Schwaikheim

Wegen Corona fällt die Fasnet in Schwaikheim und Leutenbach erneut aus

Rathaussturm
Rathaussturm in Leutenbach vor zwei Jahren: Bürgermeister Jürgen Kiesl musste sich die Leviten lesen lassen. © Benjamin Beytekin

Melanie Fuderer seufzt erst mal unüberhörbar, bevor sie antwortet, so dass man die Antwort auf die Frage schon ahnt. Was ist mit der bevorstehenden Kampagne der Narrenzunft? Die Antwort bildlich gesprochen: Die „Sumpfgoischder“ bleiben auch dieses Jahr in ihrem heimischen „Teufelsbrunnen“, versenkt in der Zipfelbachaue. Nix wird’s, kurz, knapp, nüchtern gesagt.

Der Vorsitzenden der Schwaikheimer Narrenzunft bleibt nichts anderes übrig, als das Überlebensmotto, die Durchhaltestrategie vom vergangenen Jahr, zu wiederholen: „Wir feiern die Fasnet im Herzen.“ Eigentlich sei die Absage schon im November beschlossene Sache gewesen, weil bereits damals klar war, dass die geltenden Corona-Schutzregeln bei Veranstaltungen nur sehr schwer umzusetzen wären und dass größere Veranstaltungen einfach nicht zu verantworten wären, also weder daran teilzunehmen noch sie selbst zu organisieren.

Das „Aufflackern“, der traditionelle, ja geradezu rituelle Schwaikheimer Saisonauftakt, sei also schon früh abgesagt worden. Alles andere habe man zwar offengelassen, sich also die Tür noch einen Spalt aufgehalten, aber es finde ja ohnehin so gut wie nichts an organisiert Närrischem statt. „Ich selber kenne keine einzige Zunft, die ihre Veranstaltungen nicht abgesagt hat. Stand heute gibt es also ja auch gar nichts.“ Und zwar weder als Straßenumzüge noch als Faschingsveranstaltungen in der Halle. Den eigenen Rathaussturm habe man zwar bislang offiziell nicht abgesagt, noch nicht, aber ihre persönliche Meinung sei, dass auch er nicht stattfinden wird, so Melanie Fuderer.

Das verbindende, gemeinsame Interesse sei ja eben die Fasnet

Es ist die zweite Saison, Kampagne nacheinander, die coronabedingt ausfällt. Wie ist angesichts dessen die Stimmung im Narrenlager? Sie seufzt wieder. Es werde zunehmend schwieriger, die Leute im Verein zu halten. Die Fasnet, die Kampagne, sei ja das Einzige, was die Mitglieder verbinde, zusammenhalte. Das sei nun mal das gemeinsame Interesse ansonsten sehr verschiedener Menschen. Die Altersspanne im Verein sei groß, reiche von sehr jung bis alt. Vor allem für die Jungen sei es schwierig, es sei ja das zweite Jahr, wo für sie nichts passiert. „Die wissen ja schon gar nicht mehr, wofür sie eigentlich im Verein sind.“

Auch Volker Blessing, der Chef der Nellmersbacher Geesmusiker, hört sich nicht gerade frohgemut an bei der Frage nach der Kampagne 2022. Man werde wahrscheinlich so gut wie nichts machen, „einfach weil wir es nicht können“. Nach seinem Kenntnisstand seien zwar Veranstaltungen mit bis zu 50 (geimpften) Personen draußen möglich, aber das mache beim Fasching keinen Sinn, wäre aus seiner Sicht für den Verein, der lauter ehrenamtliche Helfer hat, nicht in den Griff zu bekommen. Bei Veranstaltungen draußen „müssten wir das Gelände komplett einzäunen und alle Besucher kontrollieren, ob sie geimpft sind“. Aber diesen Schuh ziehe sich der Verein nicht an, übernehme nicht die Verantwortung, dafür sei die Gefahr, dass doch was passieren könnte, zu groß.

In einer nur halbvollen Halle komme keine Stimmung auf

Veranstaltungen in der Halle gingen ja eh gar nicht. Am vergangenen Freitag hätte die Faschingsparty in Nellmersbach stattfinden sollen – abgesagt. Eine wegen der Corona-Auflagen nur halbvolle Halle mache keinen Sinn, so Blessing. Zum einen komme da keine Stimmung auf, zum anderen käme angesichts der Kosten der Verein da finanziell nicht raus. Man könne drüber nachdenken, ob man mal draußen in kleiner Runde zusammenkomme, bei einem Glühwein, schon das wäre wohl grenzwertig. „Aber für Faschingsveranstaltungen sehe ich dieses Jahr schwarz.“ Auf all die Einladungen hin an die Geesmusiker für Auftritte, sei es drinnen oder bei Straßenumzügen, sei eine Absage nach der anderen gekommen. Stand heute wisse er selbst von keiner Veranstaltung, die stattfinden wird.

Blessing sieht kleine Chance für abgespeckten Rathaussturm

Noch eine kleine Chance sieht Blessing für den eigenen Rathaussturm in Leutenbach, nämlich ihn in abgespeckter Form, so wie im vergangenen Jahr, noch irgendwie zu retten. Das müsse allerdings mit der Verwaltung, insbesondere dem Bürgermeister, abgeklärt werden.  Blessing stellt bei aller Klage über Auflagen und nicht zu stemmenden Aufwand durch sie aber ausdrücklich klar: „Wir wollen ja auch, dass die Leute gesund sind und bleiben.“

Die Proben das ganze Jahr über halten zusammen

Auf die Frage, wie denn die Stimmung in der Truppe ist angesichts dieser düsteren Aussichten, meint Blessing, die sei an sich okay. Er verweist darauf, dass es bei ihnen als Guggenmusiker anders sei, weil sie ja das ganze Jahr über probten, so auch diesen Sommer – bis man eben im November wieder damit habe aufhören müssen. Durch die Proben halte man Kontakt untereinander. Es gebe auch keine Austritte – bisher, betont Blessing. Von den Waiblinger Guggenmusikern, den „Ohrawuslern“, sind sechs Mitglieder gekommen, weil die dort derzeit keine spielfähige Kapelle mehr zusammenbekommen. Blessing macht keinen Hehl daraus, dass er sich über diese Verstärkung freut, auch wenn sie möglicherweise nur vorübergehend ist und auch wenn nun auch die Auftritte der Geesmusiker ausfallen.

Melanie Fuderer seufzt erst mal unüberhörbar, bevor sie antwortet, so dass man die Antwort auf die Frage schon ahnt. Was ist mit der bevorstehenden Kampagne der Narrenzunft? Die Antwort bildlich gesprochen: Die „Sumpfgoischder“ bleiben auch dieses Jahr in ihrem heimischen „Teufelsbrunnen“, versenkt in der Zipfelbachaue. Nix wird’s, kurz, knapp, nüchtern gesagt.

Der Vorsitzenden der Schwaikheimer Narrenzunft bleibt nichts anderes übrig, als das Überlebensmotto, die Durchhaltestrategie

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