Urbach

Fast ganz Urbach und Plüderhausen bekommen schnelles Internet

Glasfaserausbau
Mit der Glasfasertechnologie sind sehr schnelle Internetverbindungen möglich. © Benjamin Büttner

Auf dem Markt für schnelles Internet ist in diesem Jahr eine erfreuliche Dynamik entstanden: Immer mehr Anbieter buhlen auch um die ländlichen Gemeinden – und bieten diesen an, Glasfaser an möglichst viele Haushalte eigenwirtschaftlich und kostenlos für die Nutzer zu verlegen.

Davon profitieren nun auch Plüderhausen und Urbach. In den beiden Nachbargemeinden wird derselbe Anbieter noch in diesem Jahr mit der Umsetzung beginnen. Entsprechende Kooperationsvereinbarungen werden abgeschlossen oder sind bereits auf den Weg gebracht worden.

Wer will das Glasfasernetz ausbauen?

Im Urbacher Gemeinderat haben diese Woche gleich zwei Telekommunikationsunternehmen ihr Angebot vorgestellt. Die Deutsche Glasfaser, der Platzhirsch auf dem umkämpften Markt für schnelles Internet – und die deutlich unbekanntere GVG Glasfaser, die bislang vor allem in Norddeutschland tätig war, bundesweit aber zu den zehn aktivsten Anbietern von Breitbandanschlüssen gehört. Am Ende bekam in nichtöffentlicher Abstimmung die 200 Mitarbeiter zählende GVG den Zuschlag – und das einstimmig.

Für dasselbe Unternehmen hat sich im Frühjahr nichtöffentlich bereits der Plüderhäuser Gemeinderat entschieden. Öffentlich wurden diese Pläne erst in der Urbacher Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Dort präsentierte nämlich Alexander Kneesch, zuständig für den kommunalen Vertrieb des Unternehmens in Baden-Württemberg, seine Pläne für die beiden Nachbarkommunen.

Wer steckt eigentlich hinter der GVG?

Investor ist die Palladio Partners GmbH mit Sitz in Frankfurt. Dabei handelt es sich um einen Spezialisten für Sachwertanlagen, der Mitglied der Initiative deutsche Infrastruktur ist. Palladio Partners verwaltet etwa acht Milliarden Euro, die laut Kneesch unter anderem von der Evangelischen Kirche, Stiftungen, Verbänden oder Altersvorsorgeeinrichtungen stammen – und investiert dieses Geld in deutsche Direktbeteiligungen sowie in internationale Fonds. Palladio Partners ist unter anderem beteiligt an Railpool, das vor allem Bahnfahrzeuge vermietet. Mit der Palladio Kommunal GmbH werden zudem Kommunen und kommunale Unternehmen bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten unterstützt.

Wo war die GVG bisher tätig?

Im Südwesten ist die GVG erst dabei, sich eine Niederlassung aufzubauen. Geplant ist diese laut Alexander Kneesch in Marbach am Neckar. Von dort aus will die GVG sich den Südwesten erschließen – „wir wollen uns hier langfristig etablieren“, versprach Kneesch. In Schleswig-Holstein, wo der Anbieter seinen Sitz hat, ist die GVG mit rund 120 Projekten der Top-Vermarkter.

Aber für andere Regionen konnte Kneesch Referenzen nennen. Im Landkreis Diepoltz etwa habe man das größte zusammenhängende Breitbandprojekt Deutschlands realisiert. „Wir haben da viel gelernt“, dabei durchaus auch Lehrgeld gezahlt. Doch dass es unterm Strich gelungen sei, zeige sich daran, dass der Nachbarlandkreis Osnabrück inzwischen eine Kooperation mit der GVG abgeschlossen hat. Dabei gehe es um rund 70.000 Hausanschlüsse.

Was ist konkret geplant?

Nicht ganz so viele Anschlüsse wie in Norddeutschland werden es sein, wenn der Ausbau in Plüderhausen und Urbach beginnt. Kneesch sprach von gut 8000 Nutzungseinheiten. Da die Telekom in Plüderhausen bereits einen kleinen Streifen ausgebaut hat, fällt ein Teil des Gemeindegebiets von vorneherein aus der Rechnung hinaus.

