Urbach

Herr Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle erteilt Urbacher Schülern Lektionen in Schwäbisch

zieh und zupfkappelle
Selle, Flex, Manne und Benny unterhalten Jungen und Mädchen der Wittumschule. © MARKUS METZGER

„Do liegt a bäbbichs Bombo auf ma blaua Bombobabierle auf ma Babbadeggl auf am Boda“, sagt Manne, Posaunist von Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle, auf dem kleinen Pausenhof der Wittumschule. Und sichtlich amüsierte Drittklässler sollen diesen Satz jetzt gemeinsam mit dem Musiker wiederholen.

Was nicht allen auf Anhieb gelingt. Kein Wunder, handelt es sich zum einen doch um einen echten Zungenbrecher. Zum anderen wird der Dialekt in dieser Breite in den meisten Familien auch überhaupt nicht mehr gesprochen. Schwäbische Analphabeten sind die Urbacher Schüler aber keineswegs, wissen sie in dieser alles andere als gewöhnlichen Schulstunde doch meist eine Antwort auf die Fragen von Benny, Manne, Flex und Selle.

"Kunst trotz Abstand" lautet das Motto

Die drei Musiker sind am Montagvormittag nach Urbach gekommen, um den Schülern eine heiter-musikalische Lektion im Schwäbisch-Sprechen zu erteilen. Und den Mädchen und Jungen gefällt’s. Gleich beim ersten Lied, in dem es darum geht, was die Band so alles tun muss, bevor sie die Arbeit antritt („Zammapacka, Bussle lada, Tschüssle saga, Tür zuschlaga“), hält es einen Jungen in der hintersten Reihe nicht mehr auf dem Stuhl. Er steht auf und wippt im Takt zur Blasmusik von Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle. Im Anschluss ertönen dann erste Rufe nach einer Zugabe.

Das Quartett zieht mit Tuba und Posaune, Waschbrett und Handharmonika gerade durch die schwäbischen Lande, um im Rahmen eines Förderprogramms des Landes die Lust am Dialekt zu vermitteln. „Kunst trotz Abstand“ heißt es und macht an diesem Tag im Remstal Station.

Mit dem Besuch sollen Kultur und Dialekt an der Schule gefördert werden

An insgesamt 15 Schulen tritt die Mundartgruppe gerade auf, berichtet Roland Schimmel, der für die seit 1991 bestehende Band als Manager tätig ist. „Das war eigentlich schon letztes Jahr geplant fürs Frühjahr“, sagt Schimmel. Bekanntermaßen waren dann kulturelle Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie lange Zeit aber nicht möglich – und die Schulen ohnehin monatelang geschlossen.

„Jetzt darf Kultur wieder stattfinden – und dann sollte es auch stattfinden“, findet Schulleiter Matthias Rieger, der nicht nur breites Schwäbisch sprechen kann, sondern auch selbst in einer Band singt und dem daher solche Projekte naturgemäß am Herzen liegen. Auf die Idee gebracht hat ihn aber Tobias Deißler, Lehrer an der Wittumschule, der den Manager der Band kennt – und als er von dem Kultur-Projekt hörte, sich dafür starkmachte, die Band nach Urbach zu holen. Die Kosten für den Auftritt haben dann der Förderverein und die Bürgerstiftung übernommen.

Ganz unvorbereitet wurden die Schüler natürlich nicht in diese Unterrichtseinheit geschickt. „Schwäbisch ist gerade auch Teil des Unterrichts“, sagt Deißler. Zudem seien gerade Projekttage an der Wittumschule.

Der Auftritt sorgt bei den Schülern immer wieder für Lacher

In einem Wechsel aus Erzählungen, Fragen und Musikstücken bekommen die Mädchen und Jungen dann einen unterhaltsamen Einblick in ein Schwäbisch, das sich für einige ungewohnt anhört und während der knappen Dreiviertelstunde immer wieder für Lacher sorgt.

Was Breschdlingsgsälz ist, das zählt dabei noch zu den leichteren Lektionen. Was sich allerdings hinter folgendem Satz verbirgt, das sorgt zunächst für ratlose Blicke: "Schellet se net an sellra Schell, sella Schell schellt net. Schellat se an sellra Schell, sella Schell schellt.“ Sella, bekommen die Kinder erklärt, habe man früher benutzt für „diese oder jene“ – und bei der Schell handle es sich um eine Klingel.

Was unseren Dialekt so weich macht

Das Schwäbische, erklärt Posaunist Manne, sei ja gemeinhin ein sehr weicher Dialekt. Warum das so ist, erklärt er an anhand zweier Konsonanten recht anschaulich: dem T, aus dem der Schwabe ein D formt, so dass aus dem Teppich ein Deppich wird, der aber auch eine Decke sein kann. Oder dem P, aus dem ein weiches B wird, weshalb aus dem Popo ein Bobo wird, im Falle von Kindern auch ein Bobbes, was bei den Schülern für Erheiterung sorgt. Erheiternd ist auch die A-cappella-Interpretation von „The Lion sleeps tonight“, bei der aus dem charakteristischen A-Wimoweh ein „Mei Bemberle tut weh“ wird.

Und damit von diesem Vormittag schließlich ein wenig mehr hängenbleibt als die Erinnerung an eine witzige Unterrichtseinheit bei brütender Hitze auf dem Pausenhof, gibt es für alle Schüler am Ende noch ein kleines Heft: „Schwäbisch schwätza mit Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle“. Neben ein paar Liedtexten (mit QR-Codes zum Nachhören) gibt es darin unter anderem ein kleines schwäbisches Alphabet, ein Kreuzworträtsel sowie eine Deutschlandkarte mit den Dialektgruppen.

Vielleicht strecken ja beim nächsten Besuch des Quartetts bei der Frage, wer denn eigentlich zu Hause noch Schwäbisch schwätzt, ein paar mehr Schüler als das knappe Dutzend an diesem Montagvormittag. Wenn die Kapelle daran einen gewissen Anteil haben sollte, würde das jedenfalls nicht verwundern.

„Do liegt a bäbbichs Bombo auf ma blaua Bombobabierle auf ma Babbadeggl auf am Boda“, sagt Manne, Posaunist von Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle, auf dem kleinen Pausenhof der Wittumschule. Und sichtlich amüsierte Drittklässler sollen diesen Satz jetzt gemeinsam mit dem Musiker wiederholen.

Was nicht allen auf Anhieb gelingt. Kein Wunder, handelt es sich zum einen doch um einen echten Zungenbrecher. Zum anderen wird der Dialekt in dieser Breite in den meisten Familien auch

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