Urbach

Ein wenig Show, viel Information

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Die Kandidaten auf dem Podium: Dieter Schienmann, Moderator Hans Pöschko, Martina Fehrlen sowie Thomas Hornauer. © ZVW/Habermann

Urbach. Drei von vier Kandidaten für das Bürgermeisteramt stellten sich am Mittwochabend in der Auerbachhalle den Fragen von Moderator Hans Pöschko und dem Publikum. Ein Kandidat fiel dabei, wie inzwischen gewohnt, zumindest zu Beginn aus der Rolle.

Vielleicht lag’s am schönen Wetter, vielleicht aber auch daran, dass sich bereits viele Bürger eine Meinung gebildet haben. Jedenfalls war das Interesse der Urbacher an der Kandidatenrunde etwas geringer, als letzte Woche bei der offiziellen Vorstellung der Gemeinde. Ein Großteil der Sitze war gegen 19 Uhr dennoch belegt. Die, die kamen, erlebten einen durchaus munteren Abend, die Band „Two voices, one love and friends“ spielte eine kleine Hommage an Urbach aus der Feder des Liedermachers Max Trierweiler. Der nahm’s, in der zweiten Reihe sitzend, dankend entgegen.

Die Kandidatenrunde selbst begann dann so turbulent, wie es bei vergangenen Wahlveranstaltungen des Zeitungsverlags bereits der Fall gewesen war. Fridi Miller hatte ihr Kommen zwar abgesagt, doch Thomas Hornauer kam – und nutzte das Podium zunächst, um Moderator und Redaktionsleiter Hans Pöschko in gewohnter Weise persönlich anzugehen und klarzustellen, dass er gar nicht als Kandidat da sei. „Ich mach' die Show heut', deswegen bin ich da.“ Die er dann auch lieferte – sofern er gerade nicht in sein Smartphone tippte.

Die Familienpolitikerin, der Rathauserfahrene und ein Talent

Ernsthaft diskutiert wurde an dem Abend natürlich auch – und das ausgiebig. Zunächst hatten die Kandidaten jedoch die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Dieter Schienmann verwies dabei vor allem auf seine langjährige Rathauserfahrung in Remshalden und seine tiefe Verwurzelung im Remstal. Sein Urbach der Zukunft bietet Wohnraum für alle und mehr Einkaufs- und Aufenthaltsmöglichkeiten.

Martina Fehrlen verwies auf ihre verwaltungswissenschaftliche Ausbildung, ihr noch recht junges Alter und den Wunsch, sich mit ihrer Familie dauerhaft in Urbach niederzulassen, das sie zur „familienfreundlichsten Gemeinde im Remstal“ machen will. Hornauer versuchte zu punkten mit Bürgernähe, seinen zahlreichen Talenten und seiner Unabhängigkeit, mit der er Zeitung und Gemeinderat gehörig die Stirn bieten werde. Als künftiger Bürgermeister werde er aber vor allem „das menschliche Miteinander in Bewegung bringen“.

Uneinigkeit bei der Streitfrage Waldhaus

Bei der Streitfrage Waldhaus, die ja am Sonntag auch zur Abstimmung steht, positionierten sich die drei Kandidaten recht unterschiedlich. Während Thomas Hornauer sich aus finanziellen Gründen dagegen aussprach, sagte Dieter Schienmann: „Ich würde mich sehr freuen, das Waldhaus mit Ihnen zu bauen.“ Martina Fehrlen hingegen will den Konflikt, in dem sie sich auf keine Seite stellt, vor allem moderieren, ist sich aber sicher: „Die Gartenschau wird ein Erfolg sein in Urbach – mit oder ohne das Waldhaus“.

Über dessen Zukunft wissen die Urbacher hoffentlich an diesem Sonntag Bescheid. Ob sie im ersten Wahlgang bereits einen neuen Rathauschef bekommen, das bleibt nach diesem Abend die weitaus spannendere, durchaus noch offene Frage.


Zitate

"Stellen Sie sich Urbach mal als voll beladenes Schiff bei rauer See vor, das bei voller Fahrt einen neuen Kapitän bekommt. Der hat keine Zeit, zuerst alle Hebel auszuprobieren, um zu sehen, was dann passiert.“ (Dieter Schienmann über die Herausforderungen des Schultes)

„Die Dorfgemeinschaft ist gespalten und ich sehe es als Aufgabe des neuen Bürgermeisters, hier die Meinungen und die Menschen vor Ort wieder zusammenzubringen. Deswegen ist es mir wichtig, dass ich jetzt nicht eine Meinung zum Waldhaus äußere und mich positioniere, denn ich möchte Sie nicht beeinflussen.“ (Martina Fehrlen über die Streitfrage Gartenschau-Waldhaus)

Ich bin vom Kopf her Preuße, vom Herzen Schwabe und von den Eiern Bayer. Da sind auch schon die Eigenschaften drin: Durchsetzungskraft, mit Herz und natürlich eine preußische Behördenintelligenz.“ (Thomas Hornauer über seine drei größten Tugenden)