Urbach

Hartnäckige Leerstände: Warum es in Urbach wenig Interesse an ungenutzten Läden gibt

Leerstände Urbach
In Urbach finden sich einige leerstehende Läden, besonders in der Haubersbronner Straße. © Gabriel Habermann

Ein paar Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Urbach-Nord durchaus und auch die größeren Läden in der Urbacher Mitte sorgen dafür, dass die Bevölkerung sich gut mit Waren für den täglichen Bedarf eindecken kann. Dennoch: Früher sah’s anders aus in dem Gebiet. Daran erinnern unter anderem zugeklebte Schaufenster in der Haubersbronner Straße. Dass in den leerstehenden Läden bald wieder Waren verkauft werden, hält Bürgermeisterin Martina Fehrlen für unwahrscheinlich.

„Gewerbetreibende brauchen heute viel mehr Platz“, sagt sie, angesprochen auf die Leerstände. Sie könne sich zum Beispiel kaum vorstellen, dass sich in den Räumlichkeiten, in denen aktuell die Kik-Filiale beim Rathaus untergebracht ist, früher ein Rewe-Markt befand. „Diese ganz kleinen Ladenlokale lassen sich eigentlich gar nicht mehr an Gewerbetreibende vermieten.“

Schaufenster schöner gestalten

In größeren Städten sei dann öfters zu sehen, dass in solche Räumlichkeiten die Kreativbranche einziehe oder Freiberufler, das sei in Urbach aber bislang nicht erfolgt. „Ich würde mir wünschen, dass wir mit den Eigentümern zusammen eine Lösung finden, damit es nicht mehr so trist aussieht“, sagt Martina Fehrlen. Zum Beispiel indem die Besitzer schöne Bilder von Urbach in die Schaufenster hingen, die zurzeit einfach zugeklebt sind. „Ich denke, es ist nicht davon auszugehen, dass sich hier wieder Kleingewerbe ansiedelt.“

Die Gemeindeverwaltung habe bei dem Thema keine direkten Einflussmöglichkeiten, da sich die Läden in Privatbesitz befinden. Wenn die Eigentümer wieder vermieten wollen, so die Bürgermeisterin, müssten sie wohl investieren. Teilweise stünden die Räumlichkeiten aber auch gar nicht leer, sie wisse zum Beispiel von einem ehemaligen Laden, in dem jetzt ein Lager eingerichtet sei. „Dadurch haben die Vermieter einen verlässlichen Mieter, aber von außen sieht das halt nicht so schön aus“, findet Martina Fehrlen.

Parkplätze fehlen

Sie sieht aber die Schwierigkeiten bei der Vermietung der Flächen. Es sei nicht nur so, dass Gewerbetreibende zumeist größere Räume suchten, sondern auch wichtig, dass genügend Parkplätze vorhanden seien. „Wenn die Leute heutzutage einkaufen gehen, dann möchten sie einen Parkplatz sehr nah neben dem Geschäft haben“, meint die Verwaltungschefin. „Das lässt sich entlang der Haubersbronner Straße nicht realisieren.“

Sie wisse, das besonders betagte Urbacherinnen und Urbacher sich gerne auch einmal nostalgisch an die Zeit zurückerinnern, als es in Urbach-Nord noch ein größeres Ladenangebot gab. „Aber ich denke, diese Zeit ist vorbei und wird auch nicht mehr kommen“, so Fehrlen. „Wir können froh sein, dass wir mit Halis Lädle, einem Bäcker, einem Metzger und einer Post für Urbach-Nord tolle Einkaufsmöglichkeiten haben.“

Unschöner Ortseingang

Weniger schön findet sie teilweise das Ortsbild. „Wenn man von Haubersbronn nach Urbach reinfährt bis zur Beckengasse, sind da einige Häuser dabei, die schäbig aussehen“, sagt sie. „Das ist kein schöner Ortseingang von Urbach und das bedauere ich sehr.“

In die Jahre gekommene Häuser und Leerstände, in die so schnell wahrscheinlich keine Läden mehr einziehen – sollte da nicht etwas getan werden? Erste Schritte in diese Richtung geht die Gemeinde mit dem Antrag für ein neues Sanierungsgebiet. Das beschloss kürzlich der Gemeinderat. Die Gemeinde versuchte schon mit den Sanierungsgebieten I bis IV, ihre gemeindliche Entwicklung mit Hilfe der Städtebauförderung voranzutreiben. Das „Sanierungsgebiet V“ könnte nun Chancen für Urbach-Nord bieten.

