Urbach

Öffentlicher Nahverkehr in Urbach: So zufrieden sind die Fahrgäste - Gemeinderäte weisen auf Defizite hin

Bus 249 Urbach
Die Buslinie 249, hier noch mit einem Fahrzeug des inzwischen insolventen Busunternehmens Knauss. Bei der Übergabe an die nun zuständige Firma Fischle kam es in Urbach zu einigen Problemen. Archivfoto. © Gabriel Habermann

Fährt der Bus im richtigen Takt? Sind alle Gebiete im Ort gut versorgt? Das Thema öffentlicher Nahverkehr führt oft schnell zu Diskussionen. Das zeigte sich auch in der jüngsten Urbacher Gemeinderatssitzung. Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans des Kreises war eigentlich nur ein Tagesordnungspunkt zur Kenntnisnahme, trotzdem diskutierte das Gremium angeregt über Grundsatzfragen des Urbacher ÖPNV.

„Für Urbach und Plüderhausen gibt es keine großen Veränderungen“, sagte Achim Grockenberger vom Ordnungs- und Kulturamt der Gemeinde zum Entwurf des Nahverkehrsplans. Es bestünden nach den Angaben des Kreises im Raum Schorndorf-Urbach-Plüderhausen derzeit keine Bedienungsdefizite. Das sehe die Urbacher Verwaltung im Großen und Ganzen ähnlich.

Verwaltung: ÖPNV-Versorgung wird von der Bevölkerung akzeptiert

„Die Versorgung, wie sie derzeit läuft, wird von der Bevölkerung akzeptiert“, meint Achim Grockenberger. „Die Übergabeprobleme zwischen Knauss und Fischle konnten gelöst werden“, nahm er Bezug auf die Insolvenz des Busunternehmens Knauss und die darauffolgenden Probleme bei der Übergabe an die Firma Fischle. Die Probleme bestanden laut Grockenberger hauptsächlich im Schülerverkehr. Nachdem sie behoben wurden, seien weder bei der Urbacher Verwaltung noch beim Landratsamt weitere Beschwerden eingegangen.

Leidig sei allerdings seit langem die Umsteigezeit von der Buslinie 249 auf den Anschlussverkehr. Das liege unter anderem daran, dass die Linie sowohl die Anschlüsse am Urbacher als auch am Schorndorfer Bahnhof bedienen müsse. Zudem habe sich der damalige Verkehrsgutachter mit den Fahrplanzeiten gewaltig verschätzt. „Wenn der Bus sich aufgrund von verkehrlichen Situationen, die sich irgendwo ergeben, verspätet, dann wird’s verdammt eng“, sagte Achim Grockenberger. „Das ist die Situation im Moment, das muss man zugeben“, so Grockenberger. Die Verwaltung werde das Thema noch einmal weitergeben.

73 000 Euro Zuschuss für Aufstockung des ÖPNV

Natürlich könnte die Versorgung der Bürgerschaft immer besser sein – „aber die Frage ist, wie viel Geld Sie dafür zur Verfügung stellen möchten“, so Grockenberger. Im Abrechnungszeitraum 2019, für den die Abrechnung der Kosten bereits vorliegt, wendete die Gemeinde Urbach laut der Verwaltung rund 73 000 Euro auf, um das Basisangebot des Landkreises beim Linienbusverkehr aufzustocken. „Das macht auch nicht jede Gemeinde“, sagte Bürgermeisterin Martina Fehrlen. „Wir leisten uns bereits mehr ÖPNV als andere. Das muss man auch mal lobend erwähnen.“

Auch Gemeinderat Thomas Mihalek (Freie Wähler) betonte: „Der Nahverkehr ist uns wichtig, deshalb haben wir mehrfach im Gemeinderat eine Erhöhung der Zuschüsse beschlossen.“ Trotzdem äußerte er Kritik an der Aussage der Verwaltung zur Fahrgast-Zufriedenheit: „Jetzt während Corona zu sagen, dass es keine Beschwerden gibt, passt nicht so ganz.“ Mit solchen Aussagen solle lieber gewartet werden, bis sich die Situation normalisiert habe. „Ich kann nur von der gegenwärtigen Situation ausgehen“, sagte Achim Grockenberger dazu. Der Kreis habe aber bewiesen, dass er bereit ist, bei Problemen gegenzusteuern.

