Urbach

Inklusion im Café "M1" Urbach: Neuer Start ins Berufsleben für Jonathan Scherer

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Jonathan Scherer absolviert momentan ein Praktikum im „M1“ in Urbach. © Ralph Steinemann Pressefoto

Immer wieder wird in den Medien die geringe Bezahlung von Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung kritisiert. Jonathan Scherer hat selbst eine Behinderung und absolviert gerade ein Praktikum im Urbacher Café „M1“, voraussichtlich mit der Option auf die Übernahme in eine Festanstellung. Zuvor arbeitete er in einem Café in einer Behinderteneinrichtung, machte dort im Prinzip den gleichen Job, aber für deutlich weniger Geld. Er hat mit uns darüber gesprochen, warum er nun umsatteln will und wie er die Situation für Menschen mit einer Behinderung auf dem Arbeitsmarkt wahrnimmt.

„Man sollte wirklich mehr Menschen eine Chance geben“, findet Jonathan Scherer

„Ich empfinde es als Ausnutzung“, sagt er zur Situation vieler Menschen mit Behinderung. Der 26-Jährige hatte einen Vollzeitjob, bekam dafür im Monat aber nur 218 Euro, zusätzlich bekam er Geld vom Staat. Er finde das Konzept von Werkstätten für Menschen mit Behinderung zwar „schon okay“, aber es komme eben darauf an, wie diese Menschen dann behandelt und bezahlt werden. „Man sollte wirklich mehr Menschen eine Chance geben“, findet Jonathan Scherer.

Bei seinem alten Arbeitgeber habe er das Gefühl gehabt, eher klein gehalten zu werden, dass ihm Steine in den Weg gelegt wurden, wenn er versuchte, sich anderweitig Arbeit zu suchen. „Wenn sie merken, dass du etwas kannst, dann verlangen sie auch etwas“, sagt er. „Wenn ich dort normal bezahlt worden wäre, wäre ich vielleicht geblieben. Aber so nicht.“ Als er schon einmal nach einem Praktikum ein Übernahmeangebot bekommen hatte, sei dieses im Sand verlaufen, Nachfragen nach einer Ausbildung ebenso. Er hat sich als günstige Arbeitskraft abgestempelt gefühlt.

Anders empfindet er die Lage nun im „M1“. Zustande gekommen ist der Kontakt eher zufällig. Jonathan Scherer spielt in Urbach Handball und ist Jugendtrainer. Vor dem Training war er öfters in dem Café zu Gast, im Gespräch mit einer Mitarbeiterin verriet er, dass er auch im Service arbeitete. Das erzählte diese ihrem Chef Heiko Busse, dem Jonathan Scherer schon bekannt vorkam. Nach etwas Nachdenken fiel dem Unternehmer und Gemeinderat auch wieder ein, woher: Er hatte ihn bei seinem vorherigen Job schon getroffen und angenommen, dass er dort ein Manager sei. „Er ist mir schon damals positiv aufgefallen“, so Busse. Ihn zu beschäftigen, sei aber zunächst gar nicht so einfach gewesen.

Mit einer Mitarbeiterin des Integrationsfachdienstes als Vermittlerin konnte Jonathan Scherer nun aber erst einmal ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. Wenn danach für ihn alles passt, kann er im „M1“ anfangen. Das hat Heiko Busse, der für Jonathan nur Lob übrig hat, schon zugesagt. „Er hat den Service im Blut“, sagt er über den jungen Mann. Von Anfang an habe er gut mitgearbeitet und sich ins Team eingefügt. Wenn er dort einsteigen will, würde er erst einmal Mindestlohn bekommen, dieser würde mit zwölf Euro pro Stunde aber trotzdem deutlich höher ausfallen als der Lohn, den er für seine vorherige Arbeit bekam.

Für Jonathan Scherer ist klar: „Ich will auf eigenen Beinen stehen“

„Ich kann mir gut vorstellen, weiter hier zu arbeiten“, sagt Jonathan Scherer nun nach mehreren Wochen Praktikum in Urbach. Es sei nicht viel anders als bei seiner Arbeit vorher, er kennt sich bereits mit den Abläufen aus. Nach fünf oder sechs Stunden merke er, dass er müde werde, die Konzentration nachlasse, aber nach einer Pause sei er wieder fit. „Das ist ja normal“, sagt Heiko Busse dazu. Würde der „M1“-Chef nicht so für ihn kämpfen, würden ihm beim Berufseinstieg vermutlich wieder Steine in den Weg gelegt werden, vermutet Jonathan Scherer. Er hofft, dass es nicht so kommt.

Die Entscheidung, ob er nun im „M1“ bleibt oder nicht, fällt erst in ein paar Wochen. „Ich will auf eigenen Beinen stehen“, weiß Jonathan Scherer aber auf jeden Fall jetzt schon. Er wohne bereits alleine, habe einen Führerschein für Roller und Traktoren gemacht und will nun endlich auch mit fairer Bezahlung ins Berufsleben einsteigen.

Immer wieder wird in den Medien die geringe Bezahlung von Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung kritisiert. Jonathan Scherer hat selbst eine Behinderung und absolviert gerade ein Praktikum im Urbacher Café „M1“, voraussichtlich mit der Option auf die Übernahme in eine Festanstellung. Zuvor arbeitete er in einem Café in einer Behinderteneinrichtung, machte dort im Prinzip den gleichen Job, aber für deutlich weniger Geld. Er hat mit uns darüber gesprochen, warum er nun

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