Schwaikheim

Wie Handballer Gregor Rentschler aus Schwaikheim zum Thriller-Autor wurde

rentschler
Gregor Rentschler macht beruflich etwas ganz anderes. © speiser

Rund 500 Seiten hat „Ray – Stadt des Widerstands“ von Roger Garas. Hinter diesem Pseudonym des Politthrillers steht Gregor Rentschler, ein vor allem in Handballkreisen bekannter Schwaikheimer, rund 15 Jahre lang ein prägender Spieler in der ersten Mannschaft der Sportfreunde, nach wie vor dort aktiv in der dritten Mannschaft.

Wie kommt einer, der mit Schriftstellern eigentlich nichts zu tun hat und beruflich Projektmanager bei einer Maschinenbaufirma in Stuttgart ist, dazu, so einen Riesenwälzer zu verfassen? Der 35-Jährige schmunzelt: „Gute Frage“. Klar es ist sein Erstlingswerk und es könnte gut sein, dass es bei dem bleibt.

Na ja, das sei aus „Lust und Laune“ heraus so gekommen, aus der anfänglichen Überlegung, wie könnte die Welt mal aussehen, wenn „so eine Partei“ noch mehr Zulauf, Zustimmung bekomme, immer mächtiger werde. Das Ganze sei dann nach den ersten Seiten irgendwie „ausgeartet“. Aber das, was er da „zu Papier“ gebracht hatte, natürlich am Computer, das habe er selbst gar nicht so schlecht gefunden. Zumal er sich dazu in einschlägigen Internetforen schlaugemacht habe, wie man so etwas angehen könnte. Das Schreiben habe ihm Spaß gemacht, und so sei das immer länger und länger geworden.

Print on demand: Gedruckt wird erst, wenn bestellt ist

Die erste Fassung schickte Rentschler an Verlage, bekam aber nur Absagen, allerdings auch den Tipp, sich erst mal einen Lektor zu suchen, weil es ohne einen, der das Manuskript prüft, bearbeitet, Änderungen vorschlägt, ohnehin nichts werden könne. Wiederum im Internet wurde er nach langer Suche fündig, es ging nicht zuletzt darum, dass das Projekt für ihn finanziell tragbar sein sollte. Er fand auch einen Self-Publishing-Verlag, der nach dem Prinzip „print on demand“ arbeitet: Erst wenn (was) bestellt ist, wird (das) gedruckt. Der Lektor bot ihm nach einem ersten „Drüberschauen“ entgegen der sonstigen Gepflogenheit in seinem Gewerbe einen Pauschalpreis an, der bezahlbar war: „Auch deshalb, weil der selbst sagte, dass er gar nicht mehr so viel daran machen muss, das sei ja gar nicht so schlimm, das hat mich selbst etwas überrascht“, so Rentschler doch mit einem gewissen Autorenstolz.

Sein Werk, das es als Paperback und als E-Book gibt, kann man bei den großen Verlagen wie Osiander, Amazon, Thalia bestellen, er ist aber auch noch auf der Suche nach weiteren kleinen Buchhandlungen in der Raumschaft, die es direkt im Laden anbieten, wie im „Bücherwurm“ Koch in Schwaikheim.

Noch mal zurück zur „Idee“, dem „Plot“, würde man im Film dazu sagen, wie kam er darauf? Na ja, er schaue eben viel Nachrichten und er habe Freunde mit Migrationshintergrund. Hatte er denn vorher schon mal schriftstellerische „Neigungen“ verspürt? „Nein, null Komma null.“ Als er seinen Bekannten von seinem Projekt erzählte, seien alle ziemlich erstaunt gewesen. Seine eigene, kurze Inhaltsangabe: Die Geschichte spiele „ein paar Jahre“ in der Zukunft, sei aber keine Science-Fiction, es gebe überall Drohnen, wobei das aber inhaltlich relativ unwichtig sei. Die Frage, die ihn bewegt habe, sei, „wie kann es sein, dass so eine Partei an die Macht kommt?“ Sozusagen dorthin geführt habe in dem Fall, dass es vorher viele Terroranschläge gab, die von dieser Partei, der „Heimatfront Deutschland“, inszeniert worden seien, um Angst in der Bevölkerung zu erzeugen. Zu viel will Rentschler verständlicherweise allerdings nicht vorher verraten, schließlich sollen die Leute neugierig werden. Er „verrät“ noch, dass eine Hauptfigur eine Kanzlerin (!) ist, Führerin der fremdenfeindlichen „HfD“, die aus einem, wie Rentschler sagt, „ehemaligen Nazi-Geschlecht“ kommt. Der Titel „Ray“ sei die ukrainische Übersetzung von „Paradies“. Was zynisch ist, denn diese Stadt ist alles anderes als ein Paradies, nämlich ein Lager. Der Autor hat sich bei der Suche nach einem Titel Mühe gegeben, dazu viel gegoogelt. „Er sollte eben cool sein.“

