Schwaikheim

Urteil im Waiblinger Amtsgericht als letzte Warnung für einen jungen Schwaikheimer Dealer

Drogen dealen
Die Anklage lautete: Gewerbsmäßiges Handeltreiben mit und unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln. © ALEXANDRA PALMIZI

Eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro als Spende an die SOS Kinderdörfer sowie alle drei Monate ein Drogenscreening als Beweis dafür, dass „der Schuss vor den Bug als letzte Warnung seine Wirkung nicht verfehlt hat“, so lautete das Urteil, mit dem das Jugendschöffengericht am Waiblinger Amtsgericht am vergangenen Dienstag einen jungen Schwaikheimer wieder heimschickte.

Eine Freiheitsstrafe hätte für den jungen Mann schwerwiegende Folgen

Das Gericht um den Vorsitzenden Richter Martin Luippold, Staatsanwaltschaft, Verteidiger und die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe waren sich darin einig, auf den jungen Mann das Jugendstrafrecht anzuwenden. Dies bewahrte ihn davor, wegen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln sowie des unerlaubten Besitzes, wofür er angeklagt war, zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt zu werden, was schwerwiegende Folgen für dessen weiteren Lebensweg mit sich bringen würde.

Die 600 Euro würden den Auszubildenden zwar schmerzen, seien aber zu stemmen, und die Drogenscreenings würde er sowieso für den Erwerb des Führerscheins benötigen, erklärte Luippold dem Sünder. Die Erfüllung dieser Auflagen, gab Luippold noch mit auf den Weg, könne auch durch das Verhängen von bis zu vier Wochen Arrest erzwungen werden; es sei daher kontraproduktiv, würde er versuchen, sie zu umgehen.

Erst hat er die Ausbildung abgebrochen, dann ist er ins Drogenmilieu geraten

Der junge Mann ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Er stand bereits mehrmals wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln vor dem Richterpult. Er wurde 1999 in Waiblingen geboren und ist in Schwaikheim aufgewachsen. Er begann eine Ausbildung, die er allerdings nach einem Jahr wieder abbrach, um sich mit Gelegenheitsjobs durchzuschlagen. In dieser Zeit geriet er auch mit dem Drogenmilieu in Kontakt und begann, Marihuana zu konsumieren. Auslöser für diese Lebenskrise war wohl die Trennung der Eltern, bei der er zum Vater, sein Bruder zur Mutter kam. Das Verhältnis zum Vater hätte dann nicht wirklich funktioniert, wohl weil er zu streng war und die Eltern ihren Zwist auch auf dem Rücken der Kinder austrugen, mutmaßte der Vorsitzende Richter. Mittlerweile werde das Verhältnis zum Vater wieder besser, erklärte der Angeklagte. Dies liege wohl auch daran, dass die Eltern inzwischen neue Partner fanden und sich deren Verhältnis zueinander entspannte.

Das Verhalten des Angeklagten sei nicht harmlos gewesen, betonte Luippold bei der mündlichen Begründung der Entscheidung des Gerichts, aber es seien auch keine „schädlichen Neigungen“ bei ihm festzustellen. Nachdem es bei ihm im Verlauf des einen schwierigen Jahres beim Vater „geholpert“ habe, sei die Anwendung des Jugendstrafrechts unter Zugrundelegung einer Reifeverzögerung auf ihn als Heranwachsenden gerechtfertigt.

Er habe die Vorwürfe der Anklage unumwunden zugegeben und freiwillig sowohl auf das Marihuana und das aus dem Verkauf als Erlös erzielte Geld verzichtet, ebenso auf sein als Tatwerkzeug eingezogenes Mobiltelefon. Er habe wieder eine Berufsausbildung begonnen, die ihm Freude bereite und auch eine vielversprechende Zukunftsperspektive biete. Es handle sich bei ihm schließlich um ein helles Köpfchen, das wisse, irgendwann sei nun mal Schluss mit lustig.

Eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro als Spende an die SOS Kinderdörfer sowie alle drei Monate ein Drogenscreening als Beweis dafür, dass „der Schuss vor den Bug als letzte Warnung seine Wirkung nicht verfehlt hat“, so lautete das Urteil, mit dem das Jugendschöffengericht am Waiblinger Amtsgericht am vergangenen Dienstag einen jungen Schwaikheimer wieder heimschickte.

Eine Freiheitsstrafe hätte für den jungen Mann schwerwiegende Folgen

Das Gericht um den Vorsitzenden Richter

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