Schwaikheim

Winnenden, Schwaikheim und Leutenbach wollen weniger Wärme verbrauchen

Biogasanlage
Abwärme könnte den Energiebedarf einer Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal verringern. © Gabriel Habermann

Die angestrebte „Klimawende“ – die Verlangsamung der Erderwärmung und ihrer negativen Folgen – erfordert auch eine „Wende“ bei der Erzeugung von Wärme, in ihrer Art und Weise sowie eine drastische Reduzierung des Bedarfs. Das gilt sowohl für die Wärme in Räumen als auch für Warmwasser und die sogenannte Prozesswärme, die für technische Verfahren in der Industrie benötigt wird (Trocknen, Schmelzen, Schmieden).

Das Klimaschutzgesetz verpflichtet Stadtkreise und Große Kreisstädte dazu in Form einer „kommunalen Wärmeplanung“ (eines „Handlungsleitfadens“ oder „Routenplaners)“, bricht dies also auf die Ebene der Städte und auch der Gemeinden, die freiwillig mitmachen, herunter, wie Schwaikheim und Leutenbach im Fall von Winnenden, nach der (mittlerweile erfolgten) Zustimmung ihrer Gemeinderäte dazu. Die drei Kommunen bilden einen Planungs-„Konvoi“. Die Frist zur Vorlage einer solchen Planung läuft bis Ende 2023.

Auch Wohnhäuser und Gewerbegebäude in der Bestandsanalyse einbezogen

Die Gemeinde hoffe dabei auf Synergieeffekte, nicht zuletzt, weil es zwischen Winnenden und Leutenbach viele Berührungspunkte gebe, der gleichnamige Teilort und die Stadt ja direkt aneinandergebaut seien, wobei die Vorteile beiderseits sein könnten, erklärt der Leutenbacher Bauamtsleiter Johannes Kocher auf Nachfrage. Zunächst werde es um eine Bestandsanalyse gehen, darum den aktuellen Wärmebedarf festzustellen. Einbezogen werden dabei keineswegs nur die kommunalen Liegenschaften, sondern auch private Wohnhäuser und die gewerblichen Gebäude, das allerdings gebietsweise und rechnerisch, betont Kocher. Es werden also nicht Haus für Haus, Gebäude für Gebäude die entsprechenden Daten ermittelt.

In einem weiteren Schritt solle dann das Potenzial an erneuerbaren Energien und auch an Abwärme aus produzierendem Gewerbe ausfindig gemacht werden, die zum Beispiel in eine Biogasanlage eingespeist werden könnte. Eine solche gibt es bereits in Leutenbach, betrieben von Landwirt Rüdiger Lämmle. Weil Wärme nicht so leicht transportierbar ist wie Strom, muss dieser Transformationsprozess unter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort gestaltet werden und damit kommt den Kommunen eine zentrale Rolle zu. Denkbar ist auch Abwärme, in ein Wohngebiet zu „bringen“, in Verhandlungen mit Versorgern und Anbietern ein Nahwärmenetz zu schaffen (Kraft-Wärme-Kopplung). Um den Wärmebedarf zu senken, sollen auch Potenziale zur Steigerung der Gebäudeeffizienz ermittelt werden.

Bei allen städtebaulichen Planungen künftig zu berücksichtigen

Als Nächstes ist ein „Zielszenario“ aufzustellen zur Deckung des künftigen Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien, um eine „klimaneutrale“ Wärmeversorgung zu erreichen. Dazu gehört eine „räumlich aufgelöste“ Beschreibung der dafür benötigten Versorgungsstruktur, gefolgt von einer „Wärmewendestrategie“, eines ausformulierten „Transformationspfads“ zur Umsetzung. Das alles hört sich, noch, sehr abstrakt an. Die zu erarbeitende Strategie soll in die kommunalen Entwicklungsprozesse integriert, in den nächsten zwei, drei Jahrzehnten bei allen städtebaulichen Planungen berücksichtigt werden, ein wichtiges Werkzeug sein für eine nachhaltige Stadt- und Gemeindeentwicklung. Spätestens dann wird es also konkret.

Das Ziel ist, bis zum festgelegten Datum 2040 Wärme „klimaneutral“ zu erzeugen oder zu beschaffen. Zunächst werde eine Förderung beim Projektträger Karlsruhe am dortigen Institut für Technologie (Programm „BWPlus“) beantragt. Sobald die Zusage dafür vorliege, gehe es an das Ausschreibungsverfahren für die Vergabe an ein externes Fachbüro, so Kocher.

Die Förderung beträgt bis zu 80 Prozent (der zuwendungsfähigen Ausgaben), maximal 30.000 Euro plus 75 Cent je Einwohner plus 5000 Euro je Gemeinde, die sich am Konvoi beteiligt (aber nicht wie Städte zur Erstellung eines Wärmeplans verpflichtet ist).

 Winnenden hat bereits pauschale Zuwendungen erhalten, 2020 und im vergangenen Jahr jeweils rund 17.000 Euro. Durch den Konvoi mit Schwaikheim und Leutenbach werden bei rund 70.000 Euro an zuwendungsfähigen Ausgaben knapp 56.000 Euro (80 Prozent) als zweckgebundener, nicht rückzahlbarer Zuschuss ausgezahlt, davon 30.000 Euro als Sockelbetrag plus knapp 16.000 Euro nach der Einwohnerzahl von Leutenbach und Schwaikheim plus 10 000 Euro nach der Anzahl der freiwillig sich beteiligenden Kommunen (jeweils 5000 Euro).

OB Holzwarth: „Schlüssel“ zu Klimaneutralität im Gebäudebestand

Kommunale Wärmeplanung sei der Schlüssel, der Klimaneutralität im Gebäudebestand zukünftig denkbar macht, so der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang der Stadt. Er verwies darauf, dass jüngst für das neue Gerberviertel ein neuer Kanal mit Wärmerückgewinnung für eine Heizzentrale der Stadtwerke verlegt wurde.

Die angestrebte „Klimawende“ – die Verlangsamung der Erderwärmung und ihrer negativen Folgen – erfordert auch eine „Wende“ bei der Erzeugung von Wärme, in ihrer Art und Weise sowie eine drastische Reduzierung des Bedarfs. Das gilt sowohl für die Wärme in Räumen als auch für Warmwasser und die sogenannte Prozesswärme, die für technische Verfahren in der Industrie benötigt wird (Trocknen, Schmelzen, Schmieden).

Das Klimaschutzgesetz verpflichtet Stadtkreise und Große Kreisstädte dazu in

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