Keine gute Datenbasis durch Pandemie

„Wir nehmen das heute zur Kenntnis“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Holzwarth. Auch er mahnte aber an, dass die Situation momentan in keinster Weise repräsentativ sei. Wenn Busse leer fahren, wie der Grünen-Fraktionsvorsitzende Burkhard Nagel früher in der Diskussion angemerkt hatte, dann sei das auch darauf zurückzuführen, dass die Menschen momentan Angst haben, sie zu nutzen. „Sobald die Pandemie vorbei ist, kommen auch Probleme wieder an die Oberfläche“, war Holzwarth überzeugt. Eine Planung mit der aktuellen Datenbasis zu machen, empfinde er „ein bisschen als Witz“.

„Der entworfene Nahverkehrsplan ist ja über Jahre hinweg entstanden“, sagte Achim Grockenberger. Insofern seien schon verlässliche Aussagen möglich.

Kritik an Bustaktung im Banrain

„Wir müssen uns in Zukunft trotzdem noch mal Gedanken machen“, sagte Katrin Foschiatti (CDU). Die Busverbindungen im Banrain seien zum Beispiel nicht optimal. „Da gibt es viele, die im Häusle sitzen und wirklich auf den Bus warten, der nicht mehr in dem Takt kommt, den wir gewohnt waren.“ Sie wisse, das Thema sei nicht einfach und jeder habe seine Wünsche, aber es sei wichtig, dass auch die Menschen in den äußeren Gebieten in die Ortsmitte kommen.

„Wir hatten ja eigentlich ein besseres Angebot für den Banrain“, entgegnete Achim Grockenberger. Bei der entsprechenden Bürgerveranstaltung vor wenigen Jahren seien aber nur Befürworter der schmaleren Lösung da gewesen. „Das größte Problem war damals der Gegenverkehr“, kommentierte Manfred Wrobel-Adelhelm (Bürgerliste Urbach). An Kreuzungen habe es verheerende Situationen gegeben, wenn sich beispielsweise drei Busse trafen.

Die FW-Fraktionsvorsitzende Ursula Jud erinnerte sich auch noch gut an die damalige Diskussion über die Buslinienführung. Manche der Menschen, die sich damals nicht am Gespräch beteiligten, seien leider erst im Nachhinein aufgewacht. „Jetzt müssen wir es aushalten“, sagte Ursula Jud zur aktuellen Situation im Banrain. Trotzdem seien ihr die Probleme bekannt, sie wolle das Thema für die Zukunft nicht ganz wegschieben.

Nächster Vergabezeitraum erst 2028

„Wenn ich an unsere Haushaltsstrukturkommission denke, können wir es uns momentan nicht leisten, den öffentlichen Busverkehr weiter aufzustocken“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende Siegrun Burkhardt. Sie sei froh, dass die Vergabezeiträume im ÖPNV so lange seien. „Ich möchte das Thema nicht neu diskutieren. 2028 können wir noch mal schauen, wie die Zahlen sind und was wir an Finanzmitteln haben.“ Der nächste Vergabezeitraum für den Verkehrsbereich Schorndorf ist im Jahr 2028.

„Ich will keinen Riesenaufriss machen“, sagte Katrin Foschiatti zu ihrer Kritik an der Taktung im Banrain. „Ich will nur, dass wir das Ganze nicht aus den Augen verlieren. Auch im Hinblick auf 2028.“ Bürgermeisterin Martina Fehrlen wies „als kleines Trostpflaster“ für die Menschen im Banrain auf den Bürgerbus vom Förderverein der Urbacher Kranken- und Altenversorgung hin, sagte aber auch: „Wir werden das Thema sicherlich wieder diskutieren.“

Fährt der Bus im richtigen Takt? Sind alle Gebiete im Ort gut versorgt? Das Thema öffentlicher Nahverkehr führt oft schnell zu Diskussionen. Das zeigte sich auch in der jüngsten Urbacher Gemeinderatssitzung. Die Fortschreibung des Nahverkehrsplans des Kreises war eigentlich nur ein Tagesordnungspunkt zur Kenntnisnahme, trotzdem diskutierte das Gremium angeregt über Grundsatzfragen des Urbacher ÖPNV.

„Für Urbach und Plüderhausen gibt es keine großen Veränderungen“, sagte Achim

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