Urbach

Impfpflicht in den Pflegeheimen rund um Schorndorf: Drohen Personalengpässe?

Pflege
Das Personal in Pflegeeinrichtungen ist vielerorts jetzt schon knapp. © ALEXANDRA PALMIZI

Während über die allgemeine Impfpflicht noch diskutiert wird, ist sie für Pflegeberufe längst Realität und gilt ab Mitte März. Beschäftigte unter anderem in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen müssen dann eine abgeschlossene Impfung gegen Covid-19 vorweisen - sonst droht ihnen der Jobverlust. Arbeitgeber müssen den Impfstatus im Vorfeld kontrollieren und ungeimpfte Mitarbeiter oder zweifelhafte Nachweise an das Gesundheitsamt melden. Dieses spricht dann möglicherweise ein Arbeitsverbot aus. Ausnahmen gelten für Personen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können und Genesene. Wir haben nachgefragt, was das für Auswirkungen auf die Pflegeheime rund um Schorndorf hat und ob deshalb bald Personalengpässe drohen.

„Aktuell können bereits rund 95 Prozent der Mitarbeitenden in unseren Häusern in Urbach und Rudersberg den erforderlichen Immunstatus nachweisen“, kann Steffen Wilhelm, Pressesprecher der Diakonie Stetten, die das Alexander-Stift in Urbach und Rudersberg betreibt, vermelden. Das entspreche auch der durchschnittlichen Impfquote im gesamten Alexander-Stift. „Von einem kleinen Teil unserer Mitarbeitenden wissen wir, dass sie einer Impfung nach wie vor kritisch oder besorgt gegenüberstehen“, sagt Wilhelm aber.

An anderen Standorten schon Kündigungen

Ob sie sich angesichts der Impfpflicht bis Mitte März noch umentscheiden werden, wisse der Arbeitgeber nicht. Zumindest bis jetzt seien in Urbach und Rudersberg noch keine Kündigungen im Zusammenhang mit der Impfpflicht eingegangen - an anderen Standorten aber leider schon.

„Tatsächlich gibt es bei uns auch noch Mitarbeiter, die der Impfung kritisch gegenüberstehen und auch eine Kündigung in Erwägung ziehen“, sagt ebenso Marcel Faißt von der Awo Württemberg, die auch Pflegeheime in Winterbach und Remshalden betreibt. Der überwiegende Teil der Belegschaft, weit über 90 Prozent, sei aber in den Awo-Einrichtungen bereits vollständig geimpft. Der Träger hofft, dass diese Quote in den nächsten Wochen noch steigt.

Es gibt bereits Engpässe

Im Haus am Brunnenrain in Plüderhausen liegt die Impfquote derzeit bei über 80 Prozent, wie Nicola Philipp, Sprecherin des Trägers Die Zieglerschen, mitteilt. „Im Moment liegen uns keine Kündigungen vor“, sagt sie. Mit den ungeimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei man intensiv im Gespräch und zuversichtlich, dass die Impfquote sich in den nächsten Wochen noch weiter erhöhen werde. „Aktuell gehen wir in Plüderhausen davon aus, dass uns keine signifikanten personellen Engpässe entstehen werden“, sagt Nicola Philipp so auch.

Ganz so zuversichtlich ist Steffen Wilhelm von der Diakonie Stetten nicht. „Unsere Personalsituation war schon vor Corona sehr angespannt“, berichtet er. „In den letzten zwei Jahren hatten wir aufgrund der Pandemie und der „Flucht aus der Pflege“ schon einige Kündigungen und konnten Stellen nicht wieder nachbesetzen.“ Die Pandemie habe die Arbeitssituation erschwert. „Wenn wir tatsächlich Mitarbeitende durch die Impfpflicht verlieren würden, würde das noch zu einer weiteren Verschärfung führen“, befürchtet Wilhelm. „Diese Sorge beschäftigt uns gerade sehr, zumal wir derzeit schon aufgrund der Personalsituation nicht alle verfügbaren Pflegeplätze belegen können.“ Seit bekannt sei, dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht komme, arbeite der Träger deshalb vorsorglich an Konzepten und Maßnahmen für den Ernstfall.

Ein großes Problem: Die fehlende Planungssicherheit durch die Impfpflicht

„Wir gehen deswegen davon aus, dass wir hoffentlich durch Aufklärung die betreffenden Mitarbeiter noch erreichen können“, sagt Marcel Faißt von der Awo Württemberg. „Sollte sich in den nächsten Tagen aber abzeichnen, dass wir tatsächlich nennenswert Mitarbeiter verlieren werden, müssen wir Neueinstellungen vornehmen.“ Für vorübergehende Personalengpässe habe die Awo bereits Notfallpläne erstellt. Ein großes Problem sei auch die Unplanbarkeit, die durch die einrichtungsbezogene Impfpflicht entstehe.

