Urbach

Kind in Urbach auf die Straße geworfen: 35-Jähriger wird freigesprochen und muss in die Psychiatrie

Landgericht
Symbolbild. © ALEXANDRA PALMIZI

Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens für schuldunfähig befunden, hat das Stuttgarter Landgericht den Mann freigesprochen, der in Urbach grundlos ein siebenjähriges Kind auf die Straße geworfen hat. Er wurde jedoch kraft Urteils in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Das Gericht zeigte sich bei der Urteilsbegründung von der Täterschaft des 35-Jährigen überzeugt, der die Taten zwar bestritt, bei der Beweisaufnahme aber dann überführt wurde.

Richter Reiner Skujat offenbarte bei der Begründung des Urteils Teile des zum Schutze der Person des Angeklagten nichtöffentlich erstatteten Gutachtens: Der Urbacher habe zunächst ein unauffälliges Leben geführt und sei in bürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, habe allerdings bereits im Alter von 15 Jahren regelmäßig Alkohol konsumiert und später auch Cannabis geraucht sowie Ecstasy-Tabletten genommen. Wegen seiner paranoiden Schizophrenie sei der Kranke mehrfach in der Psychiatrie gewesen. Unzufrieden mit dem Sohn geworden, der 2014 von einer Fachhochschule exmatrikuliert wurde, habe es Probleme mit den Eltern gegeben, insbesondere mit dem Vater. Immer wenn die Eltern sich eingemischt hätten, so Richter Skujat, sei der heute 35-Jährige aggressiv geworden. Schon damals, sagte der Richter, habe sich „unkontrolliertes, lautes und wirres Verhalten“ gezeigt.

„Gefahr für die Allgemeinheit“

Insgesamt stufte das Gericht den Mann, der am 10. Oktober vergangenen Jahres grundlos das ihm völlig fremde Kind am Zebrastreifen gepackt und durch die Luft auf den asphaltierten Gehsteig geworfen hat, als „Gefahr für die Allgemeinheit“ ein. Nach dem Konsum von 2,5 Gramm Amphetamin hätte sich der Mann eigentlich am späten Vormittag in Schorndorf Schuhe kaufen wollen, am Bahnhof jedoch seinen Plan geändert und versucht, am Geldautomaten 30 Euro zu holen. Es kam kein Geld heraus und seine Spaghetti musste der Urbacher auch im Laden lassen, weil er kein Geld hatte. Im Dönerladen durfte er nichts anschreiben lassen. Darüber frustriert kam er an dem Zebrastreifen vorbei und entdeckte die Siebenjährige, die sich gerade Süßigkeiten gekauft hatte.

Lebensgefahr in Kauf genommen

Nach Einschätzung des Gerichts sah sich der Mann „in seinem Größenwahn“ geradezu dazu berufen, dem Kind zu erklären, wie man über den Zebrastreifen geht. Als das Mädchen sagte, es wisse das selbst, packte er es an der Schulter und schob es ein Stück über den Zebrastreifen. Das Kind versuchte, sich loszureißen, aber der Mann hielt es fest und hob es hoch. Das Kind schrie laut und da – so erklärte der Richter – brach die Krankheit aus. Der große, starke Mann geriet in Wut und warf das höchstens 1,10 Meter und nur 14 bis 15 Kilo schwere Kind durch die Luft auf den Bürgersteig. Das sahen Menschen, die der Polizei bei der Verfolgung halfen. Einer half auch bei der Festnahme, gegen die sich der Gesuchte mit Händen und Füßen wehrte.

„Sie hatte großes Glück“, gab der Richter zu bedenken, dass der damals Siebenjährigen viel mehr hätte passieren können als eine Hüftprellung, ein Hämatom am Becken und Hautabschürfungen am Arm. Von den seelischen Folgen ganz zu schweigen. Der Urbacher habe bei der gefährlichen Körperverletzung die Lebensgefährdung des Kindes in Kauf genommen.

Der Mann, dem jegliche Unrechtseinsicht fehle, habe „massive psychische Probleme“, hieß es in der Urteilsbegründung weiter. Dessen Intelligenzniveau sei durchschnittlich und er mache auf andere Leute nicht den Eindruck, als ob mit ihm etwas nicht stimmt. Doch unter Drogen, schloss Richter Skujat, habe der Urbacher schon kommentierende Stimmen gehört. Dieser kommuniziere beim Fernsehen mit der Regierung, mit bekannten Rappern und fühle sich vom Kühlschrank aus beobachtet. „Sofort raus aus der Psychiatrie“, „Sport machen“ und „eine Freundin haben“, wie es der Urbacher wolle, könnte nach der zeitlichen Einschätzung des Gerichts noch vier bis fünf Jahre dauern. Denn der Mann akzeptiere momentan weder Medikamente noch höre er auf die Ärzte.

Aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens für schuldunfähig befunden, hat das Stuttgarter Landgericht den Mann freigesprochen, der in Urbach grundlos ein siebenjähriges Kind auf die Straße geworfen hat. Er wurde jedoch kraft Urteils in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Das Gericht zeigte sich bei der Urteilsbegründung von der Täterschaft des 35-Jährigen überzeugt, der die Taten zwar bestritt, bei der Beweisaufnahme aber dann überführt wurde.

Richter Reiner Skujat offenbarte

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