Urbach

Hoher Zeitdruck beim Pflegeheim-Neubau in Urbach: Als Standort kommt nur der Schlosspark infrage

Alexanderstift Urbach
Die Zeit des Gemeindepfleghauses in Urbach, das vom Alexander-Stift betrieben wird, ist bald abgelaufen. © Benjamin Büttner

Der Urbacher Schlosspark ist ein echtes Kleinod. Die kleine, grüne Oase ist leicht zu übersehen, wenn man nicht weiß, dass sie zwischen Wohnhäusern, Gemeindepfleghaus und eben dem Schloss liegt: Mächtige, alte Kastanien stehen dort mitten im Quartier, ein Spielplatz, einige Obstbäume. Jetzt rückt jedoch eine große Veränderung näher: In nicht viel mehr als drei Jahren soll im Schlosspark ein neues Pflegeheim stehen. Es muss schnell gehen: Durch die neue Heimbauverordnung des Landes droht nämlich schon 2023 die Schließung der bisherigen Pflegeeinrichtung des Alexander-Stifts im Gemeindepfleghaus mit ihren 43 Plätzen.

Warum ist der Neubau des Pflegeheims nötig?

Die Heimbauverordnung trifft das vom Alexander-Stift betriebene Urbacher Heim wie alle anderen Pflegeeinrichtungen, weil sie unter anderem nur noch Einzelzimmer zulässt und die Schaffung kleiner Wohngruppen mit eigenen Aufenthaltsräumen erfordert. Das Heim im sogenannten Gemeindepfleghaus in der Urbacher Schlossstraße bietet das alles nicht. Jahrelang wurde das Thema in Urbach – aber nicht nur dort - nicht entscheidend angepackt. Was an der komplexen Organisation des Hauses lag, aber auch in der Hoffnung begründet war, die Heimbauverordnung könnte doch noch Ausnahmen für Sonderfälle zulassen.

Verzwickter als in Urbach kann die Situation allerdings auch kaum sein. Ein Umbau des Gemeindepfleghauses ist aus mehreren Gründen praktisch unmöglich oder nicht ausreichend. Ein Grund ist, dass es in der Kapazität deutlich schrumpfen würde, wodurch im Ort Pflegeplätze fehlen würden. Das Hauptproblem ist aber die unglaublich komplizierte Eigentümerstruktur. Es gibt mehr Eigentümer als Zimmer, und im ersten Stock leben Menschen im betreuten Wohnen, das mit dem Pflegeheim gar nichts zu tun hat.

Für einen Umbau, so erklärt Bürgermeisterin Martina Fehrlen, müssten alle Eigentümer ausnahmslos zustimmen. Das sei nicht möglich. „Das ist ein gordischer Knoten, der sich nicht lösen lässt.“ Deswegen ist schon eine Weile klar, dass ein Neubau hermuss.

Für Bürgermeisterin Martina Fehrlen geht es um Grundsätzliches, und das ist auch die Haltung der Gemeinderäte: „Wir wollen, dass unsere Senioren aus Urbach auch in Urbach wohnen bleiben können und nicht irgendwo untergebracht werden.“ Für Pflegeplätze zu sorgen sei nicht Pflichtaufgabe einer Kommune, aber es sei eine „sehr wichtige“. Man sei mit dem Neubau im Schlosspark auch nicht am Ende der Anstrengungen. Insbesondere im Bereich Tagespflege werde die Gemeinde bald gefordert sein, Weichen zu stellen, damit diese in Urbach ausgebaut werden könne.

Warum soll der Neubau im Schlosspark stehen?

Mehrere Standorte kamen für ein neues Pflegeheim infrage, letztendlich blieb nur der Schlosspark. Doch sie kommen aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Im Gebiet „Hofäcker“ am westlichen Ortsrand zum Beispiel ist ein Bau aus Sicht der Gemeindeverwaltung auf die Schnelle nicht möglich, ein langwieriges Umlegungsverfahren der Grundstücke wäre nötig. Eine andere freie Fläche soll als Erweiterungsfläche für die Zukunft der Wittumschule frei gehalten werden. Und einen Vorschlag der Verwaltung in der Urbacher Mitte hat der Gemeinderat abgelehnt.