„Denn letztendlich ist für uns zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen unklar, wie zügig die Gesundheitsämter, die ja die Beschäftigungsverbote für ungeimpfte Mitarbeiter erteilen werden, tätig werden“, bemängelt Faißt. „Wir hoffen nicht, dass wir kurzfristig in eine Situation kommen, dass unsere personellen Ressourcen bis ans Limit ausgeschöpft sind und wir womöglich freie Plätze nicht belegen können.“ Das wäre die letzte Konsequenz - die der Träger bei der enormen Nachfrage nach Pflegeplätzen natürlich dringend vermeiden wolle.

Großer zusätzlicher Aufwand

Manche Menschen finden, dass die Impfpflicht in Pflegeberufen ein zu großer Eingriff von Seiten des Staates ist, andere halten sie aufgrund der unklaren Regelungen für zu milde. Wie sehen das die Träger der Pflegeheime rund um Schorndorf?

„Wie die konkrete Handhabung der Gesundheitsämter ab Mitte März sein wird, wissen wir ja noch nicht“, sagt dazu Steffen Wilhelm. „Wir nehmen jedenfalls unsere gesetzlichen Pflichten als Einrichtung sehr ernst und werden die erforderlichen Meldungen zu einzelnen Mitarbeitenden, die noch keinen Immunstatus nachgewiesen haben, fristgerecht bis zum 15. März bei den zuständigen Gesundheitsämtern einreichen.“

Auch Die Zieglerschen planen laut Nicola Philipp, zum Stichtag „mit großem zusätzlichen Aufwand“ die Anforderungen, die das Gesetz zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht mit sich bringt, zu erfüllen. Der einrichtungsbezogenen Impfpflicht sehe der Träger sorgenvoll entgegen, da die Gesetzgeberseite keine ausreichende Handlungssicherheit für die Beteiligten hergestellt habe. „Dies sorgt für große Verunsicherung“, so Philipp. „Um die Pandemie nachhaltig und übergreifend zu bekämpfen, würden wir eher eine allgemeine Impfpflicht begrüßen.“

Marcel Faißt findet die Intention der einrichtungsbezogenen Impfpflicht, also einen maximalen Schutz für die Pflegeheim-Bewohner und -Mitarbeiter zu gewährleisten, zwar richtig, kritisiert aber die Umsetzung der neuen Regelung. „So wissen wir, dass bereits heute die Gesundheitsämter, genauso wie Pflegeeinrichtungen, seit zwei Jahren am äußersten Limit arbeiten“, sagt er. Der Träger müsse den zuständigen Gesundheitsämtern nun den Impfstatus seiner Mitarbeitenden mitteilen, die dann Beschäftigungsverbote erteilen.

Unklar ist, wann für die ungeimpften Mitarbeiter Verbote verhängt werden

„Diesen werden wir natürlich nachkommen und die betreffenden Mitarbeiter unmittelbar freistellen“, so Faißt. „Allerdings befürchten wir einerseits einen großen bürokratischen Aufwand für unsere Einrichtungen.“ Hinzu komme auch bei der Awo die Sorge über die fehlende Planungssicherheit, „denn schließlich wissen wir nicht, wann das Gesundheitsamt Beschäftigungsverbote für betreffende Mitarbeiter verhängen wird“. Es sei nicht klar, ob das direkt am 16. März erfolgen werde oder erst später, die Träger müssten aber frühzeitig reagieren. „Wir hätten uns eine allgemeine Impfpflicht gewünscht und hoffen, dass diese noch kommt“, sagt der Sprecher.

Ganz allgemein zieht Marcel Faißt, der nach eigenen Angaben selbst seit über 25 Jahren in der Pflege arbeitet und als junger Altenpfleger auch „am Bett gestanden“ sei, sein Fazit: „Unabhängig von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht hoffen wir aber nun sehr, dass die Politik endlich verstanden hat, dass Pflege nicht nur den Titel „systemrelevant“ verdient, sondern auch so behandelt werden muss.“ Nach der Corona-Pandemie werde sehr intensiv und ehrlich darüber gesprochen werden müssen, wie insbesondere für die ambulante und stationäre Altenpflege mehr Ressourcen und Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Das ginge nur mit mehr finanziellen Mitteln. „Das darf aber nicht zulasten unserer Bewohner gehen“, so Faißt.

Während über die allgemeine Impfpflicht noch diskutiert wird, ist sie für Pflegeberufe längst Realität und gilt ab Mitte März. Beschäftigte unter anderem in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen müssen dann eine abgeschlossene Impfung gegen Covid-19 vorweisen - sonst droht ihnen der Jobverlust. Arbeitgeber müssen den Impfstatus im Vorfeld kontrollieren und ungeimpfte Mitarbeiter oder zweifelhafte Nachweise an das Gesundheitsamt melden. Dieses spricht dann möglicherweise ein

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