsgremium und die beraten mich wirklich.“

Sie erlebe den Ort als Mitmachgemeinde

Und die Stimmung im Ort? Astrid Loff überlegt. Sie bekomme überhaupt viel Unterstützung, viel guten Rat, erlebe Schwaikheim als „Mitmachgemeinde“, etwa bei ihren häufigen Besuchen auf dem Wochenmarkt. Dass sie dort öfters auftaucht, habe sich mittlerweile herumgesprochen, sie werde dort immer wieder angesprochen, es gebe eine Reihe von Bürgern, die bei ganz unterschiedlichen Themen sehr sachkundig seien.

Die Gemeinde muss sich auf magere Zeiten einstellen, ist das bei den Bürgern schon angekommen? Na ja, es gebe Vorschläge aus der Bürgerschaft, etwa, wie man ohne viel Geld, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen, zum Beispiel die Bahnhofstraße umgestalten könne, um deren Aufenthaltsqualität zu verbessern. Auch angesichts der Entscheidungen des Bunds, die vor Ort „hart aufschlagen“, nämlich umgesetzt werden müssen, sei Kreativität gefragt, auch da sehe sie sehr viel Potenzial im Engagement der Schwaikheimer.

Neue Sporthalle: „Wir müssen von den Kosten runter“

Kein Geld für Freiwilligkeitsleistungen: Die neue Sporthalle wäre so eine, wenn man von einer möglichen Nutzung für den Sportunterricht der Schule mal absieht. Das Ergebnis der Bedarfsabfrage, von dem laut Gemeinde abhängt, wie es weitergeht, steht noch aus. Die Grünen haben bereits deutlich gesagt, dass sie das Vorhaben in absehbarer Zeit für nicht finanzierbar halten, sie selbst hat einen (günstigeren) Anbau an die Fritz-Ulrich-Halle ins Spiel gebracht.

Das könne eine Möglichkeit sein, so Astrid Loff, für das, um was es aus ihrer Sicht gehe: „Wir müssen von den Kosten runter, so dass es keine vier Millionen Euro kostetund wir müssen den Bedarfen gerecht werden.“ Daher müsse man zuerst fragen und wissen „Was brauchen wir für die nächsten Jahrzehnte?“

„Wir haben mindestens ein Jahrzehnt knapper Kassen vor uns“

Die Aussage, dass der Bedarf für die Halle doch seit vielen Jahren gegeben sei, das zeigten die Belegungszahlen und die Aussagen der Vereine, ihre Rufe nach weiteren Hallenzeiten vor allem für den Trainings- und Übungsbetrieb, lässt Astrid Loff so nicht stehen. Sie wisse von einem ganz konkreten Beispiel her, dass es da durchaus noch Optimierungspotenzial gebe. Es werde externe Vorschläge geben. „Und eines ist auch klar: Wir haben mindestens ein Jahrzehnt knapper Kassen vor uns.“

Auf der anderen Seite nimmt sich Astrid Loff – die bei Gemeinderatssitzungen unbeirrbar ihre Freundlichkeitsoffensive verfolgt, damit so manchem Zank den Wind aus den Segeln nimmt, manchen Streithahn entwaffnet und nur, wenn das nicht hilft, auch burschikos werden kann – die Freiheit, immer wieder mal daran zu erinnern, dass sie an Entscheidungen und „Schlachten“ der Vergangenheit nicht beteiligt war, nicht gedenkt zuzulassen, dass die erneut geschlagen werden, geschweige denn, sich daran zu beteiligen.

Sie war vorher Gemeinderätin in Leutenbach, nun ist sie sozusagen nach vorne, auf die Bankreihe der Verwaltung, an deren Spitze gerückt, wie hat sie diesen „Stellungswechsel“ erlebt? „Die Verantwortung ist eine ganz andere, groß und manchmal auch schwer. Da hilft es mir sehr, ja, bin ich froh, vorher Jürgen Kiesl als Bürgermeister in Leutenbach erlebt zu haben. Aber ich bin generell viel im Austausch mit Kollegen, profitiere von ihren Erfahrungen.“

Sie wird im nächsten Jahr nach Schwaikheim umziehen

Astrid Loff wird im kommenden Jahr nicht mehr nur in Schwaikheim arbeiten, sondern auch dort wohnen, also dorthin umziehen. Das erwähnt sie sehr beiläufig. Die 51-Jährige versichert im gleichen Atemzug, dass sie sich keinen schöneren Ort vorstellen könne als Schwaikheim, um alt zu werden.

Sie war Dozentin an der Verwaltungshochschule, Akademikerin, die, was sie dort gelehrt hat, nun in der Praxis umsetzen kann. Zum Beispiel (mehr) flexible Arbeitszeiten, mit der Idee, dass Interessierte gerne nach Schwaikheim, ins Rathaus oder als Erzieherin, kommen, dort arbeiten wollen, in einer „familiengerechten“ Verwaltung“, mit hohem Frauenanteil und auch niedrigem Altersschnitt. „Aber ich fordere auch ein, beim ersten ,Geht nicht’ nicht aufzugeben, sondern dranzubleiben, es zu ermöglichen.“ Folge: Die Zahl der Beschwerden von Bürgern sei erheblich gesunken. „Das Motto bei uns lautet: Wir sind das nette Rathaus.“

Rund ein Jahr ist Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff in Schwaikheim im Amt. Wie hat sie die Zeit seit ihrer Amtseinsetzung erlebt? „Als intensiv“, sagt sie beim Rückblickinterview in ihrem Büro. Die Zeit sei geprägt gewesen von einer unheimlich hohen Informationsdichte. Sie habe sich ja erst mal einarbeiten, kundig machen müssen. Eines, was sie dabei gelernt habe: dass „Bedarf“ und „Bedürfnis“ nicht das Gleiche sei, natürlich in Bezug gemeint auf das, was an die Gemeinde und auch an sie

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