Urbach

Abrissarbeiten fürs „Hirsch“-Areal in vollem Gange

Abrissarbeiten fürs „Hirsch“-Areal in vollem Gange_0
Bis Weihnachten sollen auch die letzten Spuren des alten „Hirsch“ verschwunden sein. © Schneider / ZVW

Urbach. Ein Bienengarten? Oder doch ein Gemüsebeet? Wie das „Hirsch“-Areal während der Remstal-Gartenschau 2019 genutzt wird, wenn die Gebäude mit den Adressen Hauptstraße 20 und 22 abgerissen sind, ist noch nicht entschieden. Genauso wenig, was die Gemeinde nach Ende des Großereignisses mit dem Gelände vorhat. Ein Wohn- und Geschäftshaus soll entstehen, so viel ist schon klar.

Die glorreichen Zeiten des „Hirsch“-Areals sind lange vorbei, aber in den letzten Tagen stachen die Gebäude im Zentrum des historischen Ortskerns von Unter-Urbach (heute Urbach-Süd) mit ihren fehlenden Dächern trotzdem sofort ins Auge. Ein letztes Hurra für die geschichtsträchtigen Häuser, denn seit Mittwoch ist der Bagger da, der sie bis Weihnachten dem Erdboden gleichmachen soll.

Umgeben von drei Straßen: „Es ist ein schwieriger Abriss“

Ende November haben die langwierigen Abrissarbeiten begonnen, die die Gemeinde laut Reiner Wittmann, der beim Urbacher Bauamt für das Projekt zuständig ist, zwischen 50 000 und 60 000 Euro kosten. Ungefähr zwei Wochen hat alleine die Entrümpelung der Gebäude in Anspruch genommen. „Es ist ein schwieriger Abriss“, so Wittmann. „Die Gebäude grenzen an drei Straßen und einen Parkplatz.“ Eine dieser drei Straßen ist die Hauptstraße, wo der Verkehr so wenig wie möglich und nur zeitweise beeinträchtigt werden soll.

Der fließende Verkehr in unmittelbarer Nähe ist aber nicht die einzige Herausforderung bei den Abbrucharbeiten auf der ungefähr 480 Quadratmeter großen Fläche. „Wir müssen einige Kellerwände stehen lassen“, sagt Wittmann. Der Grund: Die Gewölbekeller unter den Gebäuden reichen teilweise bis unter den Gehweg der Hauptstraße, der natürlich in seiner Stabilität nicht gefährdet werden soll. Wegen der zentralen Lage mussten auch die Dächer der Häuser von Hand abgedeckt werden. Erst für die Hauptabrissarbeiten ist jetzt der Bagger im Einsatz.

Die Geschichte des Areals lässt sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Das ehemalige Gasthaus wurde laut einer bauhistorischen Untersuchung um 1775 errichtet. Als die Gemeinde die Gebäude 2012 erwarb, war noch nicht entschieden, ob sie abgerissen oder erhalten werden sollten. „Nach der Untersuchung war klar, dass die Bausubstanz der Gebäude nicht mehr gut genug ist“, sagt Wittmann. Auch Walter Wannenwetsch vom Geschichtsverein Urbach war nach einer Begehung der Meinung, dass es wenig Sinn gemacht hätte, die Gebäude zu erhalten. Über die Geschichte des Areals hat er trotzdem viel zu erzählen.

Die Geschichte des Areals

„Der „Hirsch“ lag an der Remstalroute und war neben dem Löwen eine der wichtigsten Gaststätten in Urbach“, sagt Wannenwetsch. „Da kam jeder vorbei.“ So zum Beispiel auch die napoleonischen Truppen. Drei Tage lang haben die Offiziere des französischen Kaisers im „Hirsch“ übernachtet. Detaillierte Aufzeichnungen beschreiben, mit welchen Speisen sie sich dabei haben verwöhnen lassen. „Es ist sogar möglich, dass Napoleon auf dem Weg Richtung Schwäbisch Gmünd selbst durch Urbach reiste“, so Wannenwetsch.

Zeitweise befand sich im Anbau des „Hirsch“, in der Hauptstraße 20, das „Lamm“, in dem ein Verwandter des damaligen Besitzers ebenso eine Gaststätte betrieb. Die Schankwirtschaft hatte im neunzehnten Jahrhundert mehrere Besitzer, wurde dann aber 1937 wieder geschlossen, das Haus verkauft. Mit dem „Hirsch“ ging es aber auch in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts weiter.

Teilweise hatte das Restaurant zwei Fremdenzimmern, die fielen aber in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder weg. In den 60er Jahren wurde das Gebäude zu einem Café, dem „Café Omnibus“, umgebaut. Danach folgten unter acht Besitzern und Pächtern weitere bauliche Veränderungen, bis die Gaststätte – zu diesem Zeitpunkt ein griechisches Restaurant – 2012 schloss und der Besitzer die Gebäude an die Gemeinde Urbach verkaufte.

„Bis jetzt liegen wir damit im Zeitplan“

In den letzten Jahren wurde das Areal teilweise zur Unterbringung von Geflüchteten genutzt, während an den Fenstern bis zum Abriss immer noch für „griechische Spezialitäten“ geworben wurde. Die noch verbliebenen sieben Geflüchteten wurden seit November anderweitig untergebracht, damit die Gemeinde mit den Abrissarbeiten beginnen konnte. „Bis jetzt liegen wir damit im Zeitplan“, gibt Mike Langer von der beauftragten Abrissfirma Auskunft. „Aber man weiß nie, was noch kommt.“

Sind die Gebäude erst einmal verschwunden, soll das Areal eingeschottert werden. Während der Gartenschau dürfen die Bürger mitbestimmen, was mit dem Gelände passiert (siehe „Ideenwettbewerb“), danach stehen mehrere Optionen offen.

Eine endgültige Entscheidung geht die Gemeinde laut Rainer Wittmann bewusst langsam an. Er will niemandem vorweggreifen, denkbare Optionen sind aber eine Erweiterung des Rathauses, ein Laden, oder auch ein weiterer Ideenwettbewerb. Im Frühjahr sollen erste Diskussionen über die Zukunft des Geländes stattfinden.


Ideenwettbewerb

Bevor das Hirsch-Areal wieder bebaut wird, soll die entstandene Freifläche nach den Abrissarbeiten für die Remstal-Gartenschau im nächsten Jahr genutzt werden. Dafür hat die Gemeinde einen Ideenwettbewerb für die temporäre Umgestaltung des Areals ausgeschrieben.

Bis Montag, 14. Januar 2019, können die Urbacher Bürgerinnen und Bürger per Brief ins Rathaus oder via E-Mail an trossbach@urbach.de Vorschläge für die Nutzung des Areals einreichen.

Die Gewinnerin oder der Gewinner des Wettbewerbs erhält zwei Remstalcards für die Gartenschau im Wert von insgesamt 80 Euro.