Neues Sanierungsgebiet 

Bei dem Antragsverfahren hierfür wird die Gemeinde durch „die STEG“ begleitet, eine Stadtentwicklungsgesellschaft, die auch schon die ersten vier Sanierungsgebiete betreut hatte. „Der ganze historische Bereich von Urbach-Nord liegt im Untersuchungsbereich“, sagte eine Vertreterin des Unternehmens im Gemeinderat. Sie bescheinigte dem Gebiet eine „eher kleinteilige Struktur mit dörflicher Prägung“. Vorrangig sei es als Mischfläche ausgewiesen, Einfluss nähmen die zahlreichen Läden und Lagergebäude. Es herrsche eine kleinteilige Struktur, Handwerk wechsele sich mit Wohnen und Gastronomie ab. Die Wohnnutzung herrsche vor, es gebe aber auch noch Einrichtungen des täglichen Bedarfs. Das sei zwar positiv, „aber andererseits gibt es auch sehr viel Leerstand“, so auch die Expertin. Besonders in der Haubersbronner Straße würden viele Läden und Scheunengebäude überhaupt nicht oder nur als Abstellfläche genutzt.

Durch seine Kleinteiligkeit habe das Gebiet dennoch einen sehr hohen Charme und es gebe einige schöne Ecken – aber eben auch viele Missstände, die im Rahmen des neuen Sanierungsgebietes angegangen werden sollten. Die leerstehenden Gebäude böten Potenzial für Umnutzung und auch Nachverdichtung sei in dem Gebiet möglich. Als Ziele für das Sanierungsgebiet nannte sie unter anderem eine Modernisierung, Instandsetzung und Verbesserung der Wohnqualität, die Erhaltung des historischen Ortsgrundrisses, die Anpassung der Infrastruktur an die Bedürfnisse der Gemeinde sowie die Schaffung eines durchgängigen Fuß- und Radweges.

Förderung bis zu 100 Prozent

Ist der Antrag der Gemeinde erfolgreich, dann könnten nicht nur gemeindliche Maßnahmen mit bis zu 60 Prozent gefördert werden - in dem anvisierten Gebiet steht zum Beispiel die Umgestaltung des Schlossareals an -, sondern auch Privatmaßnahmen mit bis zu 100 Prozent (davon 60 Prozent Zuschuss vom Land und 40 Prozent Eigenanteil der Gemeinde) bezuschusst werden.

Ottmar Köhler, Leiter der Urbacher Finanzverwaltung, nennt auf Nachfrage als Beispiel für mögliche Projekte, die Bürgerinnen und Bürger in diesem Rahmen beantragen könnten, eine energetische Sanierung ihrer Häuser. Bezuschusst werden könnten so etwa eine umweltfreundliche Wärme- beziehungsweise Dachdämmung. „Was nicht gefördert wird, sind reine Unterhaltungsmaßnahmen“, gibt er Auskunft. Im Rahmen der Sanierungssatzung würden aber voraussichtlich noch genauere Kriterien festgelegt.

Anträge könnten ab 2023 gestellt werden - sollte das Programm zustande kommen

Über den Antrag der Gemeinde für das neue Sanierungsprogramm wird voraussichtlich im nächsten Frühjahr entschieden. Ist der Bescheid positiv, folgen im nächsten Schritt weitere vorbereitende Untersuchungen, mit dem Ziel, die Sanierungssatzung förmlich zu beschließen. Die Realisierung könnte dann ab 2023 erfolgen. Das heißt, Urbacher Bürgerinnen und Bürger, deren Gebäude in dem dann final beschlossenen Gebiet liegen, könnten voraussichtlich ab diesem Zeitpunkt Förderanträge stellen. Wäre der Antrag der Gemeinde nicht erfolgreich - was möglich ist, da es viele Bewerber für das Programm gibt - so könnte Urbach sich im nächsten Jahr erneut bewerben.

Die Gemeinderäte und -rätinnen sahen das neue Sanierungsgebiet mehrheitlich positiv. Sorgen äußerten sie hauptsächlich dazu, dass die Bürgerschaft es vielleicht nicht annehmen könnte - „eine Öffentlichkeitsbeteiligung ist direkt in der ersten Phase vorgesehen“, sagte Martina Fehrlen darauf - und zur finanziellen Belastung der Gemeinde, die allerdings durch die mögliche Förderung der gemeindeeigenen Projekte auch profitiert.

Letztlich beschloss das Gremium die Antragstellung für das neue Sanierungsgebiet mit nur einer Gegenstimme von Manfred Wrobel-Adelhelm (Bürgerliste Urbach), der das Programm als zu große finanzielle Belastung empfand.

Ein paar Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Urbach-Nord durchaus und auch die größeren Läden in der Urbacher Mitte sorgen dafür, dass die Bevölkerung sich gut mit Waren für den täglichen Bedarf eindecken kann. Dennoch: Früher sah’s anders aus in dem Gebiet. Daran erinnern unter anderem zugeklebte Schaufenster in der Haubersbronner Straße. Dass in den leerstehenden Läden bald wieder Waren verkauft werden, hält Bürgermeisterin Martina Fehrlen für unwahrscheinlich.

„Gewerbetreibende

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