Schwaikheim

Viele Erzieherinnen gleichzeitig krank: Personalprobleme in Kitas

KinderhausBadstrasse
Im Kinderhaus Badstraße fiel vergangene Woche zeitweise der Großteil des Personals aus. © Gaby Schneider

14 von 17 Erzieherinnen im Kinderhaus Badstraße sind jüngst krankgemeldet gewesen, zu gleicher Zeit wohlgemerkt. Die Krankheitswelle sei schlagartig, quasi von einem Tag auf den anderen, gekommen, berichtete Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats auf Nachfrage aus dem Gremium. Sie versicherte, es handle sich nicht um die Auswirkungen von Corona-Infektionen. Allerdings seien trotzdem die Folgen weitreichend, weil eben eine Ganztagsbetreuungseinrichtung betroffen ist.

Das Problem sei, dass ein solch massiver Ausfall kurzfristig nicht aus dem vorhandenen Vertretungspool und auch nicht mit Springern aufgefangen werden könne. Auch deswegen habe die Gemeinde vor einiger Zeit eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive gestartet. Der Vertretungspool decke eh nur kurzfristige Überbrückungen ab. Diese Offensive werde aber erst frühestens im nächsten Jahr greifen. Astrid Loff verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass sechseinhalb neue Stellen beschlossen, geschaffen und ausgeschrieben wurden. Auf einen Hilferuf in der aktuellen Notlage in den sozialen Medien hätten sich immerhin zwei qualifizierte Fachkräfte gemeldet.

Verwaltung „fahndete“ nach Aushilfen

Der Mangel an pädagogischen Fachkräften sei aber kein spezielles Schwaikheimer Problem, betonte Astrid Loff, den gebe es überall auch in den umliegenden Kommunen. Hoffnung bestehe, weil das Spektrum, wer da infrage komme, breit sei, an sich sehe es also auf der „Angebotsseite“ gar nicht so schlecht aus. Die Personaldecke in Schwaikheim sei, was die Erzieherinnen angehe, hauchdünn. Wenn die Ausfälle über ein gewisses Maß hinausgehen, wie nun beim Kinderhaus Badstraße, könne das eben nicht aufgefangen werden. „Wir haben da also wirklich ein Problem.“ Die Verwaltung habe deshalb in den vergangenen Tagen regelrecht nach Aushilfen, Vertretungen „gefahndet“, „weil wir auch eine Verantwortung gegenüber den berufstätigen Eltern haben“. Man brauche aber eben „aufsichtsfähige“ Fachkräfte, die bestimmte formale Qualifikationen vorweisen können.

Genauso gehe es aber auch darum, das bestehende Personal in Schwaikheim zu halten, so Astrid Loff weiter. Die Gemeinde gehe deshalb auf die Erzieherinnen zu, versuche, für die zumindest das ganze „Drumherum“ attraktiver zu machen. „Was leider nicht geht, ist mehr Geld und weniger Arbeit.“ Man werde aber Kurse, Weiterbildungen fördern.

Priorität bei allem habe die Betreuungssicherheit, die Verlässlichkeit, so Astrid Loff. Das könne aber Auswirkungen auf die mit viel Aufwand geschaffene, sehr hohe Flexibilität der Betreuungsangebote haben. Die Gemeinde werde wohl nicht umhinkommen, „bedarfsgerecht zu optimieren“, also Personalkapazität dort zu konzentrieren, wo sie wirklich gebraucht werde, und zwar nach dem „Gebot des Nutzens für die größte Zahl“. Konkret nannte die Bürgermeisterin, dass es nicht angehe, dass, wie bislang offenbar Praxis, in einer Einrichtung am Freitagnachmittag ein einziges Kind von zwei Erzieherinnen betreut wird.

Sechseinhalb neue Stellen, sieben „alte“ nach wie vor nicht besetzt

Auf die weitere Nachfrage aus dem Gremium, was derzeit vor Ort die Lage sei, richtete Hauptamtsleiter Michael Tretter den Blick zunächst zurück. Man habe im Laufe des Jahres festgestellt, dass man in vielen Einrichtungen unter dem geforderten Mindestpersonalschlüssel lag. Daraufhin habe die Gemeinde reagiert, die sechseinhalb zusätzlichen Stellen geschaffen, um diese Vorgabe zu erfüllen. Es sei auch gelungen, diese ausgeschriebenen Stellen zum Beginn des Kindergartenjahres zu besetzen. „Wenn alle Stellen, die da sind, besetzt wären, gäbe es kein Problem, dann könnten wir auch Ausfälle in einem gewissen Rahmen auffangen“, so Tretter. Allerdings nicht in so einem Ausnahmefall wie derzeit im Kinderhaus Badstraße. Ein kurzfristiger, von einem Tag auf den anderen, krankheitsbedingter Personalausfall von 82 Prozent etwa lasse sich nun mal nicht auffangen. Die Konsequenz, die bleibe, sei eine Reduzierung der Öffnungszeiten, mittlerweile auch im Paula-Korell-Kinderhaus und im Kinderhaus Brunnenstraße, auch dort wegen Ausfällen.

