Schwaikheim

Sonnendeck-Festival: Lostboi Lino, Neeve, Eau Rouge und Co. rocken Schwaikheim

Lostboi Lino
Lostboi Lino ist zu später Stunde noch aufs Sonnendeckfestival nach Schwaikheim gekommen. © ALEXANDRA PALMIZI

Abtanzen vor der Bühne, laute Rockmusik und flirrende Beats, zu denen sich DJs im Takt wiegen. Nach vier Jahren Pause herrschte am Wochenende wieder Festivalstimmung auf dem „Sonnendeck“. Und dies alles bei freiem Eintritt. Das Fazit der Veranstalter von Ina, Integrations- und Nachhilfe: positiv. „Das Festival wächst“, sagt Timo Saltikiotis.

Nachmittags breiten die ersten Besucher ihre Decken auf der Wiese aus, entspannen auf einem der Schattenplätze. Abends singen, jubeln und springen Tausende im Takt. Den Musikfans vor der Bühne ist anzusehen, wie sehr sie es genießen, wieder gemeinsam zu feiern und zu tanzen. Auch die Musiker freuen sich über die Rückkehr zu Bühnenpräsenz und Festivalflair. Live geht einfach alles anders ab. Der „Vibe“ stimmt, meint Thary vom Musikerkollektiv Viernull aus Stuttgart. Musikfans wissen, was damit gemeint ist: Die Stimmung zwischen Publikum und Künstlern ist endlich wieder spürbar, das Schwingen, wenn beide Seiten miteinander abgehen, also zusammen „viben“.

Musiker loben die Organisation und dass sie bekocht werden

Die freie Zeit während der Lockdowns hätten sie zwar für etliche Studio-Sessions nutzen können. Aber im stillen Kämmerlein fehle der Austausch. „Jetzt können wir das, was wir geschafft haben, wieder teilen.“ Thary und seine Mitmusiker Rick Wallace und Fritz loben auch den familiären „Vibe“ des beschaulichen Festivals. „Die Organisation ist top, dass alle Artists genug Platz haben, dass wir mit den Crews chillen können und dass sie für uns kochen, einfach nur gut“, sagen sie.

Über zwei entspannte Abende sind auch die Veranstalter überglücklich: „Lief wunderbar alles“, sagt Timo Saltikiotis. 2500 Leute tanzten und feierten schon am Freitag friedlich und glücklich zu Elektro, House, Hip Hop diverser DJs. Die Bedenken, ob das Publikum nach der Zwangspause zurückkehrt, hätten sich zerstreut. Am Samstag groovten, tanzten, feierten noch mal Tausende Fans bei idealem Open-Air-Wetter mit den Bands aus Stuttgart und Umgebung. „Wir hatten ein Riesenglück mit dem Wetter“, sagt Ralph Mühlberger vom Orga-Team. Das Festival steht und fällt aber auch mit den Helfern, die ebenfalls weiterhin mitziehen. „Es waren 100 Helfer an zwei Tagen da, und für die Bühne ein eigenes Auf- und Abbauteam“, so Timo Saltikiotis, einer der Gründer und Miterfinder des Festivals. Obgleich nur einem kleinen Kreis von Musikfans bekannt, ist musikalisch Qualität geboten. Das macht für Besucherin Kristina aus Neckargröningen den Reiz kleiner Festivals aus: „Man hört Bands teilweise zum ersten Mal, die richtig gut sind, so lernt man viel Neues kennen“, sagt sie. Heute seien sie, ihr Freund Daniel und Labradorhündin Luna ausnahmsweise mal nicht mit ihrem Bus angereist, mit dem sie sonst unterwegs seien, sondern mit Öffentlichen. Zurück gehe es mit dem Taxi.

Auch junge Eltern fühlen sich wohl, zu sehen an den vielen Kinderwagen, die auf dem Festivalgelände verteilt sind. Hinflacken, Decke raus, genießen – so lautet das Programm für Cindy und Chris aus Backnang. Mit dabei ist ihre neun Monate alte Tochter Clara. „Sommer, tolles Wetter, gute Musik“, sagen die ehemaligen Schwaikheimer.

Auch ältere Semester schauen sich das lebhafte Treiben gern an. Hubert und Agathe aus Schwaikheim sind gekommen, um das Engagement zu unterstützen. „Die Musik ist nicht ganz meine Richtung“, sagt der Rentner schmunzelnd, „aber die Stimmung ist sehr gut.“ Für Familien haben verschiedene mit Ina verbundene Initiativen und Gruppen einen ansprechenden Kinderspielbereich aufgebaut. Für die Kleinen ist es ein großes Vergnügen, Frisbee und Diabolo zu spielen und seilzuhüpfen, sie legen einen Ritt auf dem Rodeo-Bullen-Karussell im Kinderplanschbecken hin, recken die Arme nach Riesenluftballons über ihren Köpfen und lieben die frischen Waffeln.

Newcomer Lostboi Lino ist der Überraschungsgast Samstagnacht

Bewegungswillig sind auch ein paar der „Großen“, die bei kochend heißen Temperaturen zur zweiten Band Art of Boys vor der Bühne mitwippen. „Schön, dass ihr uns bei der Hitze unterstützt, schön, dass ihr da seid“, begrüßt sie der Frontman. Es wird düstergitarrig, dabei melodiös grungig, ihr Titel „Wave Goodbye“ ist als Motto des Abends noch deutlich zu früh, denn der endet erst spät in der Nacht. Nach einem bemerkenswerten Auftritt von Überraschungsgast Lostboi Lino. Er hatte vor dem Auftritt in Schwaikheim schon einen Gig in Stuttgart und legt auf dem Sonnendeck erst nach Mitternacht los. Ein paar unermüdliche Fans sind ihm gefolgt, und so war seine Freude groß, dass er sie ein zweites Mal zum Springen bringen konnte.

Keine Anzeichen von Müdigkeit zeigen im dichten Gedränge die Musikfans, die sich zuvor schon durch die Beats von Viernull, The Art of Boys, Jiska (Jana Binder aus Schwaikheim), Top Boy, Neeve und Eau Rouge gegroovt haben. Alles tanzt und feiert ausgelassen zu Lostboi Lino, der Rap, Indie und Grunge mit Texten über Männlichkeit und den Verlust geliebter Menschen mixt. Getragen und intensiviert wird der Sound von den Drumfills seines fulminanten Schlagzeugers. Die Kräfte im Publikum reichen bis weit in die laue Nacht hinein sogar noch für wildes Pogotanzen, und mitgesungen wird sowieso. Fantastische Stimmung auf dem Sonnendeck.

Abtanzen vor der Bühne, laute Rockmusik und flirrende Beats, zu denen sich DJs im Takt wiegen. Nach vier Jahren Pause herrschte am Wochenende wieder Festivalstimmung auf dem „Sonnendeck“. Und dies alles bei freiem Eintritt. Das Fazit der Veranstalter von Ina, Integrations- und Nachhilfe: positiv. „Das Festival wächst“, sagt Timo Saltikiotis.

Nachmittags breiten die ersten Besucher ihre Decken auf der Wiese aus, entspannen auf einem der Schattenplätze. Abends singen, jubeln und

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