Schwaikheim

Tüte zum Mitnehmen für Heiligabend: Ersatz für den Besuch der Krippenfeier in der Kirche

Weihnachten to go
Vikarin Sylvia Nöcke mit den Tüten. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit der Zeit gehen, das versuchen auch die Kirchengemeinden, heuer coronabedingt verstärkt. Nicht nur, dass sie das Digitale und Social Media als Notweg nutzen für die Zeit, in der die Gläubigen nicht zum Gottesdienst vor Ort in der Kirche zusammenkommen können. Sie haben im Hinblick auf Weihnachten, insbesondere Heiligabend, nun das Potenzial der „To go“-Strategie auch für sich entdeckt.

Erst der begehbare Weihnachtsgarten der Matthäus-Gemeinde mit der dort übers Handy anhörbaren Weihnachtsgeschichte, nun eine Aktion der evangelischen Kirchengemeinde Schwaikheim unter diesem Motto, die Vikarin Sylvia Nöcke organisiert. Sie hätten sich frühzeitig Gedanken über Weihnacht heuer gemacht, machen müssen, weil sich abgezeichnet habe, dass die Gemeindeglieder in dieser Zeit nicht wie sonst in die Kirche werden kommen können. „Deshalb war für uns die Frage, wie können wir es schaffen, dass dann halt Weihnachten zu den Menschen kommt.“ Die Antwort darauf, die Idee: „Eine Tüte packen“, die man mitnehmen kann und mit deren Inhalt dann eben zu Hause eine Andacht, eine Weihnachtsfeier möglich ist. Nicht absehbar gewesen sei allerdings, dass durch den erneuten Lockdown diese Aktion die Weihnachtshauptattraktion werden könnte, so Sylvia Nöcke.

Was ist drin in der Tüte? Eine Kerze als ein Hoffnungslicht, ein „Muss“ in dieser Zeit, meint Sylvia Nöcke. Ein kleines Heft mit Liedern, Bildern und dem Text der Weihnachtsgeschichte. Material und eine Bastelanleitung für einen Stern zum Ausschneiden und Aufhängen. Und zwei Kleinigkeiten als Überraschung.

Die Tüten stehen in einer Plastikbox am Jakobushaus und in einer weiteren am Pfarrhaus bei der Mauritiuskirche. Außerdem machen unter anderem die beiden Apotheken im Ort und der Edeka-Markt mit, auch bei ihnen stehen Kisten mit den Tüten. „Man kann einfach hingehen und die dort mitnehmen“, so Sylvia Nöcke. Man müsse nirgends klingeln, sich nicht anmelden oder vorher ankündigen. Der Gedanke sei natürlich je Familie, je Haushalt eine Tüte. Dass die Leute sich daran halten, also nicht hamstern, darauf vertraue sie, so Sylvia Nöcke: „Da habe ich wirklich gar keine Bedenken. Die Leute sind vernünftig.“ Leuten, die schlecht zu Fuß sind, wird angeboten, dass sie sich im Pfarramt melden können, und ihnen Tüten nach Hause gebracht werden. Die Aktion läuft bis einschließlich 23. Dezember.

„Krippenspiel 2Go“ heißt eine ähnliche Aktion der katholischen Kirchengemeinde St. Jakobus in Leutenbach, die von Rita-Carola Rose und Christine Wolkenstein organisiert wird. Die beiden sind das langjährige, bewährte Krippenspielteam. Ihre Aktion entstand aus der Überlegung heraus, dass es in diesem Jahr wohl viele Kinder geben wird, die wegen der vor allem coronagefährdeten Großeltern nicht zum Krippenspiel an Heiligabend in die Kirche kommen werden, berichtet Christine Wolkenstein.

Tüten ab dem vierten Advent in St. Jakobus

Auch in Leutenbach gibt es als „Ersatz“ eine Tüte zum Abholen. Das Thema bei ihr ist ebenfalls die Weihnachtsgeschichte, insbesondere der Teil mit den Schafhirten, den Engeln und der Herbergsuche von Josef und Maria, wobei hier auch noch ein kleines Mädchen auftaucht. In der Tüte ist eine Anleitung und Material, um ein Schaf zu basteln. Natürlich darf der (kindgerechte) Text zu der Geschichte nicht fehlen, ebenso die Texte und Melodien der traditionellen Weihnachtslieder zum gemeinsamen Singen zu Hause. Die Geschichte kann einfach vorgelesen werden, sie soll aber vor allem gespielt werden, und für dieses Rollenspiel gibt es auch eine Anleitung in der Tüte. Es dürfte also reizvoll, ja spannend werden, wer in den Familien welche Rollen besetzt. Die des Schafs ist bereits vergeben, das ist ja sowieso dabei, gebastelt, damit stumm in diesem Fall.

Die Tüten können ab dem vierten Advent (20. Dezember) aus einem Korb in St. Jakobus mitgenommen werden. Die Kirche ist offen. Sollte der Korb leer zu werden drohen oder es bereits ist, reicht eine Meldung ans Pfarramt und Nachschub kommt. Auch in Leutenbach gehen die Organisatorinnen davon aus, erwarten, dass pro Kind, beziehungsweise je Familie eine Tüte reicht.

Sie seien gespannt darauf, wie diese Idee ankomme, so Christine Wolkenstein. Das Krippenspiel in der Kirche an Heiligabend habe stets wahnsinnig viel Zulauf, weil da ja immer Geschwister, Eltern und Großeltern als Zuschauer kommen. Dass mindestens alle Krippenspielkinder sich „ihre“ Tüte holen werden, da ist sie sich sehr sicher.

Mit der Zeit gehen, das versuchen auch die Kirchengemeinden, heuer coronabedingt verstärkt. Nicht nur, dass sie das Digitale und Social Media als Notweg nutzen für die Zeit, in der die Gläubigen nicht zum Gottesdienst vor Ort in der Kirche zusammenkommen können. Sie haben im Hinblick auf Weihnachten, insbesondere Heiligabend, nun das Potenzial der „To go“-Strategie auch für sich entdeckt.

Erst der begehbare Weihnachtsgarten der Matthäus-Gemeinde mit der dort übers Handy anhörbaren

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