Urbach

Familie ist seit zwei Jahren auf Wohnungssuche - nun droht die Obdachlosigkeit

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Die Wohnungssuche gestaltet sich mitunter schwierig. Symbolfoto. © Andreas F. / Fotolia

„Es kann wirklich jeden treffen“, sagte die Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen kürzlich in einer Gemeinderatssitzung als es um den Neubau der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft im Neumühleweg ging. Das scheint der Fall von Familie Toma zu bestätigen. Mehmet Toma ist Busfahrer, seine Ehefrau Gülsün kümmert sich um die zwei Kinder, den fünf Jahre alten Sohn Aykan und das sechs Monate alte Baby Yigid. Bis zum 18. Dezember, also diesen Freitag, müssen sie wegen Eigenbedarf aus ihrer Mietwohnung ausziehen und haben keine Alternative gefunden - obwohl die Familie eigentlich ohnehin umziehen will und schon seit zwei Jahren auf Wohnungssuche ist.

Zusammen teilen sich die Tomas eine kleine Wohnung in der Gemeinde. Oder akkurater: Sie teilen sich eine zu kleine Wohnung, besonders, seitdem Baby Yigid die Familie vergrößert hat. „Wir schlafen mit den Kindern im gleichen Schlafzimmer“, erzählt Vater Mehmet, der sich so kaum erholen kann, wenn er nach Hause kommt. „Wenn das Kind schläft, schlafe ich.“ Oft schlafe das Kind aber eben nicht. „Ich will schon lange nicht mehr in dieser Wohnung wohnen“, sagt Mehmet Toma deshalb. Schon vor der Geburt des zweiten Kindes sah er sich deswegen Wohnungsannoncen an und kontaktierte potenzielle Vermieter. Vergeblich.

Warum will die Familie in Urbach bleiben?

„Es müssen nicht fünf oder sechs Zimmer sein“, sagt Mehmet Toma über seine Wunschvorstellungen für ein neues Zuhause. Drei Zimmer würden gehen, solange es zwei getrennte Schlafzimmer für die Kinder und das Ehepaar gibt und die Wohnung mit seinem Gehalt erschwinglich ist. Nur in Urbach müssten sie sein, eventuell wäre noch Plüderhausen möglich. Die Tomas sind in Urbach verankert und Gülsün Toma hat keinen Führerschein. „Ich kann nicht aushelfen, wenn ich Bus fahre“, sagt Mehmet Toma. Stattdessen springen die Familienmitglieder des Paares aus dem Ort ein; ein Grund, warum sie nicht weit wegziehen können. Dazu kommen Themen wie Kindergartenplätze und die Nähe zur Arbeit.

„Ich verstehe, dass die Corona-Zeit schwer ist“, sagt Mehmet Toma. „Aber ich muss eine Wohnung für meine Familie mieten.“ Denn eine Räumungsklage liegt schon vor und am Freitag muss die Familie Toma die Wohnung eigentlich auf jeden Fall verlassen. Wohin, das ist die große Frage. „Ich weiß nicht, was ich machen soll“, sagt Mehmet Toma. Wenn die Polizei am Freitag vor der Türe stehe, so seine Sorge, bekommen auch seine Kinder vielleicht Angst.

„Wir sind am Suchen“, sagt Achim Grockenberger vom Ordnungs- und Kulturamt der Gemeindeverwaltung, der für solche Fälle von drohender Obdachlosigkeit zuständig ist. Einen potenziellen Vermieter habe er vielleicht an der Angel, die Wohnung wäre aber erst ab Februar verfügbar. „Das würde uns schon weiterhelfen“, so Achim Grockenberger. Ob daraus etwas wird, kann er aber noch nicht sagen. „Die Tatsache ist, dass wir im Moment nichts Geeignetes für Familien haben“, bedauert er.

Was passiert ab Freitag mit der Familie?

Ein Zimmer in einer Obdachlosenunterkunft könne er der Familie nicht zumuten und an Familienwohnungen fehle es in der Gemeinde. Obwohl die Verwaltung immer wieder Anzeigen im Mitteilungsblatt inseriere und selbst als Mieter auftreten würde, so dass für die Vermieter die größtmögliche Sicherheit bestünde. „Wenn wir keine Wohnung finden, wird es darauf herauslaufen, dass ich die Wohnung, in der sie jetzt wohnen, beschlagnahme und sie wieder dorthin einweise“, sagt Achim Grockenberger. Da eine solche Beschlagnahmung aber eine sehr weitreichende Maßnahme gegenüber dem Besitzer der Wohnung sei, könne sie nur zeitlich beschränkt stattfinden, erst einmal für drei Monate und dann höchstens für drei weitere. „In dieser Zeit muss ich etwas finden“, sagt Achim Grockenberger. Bei einer Familie sei es auch problematisch, sie vorerst in einem Hotel oder einer Ferienwohnung unterzubringen, weil sie ja einen ganzen Hausrat mitbringe.

„Wenn es gutgeht, sollte eigentlich jede Kommune Wohnungen für solche Fälle in petto haben“, so Grockenberger. Die Verwaltung habe aber keine Reserven, unter anderem wegen der Brände der vergangenen Jahre. Wer eine Wohnung anbieten möchte, kann sich gerne unter der 0 71 81 / 80 07 36 oder grockenberger@urbach.de bei Achim Grockenberger melden.

„Es kann wirklich jeden treffen“, sagte die Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen kürzlich in einer Gemeinderatssitzung als es um den Neubau der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft im Neumühleweg ging. Das scheint der Fall von Familie Toma zu bestätigen. Mehmet Toma ist Busfahrer, seine Ehefrau Gülsün kümmert sich um die zwei Kinder, den fünf Jahre alten Sohn Aykan und das sechs Monate alte Baby Yigid. Bis zum 18. Dezember, also diesen Freitag, müssen sie wegen Eigenbedarf aus ihrer

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