Winter steht vor der Tür und damit sind weitere Krankheitsfälle zu erwarten

Sorgen bereite zudem, dass der Winter ja erst vor der Tür stehe. Sprich, es seien verstärkt Krankheitsausfälle zu erwarten. „Die Frage ist also, wie wir das händeln können, um die nächsten vier, fünf Monate zu überstehen.“ Die Option, die er sehe, sei, die bestehenden Öffnungszeiten so zu reduzieren, dass mit dem verbleibenden Personal stets ein Kern an verlässlicher Öffnungszeit gewährleistet werden kann.

Eine Option könne auch sein, Gruppen zu vergrößern, das müsse erst aber vom zuständigen Kommunalverband für Jugend und Soziales genehmigt werden, daran arbeite man, ergänzte Astrid Loff. In der derzeitigen Notlage könne die Verwaltung nicht mit Sicherheit sagen, welche Kitas oder Kinderhäuser am kommenden Montag geöffnet haben werden und wo die Ganztagsbetreuung gesichert sein wird. Nötig sei allerdings auch im Hinblick auf den Personalbedarf eine Bestandsaufnahme, „eine Antwort auf die Frage, wie viele Kinder sind überhaupt wann wo da?“

Sieben Stellen, die schon vorher nicht besetzt waren, seien es nach wie vor nicht, erläutert Tretter tags drauf auf Nachfrage. Mit den neuen Stellen sei der Mindestpersonalschlüssel erfüllt. Mit den sieben „alten“ Stellen, wären sie besetzt, hätte man also einen gewissen „Überschuss“, einen Puffer, der gewollt sei, um bei Ausfällen die Verlässlichkeit der Betreuung zu gewährleisten. Mit dem Problem unbesetzte Erzieherinnenstellen stehe Schwaikheim beileibe nicht alleine.

Der Hauptamtsleiter verweist zudem auf die gestartete Ausbildungsoffensive. Die Gemeinde hat hier von zwei auf 18 erhöht. 15 dieser Stellen sind besetzt. Auch die Auszubildenden könnten Ausfälle aufzufangen helfen, so Tretter.

Hauptamtsleiter: Es braucht einen verlässlichen Zeitkorridor für die Eltern

Was das Kinderhaus Badstraße angeht, seien dort in der vergangenen Woche am Donnerstag und Freitag die Öffnungszeiten reduziert worden (8 bis 15 Uhr statt 7 bis 17 Uhr), allerdings nicht stark, weil man die Möglichkeit genutzt habe, Gruppen zu verbinden, übergreifend zu betreuen, um mehr Kindern mehr Betreuung zu ermöglichen. Anfang dieser Woche habe sich durch aus der Krankheit zurückkehrende Erzieherinnen die Lage etwas entspannt. Auch im Kinderhaus Brunnenstraße und im Paula-Korell-Kinderhaus habe man wegen krankheitsbedingten Personalausfällen Öffnungszeiten reduzieren müssen.

Apropos Krankheit: Das seien Erkältungen gewesen, wie sie zu dieser Jahreszeit normal seien und auch in der gesamten Bevölkerung rumgingen, so Tretter. „Aber noch mal, was wir brauchen in solchen extremen Fällen, und was der Gemeinderat beraten und beschließen müsste, ist ein für die Eltern gesicherter Zeitkorridor, in dem sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden.

14 von 17 Erzieherinnen im Kinderhaus Badstraße sind jüngst krankgemeldet gewesen, zu gleicher Zeit wohlgemerkt. Die Krankheitswelle sei schlagartig, quasi von einem Tag auf den anderen, gekommen, berichtete Bürgermeisterin Dr. Astrid Loff in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats auf Nachfrage aus dem Gremium. Sie versicherte, es handle sich nicht um die Auswirkungen von Corona-Infektionen. Allerdings seien trotzdem die Folgen weitreichend, weil eben eine Ganztagsbetreuungseinrichtung

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