Die Vorlage ist eine ganz bestimmte, reale Partei

Für wie wahrscheinlich hält er selbst das gruslige Szenario, das er da entwirft? Es sei aus seiner Sicht „nicht unrealistisch“, das zeigten auch Rückmeldungen von Freunden, die ihm gesagt hätten, es sei erschreckend, „wie nahe das wirkt“. Wo steht er denn selbst politisch? Also er sei nicht besonders grün, auch nicht besonders links, wenn das die Vermutung sei, würde sich wie viele andere auch „in der Mitte“ verorten. Wie für diese sei es aber auch für ihn unfassbar, „wie viele Stimmen die bekommen“. „Die“, das ist unverkennbar eine ganz bestimmte, real existierende Partei. Unfassbar aus der Sicht von Rentschler „wegen der Vergangenheit Deutschlands“. Er verweist allerdings auch auf den Zulauf für Rassisten auf der ganzen Welt. Ja, er habe durchaus Befürchtungen, dass es allmählich in die Richtung gehe, die er in seinem fiktiven Werk auf die Spitze treibe. „Es gibt ja viele, die sagen, eigentlich hat diese Partei ja recht.“

Die Erste, der er es zeigte, war seine Frau

Wenn er vorher keine Literatur geschrieben hat, liest er stattdessen viel? „Würde ich nicht sagen, so vier, fünf Bücher im Jahr.“ Rentschler hat lange niemandem erzählt, was er da abends nach der Arbeit so treibt. Er lacht: „Ich bin nämlich schon ein bisschen ein Schisser. Ich hatte Angst, dass jemand sagt ,so ein Scheiß’“. Es habe gebraucht, bis er sich habe überwinden können, sein Werk anderen zu zeigen.

Er muss grinsen, als er sich erinnert. Die Erste, der er sich offenbarte, war seine Frau – und ausgerechnet die war prompt sehr kritisch, na ja, Lehrerin halt, sie ermunterte ihn aber, weiterzumachen, „nachdem sie mir es um die Ohren gehauen hatte“. Die Zweiten waren seine Eltern und einige Freunde, von denen sei durchweg die Resonanz positiv gewesen, auch wenn jede(r) von ihnen noch Verbesserungsvorschläge gehabt hätte. Insgesamt drei Jahre ist er drangesessen. „Na, immer eben nach Feierabend. Ich hab’ ja einen stressigen Job und bin unter der Woche ja abends auch für den Handball unterwegs. Da ist schon die Frage, wann man überhaupt Zeit fürs Schreiben hat.“ Natürlich gehe es nicht, ohne Spaß daran zu haben, und irgendwann sei er auch in so einen Flow gekommen.

Das Cover stammt von einer Freundin, die ebenfalls Handball spielt

Bisher hat er etwa 200 Exemplare verkauft. Fertig war das Buch am 6. Dezember, zu spät damit, um es noch als Weihnachtsgeschenk unter die Leute zu bringen. Eine Freundin, auch Handballerin, die in Schwaikheim ein Designbüro betreibt, hat das Cover gestaltet, das schon optisch ankündigt, dass einen drinnen keine Rosamunde-Pilcher-Idylle erwartet.

Rentschler outet sich, nach seinen literarischen Vorlieben gefragt, als Fan des Fantasy-Klassikers „Herr der Ringe“ und gibt den Tipp, dass, wer sein Buch lese, da schon gewisse Muster wiedererkennen werde. Er liest gerade die Vorlage für „Dune“. Die politischen Kriminalromane von Wolfgang Schorlau wurden ihm von einem Freund empfohlen, nachdem der sein Buch gelesen hatte. Also er möge Thriller, nicht unbedingt Krimis. „Es muss einen Bezug haben, ich brauche das Große dahinter.“ Mit „Tatort“ zum Beispiel, wenn es da um einen Mord in der Familie gehe, könne er überhaupt nichts anfangen.

Rund 500 Seiten hat „Ray – Stadt des Widerstands“ von Roger Garas. Hinter diesem Pseudonym des Politthrillers steht Gregor Rentschler, ein vor allem in Handballkreisen bekannter Schwaikheimer, rund 15 Jahre lang ein prägender Spieler in der ersten Mannschaft der Sportfreunde, nach wie vor dort aktiv in der dritten Mannschaft.

Wie kommt einer, der mit Schriftstellern eigentlich nichts zu tun hat und beruflich Projektmanager bei einer Maschinenbaufirma in Stuttgart ist, dazu, so einen

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