Geplant ist, nahezu alle Haushalte mit einem kostenlosen Breitbandanschluss zu versorgen. Walkersbach und die Höfe sind davon ausgenommen, dasselbe gilt für die Höfe in Urbach. Über Förderprojekte könnten diese Bereiche aber möglicherweise auch noch abgedeckt werden, so Kneesch.

Verlegt werden sollen die Glasfaserleitungen in einer Tiefe von 60 Zentimeter. Wer sich in der Vermarktungsphase, die noch dieses Jahr beginnen soll, für einen Vertrag mit der GVG entscheidet, bekommt den Anschluss bis ins Haus gelegt. Alle anderen bekommen zumindest das Leerrohr bis ans Grundstück. Wenn ein Vertragsabschluss in einem Mehrfamilienhaus stattfindet, will die GVG einen Anschluss auch in jede Wohneinheit legen, so Kneesch. Auch Intranetlösungen zwischen kommunalen Gebäuden seien möglich.

Was kostet das schnelle Internet?

Im ersten Jahr zahlen Kunden bei der GVG den Aktionspreis von 29,90 Euro für einen Breitbandanschluss, inklusive Telefonie. Der Einstiegstarif für Geschäftskunden liegt bei 49,90 Euro. Danach je nach Leistung zwischen 49,90 und 99,90 Euro. Es gibt außerdem eine TV-Option, die zusätzlich gebucht werden kann. Die Mindestvertragslaufzeit liegt bei 24 Monaten.

Wie steht es um den Service bei der GVG?

Um den Vertrieb und den Service kümmert sich bei der GVG die 2 locate GmbH. Dort arbeiten 200 fest angestellte Mitarbeiter, das Call-Center hat seinen Sitz in Deutschland, „das beides macht uns einzigartig in der Branche“, so Kneesch. Und das hat laut der Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen dann auch mitentschieden bei der Wahl zwischen den beiden Anbietern. Der Service der Deutschen Glasfaser ist nämlich nicht gerade herausragend, wie ein Blick in die Bewertungen des Portals „Trust Pilot“ zeigt. Im Projektgebiet wird es außerdem Servicebüros geben, Techniker werden unterwegs als Ansprechpartner zur Verfügung stehen – und in der künftigen Niederlassung in Marbach die Bauplanung angesiedelt sein.

Was sagen die beiden Bürgermeister?

Benjamin Treiber, Schultes von Plüderhausen, sagt: „Wir sind froh um jedes Haus, das angeschlossen wird, und freuen uns, dass es ein Unternehmen gibt, das den überwiegenden Teil des Gemeindegebiets versorgen wird." Außerdem sei es ein „schönes Zeichen für die interkommunale Zusammenarbeit“, dass Urbach nun mit im Boot sei.

Das sieht auch Martina Fehrlen, Bürgermeisterin im Nachbarort, so. Und sie lobt die GVG für den „sehr partnerschaftlichen Umgang“ bereits in der Angebotsphase: „Auf unsere Wünsche wurde eingegangen, da gab es kein Schema F.“ Insgesamt habe der Anbieter auch einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Bis wann wird die Glasfaser verlegt?

Die Vorvermarktung soll laut Alexander Kneesch noch in diesem Jahr beginnen. Der Baustart ist im zweiten oder dritten Quartal 2023 geplant. Die Gesamtfertigstellung des Projekts ist dann für das dritte Quartal des Jahres 2024 vorgesehen.

Auf dem Markt für schnelles Internet ist in diesem Jahr eine erfreuliche Dynamik entstanden: Immer mehr Anbieter buhlen auch um die ländlichen Gemeinden – und bieten diesen an, Glasfaser an möglichst viele Haushalte eigenwirtschaftlich und kostenlos für die Nutzer zu verlegen.

Davon profitieren nun auch Plüderhausen und Urbach. In den beiden Nachbargemeinden wird derselbe Anbieter noch in diesem Jahr mit der Umsetzung beginnen. Entsprechende Kooperationsvereinbarungen werden

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