Der Schlosspark ist aus Sicht von Bürgermeisterin Martina Fehrlen aber ohnehin ein guter Standort: Hier konzentrieren sich mehrere Alten-Wohneinrichtungen auf engem Raum, hier gibt es im Schloss Angebote für Senioren wie die Holzwerkstatt oder die Begegnungsstätte.

Doch auch der Schlosspark ist als Standort nicht unproblematisch. Denn ein Neubau in dieser grünen Oase ist eben auch ein Eingriff in diese. Damit dieser möglichst klein bleibt, gibt es kaum Varianten, wie das Gebäude dort überhaupt sinnvoll platziert werden kann. Konsens zwischen Verwaltung und auch den Gemeinderäten ist: So wenig Bäume wie möglich sollen fallen, auf keinen Fall die beiden mehr als 100 Jahre alten Kastanien. Der Spielplatz soll auf jeden Fall auch bleiben.

Was hat der Gemeinderat nun entschieden?

Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung in der vergangenen Woche noch keine endgültige Entscheidung zum Pflegeheim-Neubau getroffen. Eine von den meisten Räten und auch der Verwaltung favorisierte Variante ist aus einem wichtigen Grund eigentlich nicht realisierbar: Dafür würde eine Fläche benötigt, die Teil eines privaten Gartens ist. Doch die Eigentümerin will laut Bürgermeisterin Martina Fehrlen nicht verkaufen. Die Gemeinde will nun noch einmal versuchen, mit der Eigentümerin zu verhandeln.

Auf Vorschlag der CDU-Fraktion, der laut dem Fraktionsvorsitzenden Detlef Holzwarth auch unter Beteiligung der Freien Wähler entstanden ist, wird der von der Gemeinde beauftragte Stadtplaner noch versuchen, eine Standortvariante für das Heim so abzuwandeln, dass der Erwerb von privater Grundstücksfläche unnötig werden könnte. Außerdem soll der Planer eine weitere Variante weiterentwickeln. Für diese müsste aber ein Nachbargebäude abgerissen werden.

In der kommenden Gemeinderatssitzung am 27. Juli sollen die weiterentwickelten Entwürfe vorgestellt und ein Beschluss gefasst werden, mit welchem die Planung weitergehen soll.

Warum hat die Gemeinde nur drei Jahre Zeit für den Neubau?

Einige Gemeinderäte wehrten sich in der vergangenen Sitzung des Gremiums sehr energisch gegen den zeitlichen Druck, den sie aufgebaut sehen. Ursula Jud (Freie Wähler) sagte: „Ich möchte nicht das Horrorszenario. Ich möchte nicht den Druck im Nacken spüren.“ Man signalisiere doch durch den Prozess, in dem man sich befinde, dem Gesetzgeber, dass man willig sei.

2023, das ist die Frist, die das Urbacher Heim – wie das Heim des Alexander-Stifts in Rudersberg – bekommen hat. Eigentlich greift die neue Heimbauverordnung bereits seit 2019. Urbach und Rudersberg haben lediglich einen Aufschub bekommen. Die Urbacher Bürgermeisterin Martina Fehrlen sagte gegenüber unserer Zeitung: Sie rechne nicht damit, dass das Land das bestehende Heim einfach rigoros dichtmache, sollte der Neubau bis 2023 nicht ganz fertig sein. „Aber ich will darauf nicht spekulieren.“ Man müsse bis dahin auf jeden Fall deutlich über die Diskussion im Gemeinderat hinausgekommen sein.

