Schwaikheim

Warum Kleingartenanlagen in Schwaikheim neue Fans gewinnen

Kleingärtner
Caroline Hens mit Magdalena und Konrad. Foto: Klecker © Klecker

Kleingartenanlage! Es gab Zeiten, da haben junge Familien darüber gelächelt, heute möchten genau sie nicht mehr ohne „Gütle“. Ein Generationswechsel ist auch bei den Gartenfreunden im Gange, die vor zwei Jahren kurz vor der Auflösung standen. Inzwischen boomt die Nachfrage nach dem kleinen Stück vom Gartenglück, vor allem die junge Generation rückt nach - nicht erst seit Corona. Familie Hens und Familie Emerllahu konnten sich in den vergangenen zwölf Monaten ihr Plätzchen im Grünen sichern und erzählen, warum sie es nicht mehr missen möchten.

Früher hat sie gesagt „Ich will doch nicht unter die Gartenzwerge“

Mit Schrebergarten habe ihr früher niemand kommen brauchen. „Ich will doch nicht unter die Gartenzwerge“, meint Caroline Hens lachend. Was sie seit einem Jahr erleben, habe mit Piepenlauben-Mief aber nichts zu tun. „Es mag Vereine geben, in denen alles streng reglementiert ist, aber hier empfinden wir es als gemäßigt und entspannt. Man kann alles etwas freier auslegen.“ Sie hätten die Vereinsvorsitzende Karin Schirmer beim Kennenlerntermin auch gefragt, wie bindend der Anteil an Nutzgartenfläche sei. „Sie konnte uns beruhigen, sagte uns, dass der Garten auch der Entspannung dienen soll, das war uns wichtig.“

Vor einem Jahr haben sie zugeschlagen: „Der Garten hat uns gefunden“, so drückt es Caroline Hens aus. Der gute Zustand des Grundstücks gab den Ausschlag. „Es war vom Vorgänger sehr gut gepflegt, mit schönem Hochbeet und toller gefliester Hütte, alles passt.“ In einem anderen „Gütle“ hätten sie vermutlich keine Gurke mehr ernten können, hier wartete ein ‚gmähts Wiesle’ auf sie: „Es war Luxus, wir konnten direkt loslegen.“ Seitdem wird gepicknickt, relaxt, die Kinder spielen, rennen und haben die Kinder aus Nachbargärten „beschnuppert“.

Caroline Hens und ihr Mann Balthasar sind nicht mit der Gartenschere in der Hand geboren worden, sie haben Musikerhände: sie Flötistin, er Klarinettist bei den Stuttgarter Philharmonikern. Es sei ihr erster Nutzgarten, in dem das „Learning by Doing“ regiere, also das freie ‚Drauflos’, ein ausprobierendes ‚Ins-Kraut-Schießen’. Da es bei ihrem Einzug im Juni zu spät für viele Gemüse-Experimente war, haben sie in der verkürzten Vegetationsphase nur noch Hokkaidos hochgezogen. „Sie sind noch reif geworden, waren aber winzig“, erzählt sie. Groß war der Erkenntnisgewinn - zumal sie eh nicht auf riesigen Ertrag aus seien: „Wir möchten für uns ein paar eigene Sachen. Für die Kinder ist es schön, wenn sie erleben, wie alles wächst.“ Magdalena und Konrad, zweieinhalb und viereinhalb Jahre alt, wollen immer mithelfen: Er gräbt wie ein Maulwurf das Beet um, sie sät und bekommt eine Gießkanne in die Hand. „Gießen ist ganz groß“, meint die Mutter.

„In der Erde zu wühlen, das erdet wortwörtlich“

Dieses Jahr wird der Gemüsekorb voller, und die Familie kriegt schon eine gute Salatschüssel gefüllt: Kohlrabi, Buschbohnen, Erdbeeren, Möhren, Zwiebeln und Radieschen gedeihen prächtig. In schneckengeschützter Hochbeet-Lage wuchern Petersilie und Rucola. Und ihre Kürbisse kamen beizeiten in die Erde: „Sie sind schon jetzt so groß wie die im vergangenen Herbst“, vergleicht sie. Ganz schnell haben sie realisiert, was jeder Hobbygärtner bekennt: Ein Kleingarten macht Arbeit, und Pflanzen verlangen Aufmerksamkeit. Wenn sie Wasser brauchen, dann lässt es sich nicht hinauszögern bis zum nächsten freien Platz im Terminkalender. Ihr Fleiß wird belohnt: „Ich liebe es, in der Erde zu wühlen, das erdet wortwörtlich.“ Spätestens mit den ersten süßen Himbeeren vom eigenen Strauch sei es um sie geschehen gewesen. Ihr Vorgänger habe auch einen alten Gravensteiner-Apfelbaum gut in Schuss gehalten, der Behang habe im ersten Jahr für ein paar Apfelkuchen und Kompott ausgereicht.

Die Aussaat in diesem Jahr fiel mitten hinein in den Corona-Lockdown. In der Zeit hätten sie besonders intensiv gemerkt, was sie an ihrem Garten haben. „Wir waren sehr froh, vor allem, als die Spielplätze noch geschlossen hatten.“ Den herben Verlust mit geschlossenem Kindi und Spielplatz habe der Garten gut aufgefangen. „Daheim haben wir nur eine kleine Sandkiste vor der Terrasse, da hätten die Kinder nicht rennen können, der Garten war unser großes Glück.“ Selbst wenn die Zeit knapp ist: Der Garten biete immer eine gute Auszeit. „Gerade dass er weg ist vom Haus, hat seinen Reiz. Man ist vor Ort und nicht in Versuchung, sich vom Haushalt ablenken zu lassen.“ Gut an der Kleingartenanlage finden sie, dass sie in einer Viertelstunde hinlaufen können. Auch die Kindergeburtstage haben sie schon dort gefeiert. „Man kann so schön den Tag verleben dort.“ Im Vereinsleben sind sie gut angekommen, bei Festen haben sie sich eingebracht. Ihr Eindruck: „Das Alter ist sehr gut durchmischt, wir finden es schön, dass alle mitmachen.“ Ihre Kontakte im Ort seien homogener: „Über den Kindergarten lernt man eher junge Familien kennen.“

Kleingartenanlage! Es gab Zeiten, da haben junge Familien darüber gelächelt, heute möchten genau sie nicht mehr ohne „Gütle“. Ein Generationswechsel ist auch bei den Gartenfreunden im Gange, die vor zwei Jahren kurz vor der Auflösung standen. Inzwischen boomt die Nachfrage nach dem kleinen Stück vom Gartenglück, vor allem die junge Generation rückt nach - nicht erst seit Corona. Familie Hens und Familie Emerllahu konnten sich in den vergangenen zwölf Monaten ihr Plätzchen im Grünen sichern

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