Urbach

Home-Office-Pflicht läuft aus: Wie es bei Firmen rund um Schorndorf weitergeht

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Das Home-Office kann eine gute Alternative zur Arbeit im Büro sein. © Adobestock/Alliance

Zu Beginn der Corona-Pandemie kämpften viele Firmen damit, die Strukturen zu schaffen, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen. In den vergangenen zwei Jahren wurden große Fortschritte gemacht, bereits zweimal galt in den vergangenen Jahren sogar eine Home-Office-Pflicht. Nun soll sie voraussichtlich ab dem 20. März wieder fallen – aber wie geht es danach weiter? Bleibt die Möglichkeit auf Home- Office bestehen oder wollen Firmen wieder zurückrudern und ihre Belegschaft ins Büro zurückholen? Wir haben nachgefragt.

„Wir haben wirklich positive Erfahrungen gemacht“, sagt der Peter-Hahn-Geschäftsführer Jörg Marx. „Die Zusammenarbeit im Unternehmen funktioniert auch von zu Hause aus.“ Gerade bei langen Anfahrtswegen oder in Bezug auf die Familie schätzten es viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im eigenen Heim arbeiten zu können. „Viele sagen aber auch, dass sie es sich nicht vorstellen können, auch nach der Pandemie komplett und dauerhaft nur noch Home-Office zu machen“, so Marx.

Vorteil bei der Fachkräftegewinnung

Für die Attraktivität als Arbeitgeber seien eine gewisse Flexibilität und das Arbeiten von zu Hause aus aber zentral. „Solche Möglichkeiten sind ein Vorteil bei der Fachkräftegewinnung“, weiß Jörg Marx. „Das Arbeiten von zu Hause kann den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Kinderbetreuung oder die Rückkehr in den Beruf nach der Elternzeit vereinfachen.“

Das Arbeiten im Home-Office soll für die Peter-Hahn-Beschäftigten deshalb laut ihrem Geschäftsführer auch weiterhin möglich sein, genauso wie flexible Arbeitszeitmodelle. Den Mitarbeitenden werden bis zu vier Home-Office-Tage pro Woche ermöglicht. „Es wird wohl viel mehr Beschäftigte geben, die zu Hause arbeiten als vor der Pandemie“, vermutet Jörg Marx. „Komplett mobil werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber nicht arbeiten, eine gewisse Präsenz im Unternehmen gehört dazu.“

Präsenz im Unternehmen muss sein

Diese bräuchte Peter Hahn bei vielen Prozessen, sonst gehe zu viel verloren. Auch für die Unternehmenskultur und das Miteinander der Kolleginnen und Kollegen ist persönlicher Kontakt nach Meinung von Jörg Marx sehr wichtig. Sollte die Pandemielage sich aber wieder verschärfen, könnten fast alle Beschäftigten wieder komplett von zu Hause aus arbeiten.

„Die Corona-Pandemie hat bestätigt, dass mobile Arbeit funktioniert und auch von einer Mehrheit der Belegschaft sehr geschätzt wird“, heißt es ebenso von Coca Cola. Auch am Urbacher Standort werde den Mitarbeitenden laut einer Pressesprecherin selbstverständlich wie gefordert als Beitrag zur Pandemiebekämpfung die Arbeit im Home-Office angeboten, soweit die betrieblichen Anforderungen dies erlauben und es für die Beschäftigten möglich sei.

„Viele Mitarbeitende haben auch für die Zeit nach der Pandemie Interesse an mehr Flexibilität bei der Arbeit geäußert“, sagt sie weiter. Auf diesen Wunsch hätten die Coca Cola Europacific Partners Deutschland GmbH und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten bereits im vergangenen Jahr reagiert und ab dem 1. August 2021 einen neuen Tarifvertrag für mobiles Arbeiten vereinbart. Dieser regele den Rahmen für flexible Arbeit und gewähre, dass 40 Prozent der individuellen Arbeitszeit pro Monat bei entsprechenden Voraussetzungen mobil gearbeitet werden darf. Darüber hinaus könne mobile Arbeit im Team zwischen Mitarbeitenden und Führungskraft verabredet werden.

„Das Ganze funktioniert für uns deutlich besser als ursprünglich erwartet.“

Auch für die Angestellten des Remshaldener Software-Entwicklers Scireum soll es weiterhin eine Möglichkeit geben, von zuhause aus zu arbeiten. „Das Ganze funktioniert für uns deutlich besser als ursprünglich erwartet“, sagt Jan Kirschmann, zuständig für Recruiting und Talent Management. Die Firma habe durchweg positive Erfahrungen mit dem Home-Office gemacht, die Mitarbeitenden seien „motiviert und happy“, auch deshalb sei es möglich gewesen, die gesetzten Ziele zu übertreffen und die herausfordernde Zeit zu meistern.

Aus diesem Grund werde die Option auf Home-Office bei Scireum auch nach dem Auslauf der Home-Office-Pflicht weiter bestehen. „Wir haben die gewonnene Flexibilität sehr zu schätzen gelernt und wollen diese beibehalten“, sagt Jan Kirschmann.

Home-Office bringt auch Unternehmen etwas

Auf die Frage, ob das Home-Office-Angebot Stellenausschreibungen attraktiver für Bewerberinnen und Bewerber macht, antwortet er: „Das Angebot „Home-Office“ macht Stellenanzeigen zumindest nicht unattraktiver, ist jedoch mittlerweile in verschiedener Form schon Standard.“ Viel eher sei bei Scireum aufgefallen, dass die von dem Unternehmen angebotene Arbeitsplatz-Flexibilität, also die freie und spontane Wahl des Arbeitsplatzes im Büro, zu Hause oder an einem anderen, gleichwertigen Arbeitsplatz, für viele ein attraktiver Faktor sei.

Die Arbeit von zu Hause aus nütze sowohl den Mitarbeitenden als auch dem Unternehmen: „Das Home-Office ermöglicht zum Beispiel durch die gesparte Hin- und Rückfahrt, dass man seine Kinder zur Kita bringen kann oder dass auch mehr Zeit für Sport und Entspannung bleibt“, sagt Kirschmann. „Unsere Mitarbeiter sind dadurch glücklicher und ausgeglichen. Das hilft uns natürlich auch als Firma.“

Zu Beginn der Corona-Pandemie kämpften viele Firmen damit, die Strukturen zu schaffen, um ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen. In den vergangenen zwei Jahren wurden große Fortschritte gemacht, bereits zweimal galt in den vergangenen Jahren sogar eine Home-Office-Pflicht. Nun soll sie voraussichtlich ab dem 20. März wieder fallen – aber wie geht es danach weiter? Bleibt die Möglichkeit auf Home- Office bestehen oder wollen Firmen wieder

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