Urbach

Hohe Spritkosten: Bald nur noch Fahrten zum Arzt mit dem Urbacher Bürgermobil?

Bürgerbus Diesel
Hans-Peter Kaiser mit dem Bürgermobil: Die steigenden Spritpreise verursachen auch im Ehrenamt Probleme. © Gabriel Habermann

Die Preise für Benzin und Diesel klettern seit Wochen immer weiter in bislang unmöglich geglaubte Höhen, die Verbraucher spüren die Preiserhöhungen schmerzlich im Geldbeutel. Weniger fahren ist dabei nicht für alle eine Lösung, schließlich gibt es auch Fahrten, die unerlässlich sind, besonders in Gebieten mit einer schlechten Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Zum Beispiel zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen.

Auch die Fahrten des Urbacher Bürgermobils sind größtenteils unerlässlich. „Ich habe mich gestern von einem drohenden Herzinfarkt erholt, weil ich tanken war mit dem Fahrzeug“, scherzt Hans-Peter Kaiser vom Förderverein „Urbacher Kranken- und Altenversorgung“, der das Bürgermobil betreibt. „Ja, das ist kritisch“, antwortet er ernster auf die Frage, ob die hohen Spritpreise dem Bürgerservice zu schaffen machen. Der Verein finanziere bislang die Betriebskosten, vorrangig also das Tanken und Waschen des Bürgermobils, aus Spenden.

Weniger Fahrgäste durch Pandemie, Spritpreise sind aber trotzdem zu hoch

„Da gibt es natürlich eine gegenläufige Bewegung dahingehend, dass die Pandemie-Auswirkungen immer noch zu spüren sind“, sagt Hans-Peter Kaiser, der auch dem Seniorenrat der Gemeinde vorsteht. „Das heißt, die Anzahl der Fahrgäste ist spürbar zurückgegangen.“ Inzwischen nähmen die Fahrten zwar schon wieder etwas zu. Dadurch, dass es aber insgesamt trotzdem noch weniger seien als vor der Pandemie, würden erst einmal weniger Spendengelder benötigt, um das Bürgermobil zu finanzieren. „Dazu haben wir ein Fahrzeug, das nicht übermäßig Benzin verbraucht“, so Kaiser. Trotzdem: Die gestiegenen Spritkosten machten sich bemerkbar. „Ich hoffe, wir kommen hin“, sagt Hans-Peter Kaiser deshalb. Ansonsten müsse auf die Rücklagen des Vereins zurückgegriffen werden.

Theoretisch wäre das möglich. „Wir haben so vorsichtig geplant, dass wir das abfangen können“, sagt Hans-Peter Kaiser. „Aber auf Dauer wäre das natürlich kein Zustand.“ Wären die Spritpreise also über längere Zeit hinweg sehr teuer, müssten weitere Maßnahmen ergriffen werden. „Dann müssten wir verschärfen, wer gefahren wird und wer nicht.“ In diesem Falle würde das Bürgermobil laut Kaiser nur noch Fahrten im medizinischen Bereich übernehmen für Menschen, die mobilitätseingeschränkt sind und keine andere Möglichkeit haben, ihre Termine wahrzunehmen. Fahrten ins Sanitätshaus oder zum Friseur müssten dann laut Kaiser wegfallen.

Fahrgäste sind auf den Service angewiesen

Die meisten Fahrgäste des Bürgermobils sind laut Kaiser aber ohnehin schon darauf angewiesen. Wenn ältere Menschen vier- oder sechsmal im Monat zur Physiotherapie müssten und keine üppige Rente haben, dann mache sich das schon deutlich im Geldbeutel bemerkbar. Der öffentliche Nahverkehr sei in diesem Falle oft keine Alternative. „Das ist eine Alternative für Menschen, die sonst mit dem Auto ins Geschäft fahren und mobil sind“, findet Hans-Peter Kaiser. Den Nutzern des Bürgermobils sei eine Fahrt durch Urbach im Bus oft nicht mehr zuzumuten. „Die Alternative für diese Menschen wäre es, nicht mehr zum Arzt zu gehen“, so Kaiser. Das ist natürlich nicht wünschenswert.

Auch in anderen sozialen Bereichen verursachen die hohen Spritpreise Probleme. So zum Beispiel beim DRK Urbach. „Der Verein muss seine Betriebskosten selber erwirtschaften“, sagt Peter Fink, Bereitschaftsleiter des Urbacher DRK-Ortsvereins. „Es kommt immer auf die Notwendigkeit an, wie viel man fahren muss.“ Muss mehr gefahren werden, muss also auch mehr erwirtschaftet werden. Michael Linde, stellvertretender Bereitschaftsleiter für den DRK-Ortsverein Alfdorf und den Ortsverein Welzheim, hatte vor wenigen Tagen gegenüber unserer Zeitung auf einen weiteren Aspekt aufmerksam gemacht: Die „Helfer vor Ort“, also Menschen, die parallel zum Rettungsdienst alarmiert werden, um sofort mit den notwendigen Maßnahmen zu beginnen, engagieren sich komplett ehrenamtlich und bekommen das Benzin für ihre Anfahrt nicht ersetzt, wenn sie aus Zeitgründen ein Privatfahrzeug verwenden. Die hohen Benzinpreise treffen also auch die Ortsvereine und ihre Ehrenamtler.

Die Preise für Benzin und Diesel klettern seit Wochen immer weiter in bislang unmöglich geglaubte Höhen, die Verbraucher spüren die Preiserhöhungen schmerzlich im Geldbeutel. Weniger fahren ist dabei nicht für alle eine Lösung, schließlich gibt es auch Fahrten, die unerlässlich sind, besonders in Gebieten mit einer schlechten Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Zum Beispiel zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen.

Auch die Fahrten des Urbacher Bürgermobils sind größtenteils

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