Urbach

Bekommt Urbach ein neues Gewerbegebiet?

Schraienwiesen
Die Fläche, die für das Gewerbegebiet Schraienwiesen infrage kommen würde, befindet sich direkt an der B 29. Eingegrenzt wird das Gebiet von der Bundesstraße, der Schraienstraße und dem Feldweg, der vor den Gebäuden mittig im Bild vorbeiläuft und dann links zur Brücke über die Bundesstraße abbiegt. © Gabriel Habermann

Soll Urbach ein neues Gewerbegebiet bekommen oder nicht? Das Spannungsfeld zwischen dem Erhalt von wertvollen Naturräumen und dem Bedarf an mehr Fläche für Wohnraum und Gewerbe ist wahrlich keines, das einfach aufzulösen ist. Das wurde wieder einmal deutlich bei einer Diskussion zum aktuellen Sachstand beim Gewerbegebiet Schraienwiesen in Urbach. Die Meinungen zum weiteren Verfahren dazu gingen im Gemeinderat auseinander.

Schon 2011 erreichte die Anfrage, in dem Gebiet an der B 29 eine große Lagerhalle für Logistik zu bauen, die Gemeinde. Dieses Vorhaben wurde nicht realisiert, seitdem wurden aber Bebauungspläne für das Gebiet aufgestellt und Eigentümer angehört. Die Mehrzahl der 67 Eigentümer von Flächen im Bereich des möglichen Gewerbegebietes wären grundsätzlich verkaufsbereit, viele allerdings nur unter bestimmten Bedingungen, wie dem Ersatz von bestehenden Schuppen oder der Schaffung von Ausgleichsflächen für die Landwirtschaft.

Es besteht also noch Klärungsbedarf, auch bei den Themen Umweltbelange, Schallschutz, Verkehr und der Ver- und Entsorgung. Zudem muss die Öffentlichkeit informiert und eingebunden werden.

Fast täglich erreichen die Gemeinde Anfragen von Gewerbetreibenden

„Ich war erst gestern wieder bei einem Unternehmer, der mich nach einer größeren Fläche gefragt hat“, sagte Bürgermeisterin Martina Fehrlen im Gemeinderat. Der Unternehmer wolle gerne im Ort bleiben, dort investieren und Arbeitsplätze schaffen. „Und ich kann ihm keine Fläche anbieten“, so Fehrlen. Fast täglich erhalte die Gemeinde Anfragen von Unternehmen, die nach Flächen suchen. Urbach sei entlang der B 29 und mit einem eigenen Bahnhof ein sehr attraktiver Standort für Gewerbe. Zudem brauche die Gemeinde Einnahmen durch die Gewerbesteuer, „weil wir so ein großes Angebot an Leistungen nicht mehr bieten können, wenn wir nicht die Einnahmen nachhaltig erhöhen“, sagte Fehrlen.

Allerdings sieht die Bürgermeisterin auch die andere Seite. „Wenn man entlang des Remstals durch den kleinen Tunnel bei Schorndorf herausfährt, sieht man diese typische Landschaft.“ Sie finde es schwierig, die Fläche zu verbauen, die auch bei der Bevölkerung einen großen Wert habe. „Ich finde es deshalb auch richtig, zu sagen, dass wir dieses Thema als Teil des Gemeindeentwicklungskonzepts mit diskutieren, um hier noch stärker die Meinung der Bevölkerung einzuholen“, sagte Martina Fehrlen.

Gespräche mit der Bevölkerung

Bei der Umfrage für das Konzept, bei der Urbacherinnen und Urbacher sich im vergangenen Jahr zu diversen Themen äußern konnten, sei deutlich geworden, dass auch die Bevölkerung der Meinung sei, dass die Gemeinde Flächen für die Wirtschaft zur Verfügung stellen müsse, insbesondere für den heimischen Mittelstand. „Ich bin der Meinung, wir müssen noch einige Gespräche führen“, so die Verwaltungschefin.

„Urbach hat sich schon vor Jahrzehnten dafür entschieden, diese Gebiete im Flächennutzungsplan auszuweisen“, sagte Detlef Holzwarth, CDU-Fraktionsvorsitzender. Seitdem habe der Gemeinderat in regelmäßigen Abständen signalisiert, dass er das Gebiet weiterentwickeln wolle. „Wir sind der Überzeugung, dass Arbeitsplätze grundsätzlich nah am Wohnort sein sollten“, so Holzwarth. Es sei im Interesse der Gemeinde, wenn in dem Gebiet wertige Arbeitsplätze entstehen. „Ich bin der Meinung, dass wir den Weg weitergehen sollen“, sagte Detlef Holzwarth. „Natürlich sollten wir die Bürger dabei mitnehmen, aber die Historie hat gezeigt, wir wollen das Gebiet.“

Positives Signal

Auch von den Freien Wählern gab es ein grundsätzlich positives Signal für ein neues Gewerbegebiet an dieser Stelle. „Hier können wir etwas bieten“, sagte deren Fraktionsvorsitzende Ursula Jud. In anderen Bereichen, wie beim sozialen Wohnungsbau, in der Pflege und im Kindergarten, sei viel geschehen, nun müsse die Gemeinde auch der Wirtschaft etwas bieten. Besonders da es ansonsten keine weiteren Flächen für Gewerbe gebe.

„Wir werden offen lassen, wie wir uns positionieren“, sagte dagegen Burkhard Nagel, Vorsitzender der Grünen-Fraktion. Ihm sei wichtig, dass das Gebiet zukunftsorientiert sei. Ebenso wichtig sei, welche Art von Gewerbe in dem Gebiet unterkommen würde. „Wir werden es kritisch und konstruktiv begleiten.“

SPD und Grüne müssen noch abwägen

„Irgendwie ist das Thema ja schon ein bisschen in Vergessenheit geraten, aber das war mir ganz recht“, sagte Siegrun Burkhardt, SPD-Fraktionsvorsitzende. „Das Gebiet ist einfach wunderschön, aber auf der anderen Seite haben Sie aufgezeigt, dass wir nach unseren Einnahmen schauen müssen.“ Die Haushaltsstrukturkommission habe gezeigt, dass der Spielrahmen bei den Einsparungen gering sei. Es sei abzuwägen, ob auf die vielen Freiwilligkeitsleistungen der Gemeinde oder im Gegenzug auf die neue Fläche für Gewerbe verzichtet werden könnte.

Sie sei „auf jeden Fall gespalten“, so Burkhardt, es brauche die Diskussion mit der Bürgerschaft, da es hier auch viele kritische Stimmen gebe. „Als ich auf dem Plan eingezeichnet gesehen habe, wie viel Fläche da versiegelt werden müsste, um das Gebiet tatsächlich zu erschließen, bin ich schon erschrocken“, so Burkhardt. Das tue weh, sie sehe aber auch klar, dass Raum gebraucht werde.

BLU lehnt das Gewerbegebiet grundsätzlich ab

„Wir lehnen das Gewerbegebiet auf jeden Fall ab“, verkündete Manfred Wrobel-Adelhelm von der Bürgerliste Urbach zum Ende der Diskussion. Landwirtschaftliche Fläche sei nicht vermehrbar, es mangele an Ausgleichsflächen. „Wir stimmen nicht zu.“

Auf die Frage der Bürgermeisterin, ob er eine Alternative sehe, um die Lücke im Haushalt auszugleichen, antwortete er: „Die könnte man dadurch schließen, dass man Standortfaktoren wie die Murmelbahn nicht so finanziell aufbläst.“ Viele Maßnahmen brächten Folgekosten mit sich.

„Wir sollten uns bei der nächsten Haushaltsberatung noch einmal anschauen, wie hoch die potenziellen Kreditaufnahmen für die Gemeinde sind und wie hoch die Kosten für Projekte wie die Murmelbahn, um ein Gefühl für die Zahlen zu bekommen“, sagte Martina Fehrlen darauf.

Im Rahmen des ohnehin laufenden Gemeindeentwicklungskonzepts soll das potenzielle Gewerbegebiet im Juli - so die Corona-Zahlen es erlauben - mit der Bürgerschaft diskutiert werden. Dafür stimmten alle Fraktionen außer der Bürgerliste Urbach.

Soll Urbach ein neues Gewerbegebiet bekommen oder nicht? Das Spannungsfeld zwischen dem Erhalt von wertvollen Naturräumen und dem Bedarf an mehr Fläche für Wohnraum und Gewerbe ist wahrlich keines, das einfach aufzulösen ist. Das wurde wieder einmal deutlich bei einer Diskussion zum aktuellen Sachstand beim Gewerbegebiet Schraienwiesen in Urbach. Die Meinungen zum weiteren Verfahren dazu gingen im Gemeinderat auseinander.

Schon 2011 erreichte die Anfrage, in dem Gebiet an der B 29

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