Schwaikheim

Youtube-Star mit Drogenkarriere

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Sick mit seiner Autobiografie. © Ramon Diehl

Schwaikheim/Winnenden. Sick fliegt eigens aus Berlin ein. Die Schwaikheimerin Heike Mohrmann hat es geschafft, den Youtube-Serienstar für ihre Benefizveranstaltung am Samstag, 21. Juli, nach Birkmannsweiler zu lotsen, ins Lokal S’Wohnzimmer. Thema ist Drogenprävention. Zu dem, was das Teufelszeug anrichten kann, haben beide, Heike Mohrmann und Sick, einen sehr persönlichen Bezug.

Vor drei Jahren starb Heike Mohrmanns Sohn Tim kurz vor seinem 23. Geburtstag an einer Überdosis Heroin, ein Unfall, davon gehen die Eltern aus.

Heike Mohrmann, die damals mit diesem Schicksalsschlag nicht fertig wurde, suchte Hilfe, Mitstreiter im Kampf gegen Drogen und fand sie im Elternkreis Waiblingen, eine Selbsthilfegruppe von Eltern drogenabhängiger oder -gefährdeter Jugendlicher, und bei Drogenberatungsstellen. Mittlerweile ist sie selbst Suchtberaterin und im Vorstand der Landesvereinigung der Elternkreise.

Spiegel-Bestseller und Grimme Online Award

Sie kam im vergangenen Jahr auf die Idee, eine Benefizveranstaltung zu organisieren, am internationalen Gedenktag an alle Drogentoten, und mit dem Erlös daraus Drogenberatungsstellen wie Release in Stuttgart zu unterstützen. Den Veranstaltungsort stellte eine Freundin der Familie zur Verfügung.

Bei der Neuauflage an gleicher Stelle ist Sick der Stargast, die Hauptattraktion. Von ihm läuft, sehr erfolgreich, auf Youtube die Serie „Shore, Stein, Papier - mein Leben zwischen Heroin und Haft“. Für Nichteingeweihte, die mit diesen Begriffen aus der Szene nichts anfangen können: Shore steht für Heroin, Stein für Koks und Papier für Geld. Sick erzählt darin seine heroinverseuchte Lebensgeschichte. Er hat sein Leben mittlerweile auch niedergeschrieben, die Autobiografie hat den gleichen Titel und ist ein Spiegel-Bestseller geworden. Für seine Youtube-Serie bekam er 2015 den Grimme Online Award, einen Publikumspreis.

Hochverdient, wie Heike Mohrmann findet, weil Sick durch seine direkte, ehrliche, auch selbstironische Art, über all den Mist, den er in seinem Leben gebaut hat, zu erzählen, besonders glaubwürdig rüberkomme: „Der nimmt sich ständig selbst auf die Schippe, wenn er erzählt, wie blöd er mal war.“

Ein leibhaftiger Zeuge

Er sei für die betroffenen Jugendlichen ein Beispiel dafür, wie man die Kurve kriegen könne. Für die Präventionsarbeit könne es kaum jemand Glaubwürdigeren geben als ihn, einen leibhaftigen Zeugen: „Er hat das nach einer 25-jährigen Drogenkarriere noch geschafft. Das sagt doch uns Eltern, dass man die Hoffnung nie aufgeben sollte.“

Sick wird in Birkmannsweiler über sein Leben erzählen und auch Fragen beantworten, etwa ab 14.30 Uhr. Der Kontakt zu ihm ist entstanden, nachdem Heike Mohrmann im Urlaub im vergangenen Jahr sein Buch gelesen hatte.

Der Inhalt, aber noch mehr diese unverblümte, auch witzige Art, über so viel Trauriges zu schreiben, habe sie sofort angesprochen, ständig habe sie sich gefragt, „Was willst du mir sagen?“ Sie wurde neugierig auf den Autor, schaute sich seine Youtube-Serie an. Er las im Wizemann in Stuttgart. Heike Mohrmann und ihr Mann Rajco gingen hin.

Eine bestürzende Erkenntnis

Später kam auf Youtube eine zweite Serie dazu, „Eure Antworten“, in der Sick Fragen an ihn beantwortet, er sitzt dort anders als in „Shore, Steine, Papier“ nicht am Küchentisch, sondern auf einem Sofa. „Da wusste ich auf einmal, woher ich ihn schon gekannt hatte. Mein Sohn hatte ihm nämlich eine Frage gestellt.“

Eine bestürzende Erkenntnis, die sie veranlasste, ihrerseits über Facebook Sick auch eine Frage zu stellen, eine ziemlich mutige, nämlich, ob er sich denn vorstellen könne, herzukommen und auch mal mit betroffenen Eltern zu sprechen.

„Mein Mann und ich haben uns gesagt, den müssen wir und andere betroffene Eltern hier unbedingt kennenlernen.“ Sick sagte tatsächlich zu.


Schwaikheim/Winnenden. Sick fliegt eigens aus Berlin ein. Die Schwaikheimerin Heike Mohrmann hat es geschafft, den Youtube-Serienstar für ihre Benefizveranstaltung am Samstag, 21. Juli, nach Birkmannsweiler zu lotsen, ins Lokal S’Wohnzimmer. Thema ist Drogenprävention. Zu dem, was das Teufelszeug anrichten kann, haben beide, Heike Mohrmann und Sick, einen sehr persönlichen Bezug.

Vor drei Jahren starb Heike Mohrmanns Sohn Tim kurz vor

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