Schwaikheim

Von der Exotin zum Urgestein: Brigitte Röger ist seit 40 Jahren im Schwaikheimer Gemeinderat

Röger
Brigitte Röger mit der Bürgermedaille. Im Hintergrund Bürgermeister Gerhard Häuser, Gemeinderäte und Zuschauer in der Gemeindehalle. © Thewes

Bundeskanzler Helmut Schmidt, Bundespräsident Karl Carstens, Ministerpräsident Lothar Späth. So hießen die handelnden Personen, als Brigitte Röger zum ersten Mal in den Schwaikheimer Gemeinderat gewählt wurde. Inzwischen ist die 71-Jährige seit 40 Jahren dabei und hat dafür die Bürgermedaille erhalten. „Dies ist eine seltene Auszeichnung und nach dem Ehrenbürgerrecht die höchste Anerkennung, welche die Gemeinde Schwaikheim für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht“, ordnete Bürgermeister Gerhard Häuser ein.

Am 22. Juni 1980 haben die Schwaikheimer der damals 31-Jährigen mit 1474 Stimmen erstmals ihr Vertrauen geschenkt. „Sie können zu Recht stolz darauf sein, mit ihrer jahrzehntelangen Tätigkeit maßgeblich zum Ansehen unserer Gemeinde beigetragen und an der Gemeindeentwicklung mitgewirkt zu haben“, würdigte Häuser in seiner Rede anlässlich der Verleihung.

Die Einzelkämpferin unter vielen Männern

Seit ihrer Verpflichtung als Gemeinderätin im Juli 1980 gehört Brigitte Röger ununterbrochen dem technischen Ausschuss an. Was heute als selbstverständlich gilt, war damals die absolute Ausnahme. „Schließlich galt es Anfang der 80er Jahre noch als exotisch, überhaupt als Frau am Ratsrund Platz zu nehmen“, blickte Häuser zurück. Röger sei nach ihrer Wahl sozusagen Einzelkämpferin unter all den Männern gewesen. Mit ihrer Entscheidung, sich für den technischen Ausschuss aufstellen zu lassen habe sie markante Sprüche „vom Heimchen am Herd gleich mitgewählt“. Heute dürfe man nicht mehr alles wiederholen, was gesagt worden ist, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. „Sie sind mutig nach vorne geschritten und haben den gestandenen Mannsbildern gezeigt, dass sie es mit Ihnen schwerhaben werden. Damit dürfte früh jedem klar gewesen sein, mit Brigitte Röger muss man in den kommenden Jahren in Schwaikheim rechnen“, sagte der Bürgermeister. Bis heute sei Röger damit das einzige Gremienmitglied, das auf eine so lange Zeit der Zusammenarbeit zurückblicken könne.

„Dass Sie inzwischen per Chatgruppen die Fraktionsgeschäfte leiten und es dort sogar eine eigene „Mädelsgruppe“ gibt, zeigt, wie sehr sich die Gesellschaft gewandelt hat“, erzählte Häuser und erntete dafür einige Lacher. Als Gemeinderat stehe man ständig unter Beobachtung, begegne täglich den Wählerinnen und Wählern. Brigitte Röger meistere diese Herausforderung schon mehr als ihr halbes Leben lang.

Röger stehe für Beständigkeit und sei eine verlässliche Größe im kommunalpolitischen Leben.

„Brigitte Röger bemüht sich immer um einen Konsens“

Nach dem Bürgermeister ergriff Gemeinderat und CDU/Freie-Bürger-Fraktionskollege Wolfgang Rauscher das Wort. „Du kennst so viele Schwaikheimer wie kaum jemand und hast immer für alle ein offenes Ohr“, würdigte er. Der Gemeinderat sei früher immer eine Angelegenheit von ganz wichtigen Alphamännchen gewesen. Doch nicht zuletzt die Wahl in den USA habe gezeigt, dass man selbst im wichtigsten Amt der Welt so ein Alphamännchen nicht mehr wolle. „Wenn es mal unterschiedliche Meinungen gibt, dann bemüht Brigitte Röger sich immer darum, einen Konsens zu finden. Du akzeptierst andere Meinungen, aber keine Nörgeleien um der Nörgelei willen.“

Rauscher hielt sich in seiner Rede allerdings auch nicht mit Kritik zurück. „Beim Leeren der Schwaikheimer Weinkeller bist du keine große Hilfe“, witzelte er und übergab der Geehrten unter anderem ein Schwaikheim-Puzzle und mehrere Flaschen Wein.

Auch mit 71 Jahren befasst sie sich gerne mit neuen Themen

Zum Ende der Verleihung trat Brigitte Röger selbst ans Mikro. „Man hat damals junge Frauen gesucht und ich dachte mir, dass man nicht nur meckern kann, sondern mit anpacken muss“, erinnert sich Röger an die Gründe für ihre Kandidatur vor 40 Jahren. Kritisiert sei sie dafür geworden, dass sie weder einem Verein vorgestanden sei noch das Geschäft von der Pike auf gelernt habe.

Was für die 71-Jährige bisher der schmerzhafteste Moment in ihrer 40-jährigen Amtszeit gewesen ist? „Der Amoklauf 2009“, blickte sie zurück. „Da waren wir noch enger mit unseren Nachbarn verbunden. Das Krisenmanagement um das Team von Richard Fischer war bewundernswert.“

Oft werde ihr vorgeworfen, dass sie nicht loslassen könne. „Nö, es ist ganz einfach: Auch mit 71 Jahren befasse ich mich noch gerne mit neuen Themen und begleite Projekte von der Planung bis zur Fertigstellung“, so Röger zu den Gründen für ihre Ausdauer.

Bundeskanzler Helmut Schmidt, Bundespräsident Karl Carstens, Ministerpräsident Lothar Späth. So hießen die handelnden Personen, als Brigitte Röger zum ersten Mal in den Schwaikheimer Gemeinderat gewählt wurde. Inzwischen ist die 71-Jährige seit 40 Jahren dabei und hat dafür die Bürgermedaille erhalten. „Dies ist eine seltene Auszeichnung und nach dem Ehrenbürgerrecht die höchste Anerkennung, welche die Gemeinde Schwaikheim für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht“, ordnete Bürgermeister

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