Urbach

Bürgermeisterin: Leerstehende Wohnungen "ein Skandal“

Martina Fehrlen Bürgermeisterin Urbach_0
Martina Fehrlen. © ZVW/Benjamin Büttner (Archiv)

Urbach.
Bürgermeisterin Martina Fehrlen spricht im Interview darüber, woran Lösungen für die Wohnungsnot aus ihrer Sicht scheitern.

Frau Fehrlen, wie in vielen anderen Gemeinden, versuchen Sie in Urbach, leerstehende Wohnungen und Bauplätze nutzbar zu machen. Wie funktioniert das?

Das ist sehr schwierig. Jeder verteidigt die Wiese vor seinem Haus wie das Allerheiligste. Die Nachverdichtung ist mit massiven Schwierigkeiten verbunden, weil bei Neubauprojekten die umliegenden Anwohner sich querstellen. Das andere Problem ist der Leerstand von Häusern und Wohnungen. Erbengemeinschaften lassen Häuser eher leerstehen, anstatt sie auf dem Markt oder der Gemeinde anzubieten.

Sie haben das Angebot gemacht, dass die Gemeinde als Mieterin auftreten könnte.

Damit die potenziellen Vermieter nicht mit den Mietern im direkten Kontakt stehen müssen, sondern alles über die Gemeinde abwickeln können.

Hat das etwas gebracht?

Nein, noch nicht einmal bei einem derartigen Konstrukt, das relativ risikolos für die Vermieter ist, haben sich viele gemeldet. Ich finde, das ist ein Skandal. Wir haben eine massive Wohnungsnot.

Wir suchen immer noch dauerhafte Unterkünfte für einige der Menschen, die durch den Großbrand in der Beckengasse im März 2019 obdachlos geworden sind. Wir haben immer wieder ältere Leute, die teilweise über 80 sind, die obdachlos werden, weil ihnen wegen Eigenbedarfs gekündigt wird. Die finden auf dem normalen Wohnungsmarkt nichts. Und wenn ich dann durch die Straßen laufe und die Leerstände sehe – dann schmerzt das im Herzen.

Welche Möglichkeiten haben Sie noch?

Im Grunde keine. Ich kann die Leute nicht zwingen. Ich kann nur an die Moral der Bürgerinnen und Bürger appellieren, dass man nicht sein Haus leerstehen lässt, wenn andere obdachlos sind. Ich weiß, dass manche, die ein altes Haus haben, in dem Jahrzehnte nichts mehr gemacht wurde, sagen: So was kann man doch nicht vermieten. Da sage ich: Es ist alles besser, als kein Dach über dem Kopf.

Urbach.
Bürgermeisterin Martina Fehrlen spricht im Interview darüber, woran Lösungen für die Wohnungsnot aus ihrer Sicht scheitern.

Frau Fehrlen, wie in vielen anderen Gemeinden, versuchen Sie in Urbach, leerstehende Wohnungen und Bauplätze nutzbar zu machen. Wie funktioniert das?

Das ist sehr schwierig. Jeder verteidigt die Wiese vor seinem Haus wie das Allerheiligste. Die Nachverdichtung ist mit

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper