Urbach

Der Traum vom Tiny House: Warum es so schwer ist, einen Stellplatz für die Mini-Häuser zu finden

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So sieht es aus im Tiny House von Madeleine Krenzlin. © Privat
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Auch für eine Küche ist noch Platz. © Privat

Tiny Houses sind in Deutschland nach wie vor im Trend. Die Besitzer der winzigen Häuser wohnen in ihnen auf kleinstem Raum, dafür sind die Tiny Houses im Normalfall weitaus billiger als ein reguläres Haus und teilweise auch sehr einfach versetzbar. Für viele Menschen ist das eine attraktive Wohnalternative, nur an einer Sache hakt es oft: Einen Stellplatz zu finden ist gar nicht so einfach.

Das zeigt zum Beispiel eine gescheiterte Bauvoranfrage zum Neubau eines Kleinwohnhauses - damit ist ein Tiny House gemeint -, die der Technische Ausschuss der Gemeinde Urbach im Juni diskutierte. Das Tiny House sollte auf einem Grundstück im Banrain stehen, das wollten die Ausschussmitglieder aber nicht. Der Grund: Die Gemeinderäte und -rätinnen lehnten das Vorhaben ab, weil das Tiny House vom Bebauungsplan für die Gegend abweicht.

Tiny House als Zwischennutzung von brachliegenden Grundstücken

Die Pläne für das Tiny House unterschritten unter anderem die im Bebauungsplan gewünschte Anzahl der Vollgeschosse. Es hätte deutlich weniger Wohnraum geboten, als an dieser Stelle prinzipiell geschaffen werden könnte. Allerdings: Vorgesehen war, dass der Bauherr mit dem Grundstückseigentümer einen Erbbaurechtsvertrag abschließt. Nach dessen Fristablauf wäre das Gebäude wieder abtransportiert worden, und das Grundstück hätte anderweitig verwendet werden können.

Die Verwaltung hätte dem Vorhaben zugestimmt, unter der Bedingung, dass das Tiny House maximal zehn Jahre auf dem Grundstück verblieben wäre. Sie hatte dem Ausschuss vorgeschlagen, das Tiny House als Zwischennutzung des brachliegenden Grundstücks an dieser Stelle zu befürworten, auch wenn es vom Bebauungsplan abwich. Damit wollte sie einen Beitrag zur Minderung der Wohnungsnot leisten, da das Grundstück momentan ja ohnehin nicht benutzt wird.

Mehr Wohnraum gewünscht

Im Ausschuss scheiterte die Idee aber mehrheitlich, laut Bauamtsleiter Rolf Koch deshalb, weil die Mitglieder der Meinung waren, dass an der Stelle ja ein viel größeres Gebäude entstehen könnte. „Wir hätten es uns als Zwischennutzung vorstellen können, auch wenn es nicht ins städtebauliche Konzept passt“, erklärt Rolf Koch im Nachhinein die Meinung der Verwaltung. Wenn der Grundstückseigentümer zum Beispiel erst in 20 Jahren plane, selbst zu bauen, dann hätte das Tiny House ja eine sinnvolle Übergangslösung sein können.

Madeleine Krenzlin ist zwar nicht mit den Details des Urbacher Falls vertraut, hätte das aber sicher ebenso gesehen. Die gebürtige Winterbacherin wohnt selbst in einem Tiny House und hat das Unternehmen „Indiviva“ gegründet, das Menschen bei der Planung von Tiny Houses berät. Oft setzt sie allerdings auch an einer anderen Stelle an und berät Grundstücksbesitzer, die sich vorstellen könnten, ihr Grundstück für eine gewisse Zeit zu vermieten.

Zu wenige Baugrundstücke im Kreis

„Auf den Gedanken müssen die Leute erst einmal kommen“, so Krenzlin. „Das ist erst einmal komisch und neu, da beraten wir sehr viel.“ Damit will sie dazu beitragen, dass die Tiny-House-Interessenten auch einen Stellplatz für ihre Häuschen finden, denn: „Es ist schwierig, ein Baugrundstück für ein Tiny House zu finden. Das liegt aber erst einmal nicht am Tiny House, sondern daran, dass es im Umkreis Stuttgart und im Rems-Murr-Kreis so wenig Bauland gibt.“ Wenn es keine Grundstücke zu kaufen gebe, könnten momentan leerstehende ja für eine gewisse Zeit vermietet werden – so wie das bei dem Fall in Urbach vorgesehen war.

Grundsätzlich findet aber auch Madeleine Krenzlin ein Tiny House nicht überall sinnvoll. „Es gibt nicht genügend Baugrundstücke und damit nicht genügend Wohnungsbau im Rems-Murr-Kreis“, sagt die Tiny- House-Besitzerin. „Also muss ich als Stadt versuchen, auf den wenigen Plätzen, die es gibt, möglichst viele Menschen unterzubringen, und dann macht es keinen Sinn, in Ballungsräumen Tiny Häuser dauerhaft auf Baugrundstücke zu bauen.“

Temporäre Nutzung ist sinnvoll

In dicht besiedelten Gebieten sei es aber durchaus sinnvoll, die Tiny Houses temporär zu erlauben, wenn damit Wohnraum auf ansonsten unbenutzten Grundstücken entstehen kann. „Wenn die Enkel noch im Kindergarten sind, werden sie vermutlich in den nächsten 20 Jahren erst einmal nicht bauen.“ Auf dem Land sehe die Situation wieder anders aus, dort sei es auch einfacher, Baugrundstücke zu bekommen, auf denen die Tiny Houses unterkommen können.

Auch wissenswert: Es gibt verschiedene Arten von Tiny Houses. Manche von ihnen sind baugenehmigungsfähig, ihre Besitzer müssen sich nach einem normalen Baugrundstück umsehen. Andere Kleinhäuser sind nicht baugenehmigungsfähig und dürfen in Baden-Württemberg laut Krenzlin auf Campingplätzen oder in Wochenendhaussiedlungen abgestellt werden.

Warum im Mini-Haus wohnen?

Aber warum interessieren sich überhaupt so viele Menschen für die winzigen Häuschen? „Das ist sehr individuell“, sagt Madeleine Krenzlin über ihre Kundschaft. Die zwei Hauptgründe seien, dass die Menschen Eigentum haben und sich auf das Wesentliche beschränken wollen.

„Es sind oft Leute im Alter 50 plus, die noch acht bis zehn Jahre arbeiten und noch einmal etwas finanzieren können“, berichtet Madeleine Krenzlin. „Sie möchten im Alter schuldenfrei leben und keine Miete mehr zahlen.“ Mit einer kleinen Rente, so vermuten sie, würde ihnen später keine Bank mehr einen Kredit gewähren, also wollen sie in das Tiny House investieren, solange sie noch arbeiten und langfristig ihre monatlichen Kosten reduzieren.

„Dann gibt es wieder andere, denen der Umweltaspekt wichtig ist“, sagt Madeleine Krenzlin. Hier sei aber Vorsicht geboten: Nicht immer sei ein Tiny House die ökologischere Alternative. „Da muss man immer genau hinschauen“, so die Beraterin. „Es kommt immer auf die möglichen Alternativen an.“ Könnte ein Student sich zum Beispiel mit zwei anderen Personen eine 70-Quadratmeter-Wohnung teilen, dann wäre es natürlich nicht besser für die Umwelt, wenn sich jeder der drei stattdessen ein Tiny House bauen würde.

Tiny Houses sind in Deutschland nach wie vor im Trend. Die Besitzer der winzigen Häuser wohnen in ihnen auf kleinstem Raum, dafür sind die Tiny Houses im Normalfall weitaus billiger als ein reguläres Haus und teilweise auch sehr einfach versetzbar. Für viele Menschen ist das eine attraktive Wohnalternative, nur an einer Sache hakt es oft: Einen Stellplatz zu finden ist gar nicht so einfach.

Das zeigt zum Beispiel eine gescheiterte Bauvoranfrage zum Neubau eines Kleinwohnhauses - damit

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