Warum kümmert sich Urbach überhaupt so spät um das Problem? Martina Fehrlen reklamiert für sich, dass sie, seit sie 2018 ins Amt gekommen sei, als Bürgermeisterin das Thema vorangetrieben habe. Sie könne nachvollziehen, dass sich zuvor viele an die Hoffnung geklammert hätten, es könnte noch ein Einlenken der Politik und Ausnahmen in der Heimbauverordnung geben. Sie kritisiert jedoch: „Es wurde versäumt, einen Plan B zu entwickeln.“

Ist der Neubau innerhalb von drei Jahren überhaupt zu schaffen?

„Selbst wenn alle Räder gut geölt ineinandergreifen, ist es sportlich“, sagt Martina Fehrlen. Wenn eine endgültige Standort- und Variantenentscheidung getroffen ist, muss die Gemeinde den Bebauungsplan ändern, inklusive Anhörung der Anwohner, Behörden und Naturschutzverbände.

Bauen soll das Haus dann ein Investor. Als Betreiber bietet sich das Alexander-Stift weiter an. „Das Alexander-Stift hat großes Interesse, das neue Heim weiterzubetreiben“, sagt Steffen Wilhelm, Pressesprecher von Diakonie Stetten und Alexander-Stift. „Das Alexander-Stift ist stark verwurzelt in Urbach und möchte auch die Mitarbeiter dort halten.“ Mit Investoren arbeitet die Diakonie auch an anderer Stelle immer wieder zusammen, nach dem Modell: Der Investor baut und Diakonie oder Alexander-Stift mieten sich als Betreiber ein.

Welche weiteren Perspektiven gibt es für das Areal rund ums Schloss?

Wenn der Neubau des Pflegeheims kommt, stellt sich die Frage, was aus dem Gemeindepfleghaus wird. Im Gemeinderat wies Patricia Bäuchle (CDU) darauf hin, dass man diese Frage bei den Neubau-Plänen bedenken müsste. „Sonst wird das eine Bauruine“, so ihre Sorge. Man müsse auch bereits genügend Stellplätze einplanen, wenn man in Richtung einer möglichen Umnutzung als Wohnhaus gehe.

Dieses Thema werde man zu gegebener Zeit bearbeiten, sagte Bürgermeisterin Martina Fehrlen daraufhin. Auch da stelle sich jedoch die Herausforderung der vielen Eigentümer des Hauses, die einer Veränderung alle zustimmen müssten. „Selbstverständlich wollen wir, dass sich das Gemeindepfleghaus weiterentwickelt.“

Weiterentwickeln könnte sich noch mehr rund um den Schlosspark. Am Eck Schlossstraße/Schrödergasse steht eine weitere vom Alexander-Stift betriebene Pflegeeinrichtung, ein Wohnbereich für Menschen mit Demenzerkrankung. Dessen Nutzungszeit läuft laut Steffen Wilhelm, Pressesprecher von Diakonie Stetten und Alexander-Stift, 2024 aus, ebenfalls bedingt durch die neue Heimbauverordnung. Es gebe Überlegungen bei der Diakonie, so Wilhelm, ob das Gebäude in der Schrödergasse „zur Nachnutzung für Menschen mit Behinderung infrage kommt“. Die Diakonie ist auf der Suche nach Standorten für die Ausgliederung von Behinderten-Wohnstätten, nachdem die zentralen Wohnbereiche in Stetten aufgelöst werden. „Das ist aber alles noch im Stadium von Vorüberlegungen“, betont Steffen Wilhelm.

Der Urbacher Schlosspark ist ein echtes Kleinod. Die kleine, grüne Oase ist leicht zu übersehen, wenn man nicht weiß, dass sie zwischen Wohnhäusern, Gemeindepfleghaus und eben dem Schloss liegt: Mächtige, alte Kastanien stehen dort mitten im Quartier, ein Spielplatz, einige Obstbäume. Jetzt rückt jedoch eine große Veränderung näher: In nicht viel mehr als drei Jahren soll im Schlosspark ein neues Pflegeheim stehen. Es muss schnell gehen: Durch die neue Heimbauverordnung des Landes droht

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