Urbach

„Es gibt nur dich, deine Pfeile und das Board“

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Oliver Koch, Oliver Gütler, Michael Lindner und Jan Daiß (von links) stemmen ihren größten Pokal vor ihrer DC-Urbach-Flagge. © Edgar Layher
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Jan Daiß, Oliver Gütler und Oliver Koch (von rechts) nehmen Maß. © Edgar Layher
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Die Würfe waren nicht schlecht. © Edgar Layher

Urbach. Dass „Verrückte“ in Kneipen stumpf mit spitzen Pfeilen auf Dartscheiben werfen, konnte Jan Daiß nicht nachvollziehen. Davon ließ er lieber die Finger. Langweilig. Dachte er. Irgendwann warf auch er – und wirft immer noch; beim Dart-Club Urbach. Der Club feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Turnier am Samstag und Sonntag, zu dem Zuschauer eingeladen sind. Vorher wird noch fleißig trainiert.

Video: Der Dartclub Urbach 1991 e.V. feiert sein 25 jähriges Jubiläum, Oliver Koch erzählt uns was beim Dartspielen wichtig ist.

Vier Dartscheiben hängen im Trainingsraum im Mehlstüble. Pokale glänzen auf Regalen an der Wand. Ein stolzes „Dart Club“-Schild strahlt über den Scheiben. Im Vorraum hängt sogar die große DC Urbach-Flagge, die zu Auswärtsspielen mitgenommen wird. Nach und nach treffen die Spieler ein, geben sich die Hand, machen einen Spruch und lachen. Bier, Cola und Co. werden bestellt. Dass sich die Dart-Spieler die Hand geben, sei üblich, erklären die Urbacher. Jeder und jede hat ein Etui dabei, in dem die persönlichen Pfeile mit der Eisenspitze stecken. Ein Etui ist mit einem Schalke-Logo verziert. Manch einer trinkt erst mit einem Kumpel ein Bier. Andere legen direkt los und werfen Pfeil um Pfeil auf die Scheibe. Ziel ist nicht das Bullseye in der Mitte, sondern das Feld „Tripple 20“. Wer das trifft, macht mit einem Pfeil 60 Punkte.

Rechnen und zielsicher sein

Und wenn die DC-Spieler bei Turnieren und Spieltagen versuchen, in Duellen mit ihren Gegnern mit möglichst wenig Pfeilen von 501 Punkten auf exakt null zu kommen, sind 60 Punkte besser als 50. Heißt nach Adam Riese: Mit neun Pfeilen, das wäre ein perfektes Spiel, kann der Dartspieler, die Spielvariante 501 für sich entscheiden. Er wirft siebenmal die Tripple-20, macht 420 Punkte, trifft dann das Feld Tripple-19, macht 57, und schließt dann mit einer Doppel-Zwölf ab. 420 plus 57 plus 24 ergibt 501. Das bedeutet: Wer mit Pfeilen ambitioniert auf eine Scheibe wirft, muss rechnen können und in der Lage sein, jedes Feld auf der kleinen Scheibe treffen zu können. Oliver Koch zeigt, wie man richtig wirft.

Ein fester Stand, ein ruhiger Arm und eine sichere Hand

Wobei richtig hier relativ ist. Jeder hat seine eigene Technik. Wichtig ist aber ein fester Stand, bei dem ein Fuß vorne steht, ein ruhiger Arm, eine sichere Hand – und ein praktisch bestenfalls identischer Bewegungsablauf – wenn das denn so einfach wäre. Oliver Koch wirft drei Pfeile – und trifft dreimal die Tripple-20. Seine Vereinskameraden lachen, klopfen ihm auf die Schulter, machen Witze. Diese Szene zeigt, worum es den Urbachern bei ihrem Sport geht. Koch ist ein ambitionierter Sportler, der sich verbessern will. Und gleichzeitig geht es um Geselligkeit. Die Sportler treffen sich dienstags und donnerstags zum Training. Das kann auch mal bis in die späten Abendstunden dauern, entweder weil alle viel trainieren wollen, oder weil man sich gut unterhält. Da wundert es nicht, dass diese Sportart als Kneipensport erfunden wurde – und als solcher auch gepflegt wird. Die Kneipe ist in vielen Fällen das Stadion der Vereine. Reicht der Platz nicht aus, weichen sie in Hallen aus. Doch die Atmosphäre im Mehlstüble, wo sie trainieren, geht dann verloren. Urkunden, Fotos, Pokale und Geschenke zieren die Räume. Wer sich umblickt, wird somit dezent auf den größten Erfolg des Dart-Clubs hingewiesen: den Aufstieg in die Bundesliga Süd.

„Die Kunst ist, das bewusste Denken auszuschalten“

Daran hatte 1986 niemand gedacht. Seitdem trafen sich Hobby-Spieler um ein „Guinness-Board“ in der Kneipe „Zom Täle“. Im Sommer vor 30 Jahren fand dann das erste große Turnier im Schlosskeller und -garten statt. Knapp fünf Jahre später wurde der Dart-Club Urbach als eingetragener Verein gegründet. Was zeichnet einen guten Dartspieler aus? Talent und Training. Doch wenn alle gleich gut sind, entscheidet die Konzentration, sagt der DC-Vorsitzende Michael Lindner. Ein Trainingsweltmeister muss auch im Turnier punkten. „Die Kunst ist, das bewusste Denken auszuschalten“, sagt Oliver Koch. Man müsse sich den perfekten Wurf vorstellen – und dann liefern. „Es gibt nur dich, deine Pfeile und das Board“, sagt Oliver Gütler. Beim Turnier sollen einem Teamkameraden und natürlich auch Gegner in Ruhe lassen. Bevor sie ins Mehlstüble kamen, spielten sie im „Täle“. Ein Heimvorteil dort: Die Scheiben hingen mitunter neben der Toiletten-Tür. Wenn ein Gegner sich konzentrieren wollte, schwang auch mal die Tür auf und jemand kam vom Klo, erinnert sich Michael Lindner und lacht.

Es geht gesellig zu

Beim Training machen sie verschiedene Spiele, auch mal Wettkämpfe. Gesellig gehe es auch bei Turnieren zu. Doch feststeht: „Du willst immer gewinnen“, so Lindner. Nach den Spielen kann man mit dem Gegner ein Bier trinken. Vorher stehe der faire Wettkampf im Mittelpunkt. Doch die „schwarze Wand“, so wurden die Urbacher von ihrem Gegner mal getauft, als sie mit ihren schwarzen Shirts zuschauten, ist Motivation und Herausforderung zugleich.

Die Turniere an den Wochenenden kosten Zeit, doch Fußball würde mehr Freizeit kosten, meinen sie. Was die Urbacher, wobei viele auch aus der näheren und weiteren Umgebung kommen, mögen, ist, dass man im Grunde keine Ausreden hat. Es liegt an einem selbst, wenn es nicht läuft. „Alle haben die gleichen Voraussetzungen!“ Aber, wie rufen die Urbacher so schön: „You’ll never dart alone!“

Zwei Turniertage

Das 25-jährige Jubiläum wird gefeiert. Am Samstag, 29. Oktober, findet der zweite Blockspieltag der Baden-Württemberg-Liga statt. Am Sonntag folgt ein Ranglistenturnier. Beginn ist jeweils um 11 Uhr in der Auerbachhalle in Urbach, Seebrunnenweg 15. Es gibt Essen und Getränke. Interessierte sind eingeladen, vorbeizuschauen.