Urbach

Kita-Streik: Urbacher Eltern zeigen Verständnis für Erzieherinnen und Erzieher

Kita Kindergarten Symbol
Kitas waren in den vergangenen Wochen immer wieder tageweise geschlossen. © Esi Grünhagen from Pixabay

Auch in dieser Woche hatte die Gewerkschaft Verdi wieder zum Streik im Sozial- und Erziehungsdienst aufgerufen. Am Donnerstag kam es deshalb zu Schließungen und Einschränkungen in vielen Kitas. Wieder einmal, denn immer wieder gibt es seit mehreren Wochen Warnstreiks. Wir haben uns mit zwei Müttern aus Urbach, wo die Streikbeteiligung verhältnismäßig hoch ist, darüber unterhalten, wie sie die wiederkehrenden Kita-Schließungen wahrnehmen.

Tamara Kar, Vorsitzende des Urbacher Gesamtelternbeirats meint, sie habe ein Déjà-vu. Auch als 2015 wochenlang Kitas aus Streikgründen geschlossen hatten, hatte sie gerade ein Kind in einem Urbacher Kindergarten. „Das hat mich damals persönlich arg getroffen“, erinnert sie sich. Wochenlang Unklarheit, Notbetreuung, ein Hin und Her. Beim aktuellen Tarifstreit ist die Lage noch nicht so eskaliert, die Kitas schlossen bis jetzt immer nur tageweise; trotzdem belastet die Situation Eltern. Aber „jetzt ist seitens der Eltern das Verständnis da“, sagt Tamara Kar. „Wir stehen komplett hinter unseren Erzieherinnen und Erziehern.“

 „Die leisten ihr Maximum.“

Das hat Gründe: Immer wieder hätten die Eltern mitbekommen, wie sehr die Erzieherinnen und Erzieher sich einsetzen, fast zerreißen, um eine Betreuung sicherzustellen. Tamara Kar berichtet zum Beispiel von einer Kita-Leitung, die eigentlich frei gehabt hätte, aber trotzdem zur Arbeit kam, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen als eine andere Fachkraft krank wurde. „Die leisten ihr Maximum“, findet auch Sandra Marquez-Schroth, Elternbeirätin bei der Kita Wiese. Solche Vorfälle seien dauerhaft aber keine gute Lösung. Und wenn wegen Personalmangels Öffnungszeiten gekürzt oder Aktivitäten gestrichen werden müssen, sei das ärgerlich. Und natürlich gebe es auch Einzelfälle von Eltern, die sich aufregen, weil sie zum Beispiel in Stuttgart arbeiten und nicht einfach eine Ersatzbetreuung organisieren können oder von solchen, die bei wiederholten Streiks Probleme mit dem Arbeitgeber bekommen. Insgesamt stünden die Eltern aber hinter dem Kita-Personal, betont auch Marquez-Schroth.

Auch größere Gruppen hält sie für keine gute Lösung, besonders bei ganz kleinen Kindern. „Wenn einer hinfällt, muss man sich um ihn kümmern“, sagt sie. Die anderen Kinder müssten aber auch betreut werden, sonst werde es gefährlich, das sei alleine nicht machbar. Den kleinsten Kindern sei es schlicht noch nicht zuzutrauen, mehr Verantwortung zu übernehmen, wenn Erzieherinnen oder Erzieher abgelenkt sind, weil nicht genug Personal da ist. Zudem drohe bei zu hoher Arbeitsbelastung, dass die Kita-Angestellten irgendwann überhaupt keine Kraft mehr haben.

Kita spielt wichtige Rolle in der Erziehung

„Wir hoffen, dass die Erzieherinnen gehört werden“, sagt Tamara Kar. „Es geht schlicht und einfach um den Nachwuchs, um die Zukunft unserer Kinder.“ Größere Gruppen und somit weniger Fachkräfte für mehr Kinder hält sie ebenso für nicht tragbar. Die aktuelle Situation übe Druck sowohl auf die Eltern als auch auf die Kita-Fachkräfte aus. „Ich möchte doch normal auf die Arbeit gehen“, sagt sie. Heutzutage sei es nun einmal oft so, dass beide Elternteile arbeiten, Kinder teils schon in sehr jungen Jahren in die Kita gehen. „Da möchte ich als Elternteil guten Gewissens mein Kind in die Obhut der Erzieherinnen und Erzieher geben“, sagt Tamara Kar. „Aber bitte in die von gut ausgebildetem Fachpersonal.“ Es gehe schließlich nicht nur um die reine Betreuung, sondern auch um die ordnungsgemäße Bildung und Erziehung der Kinder. „Natürlich erziehen wir unsere Kinder als Eltern“, so Kar. Aber die Kitas spielten hier eben auch eine wichtige Rolle. „Und das sehe ich momentan als gefährdet an“, meint die Mutter.

„Es geht nicht nur ums Thema Geld“, sagt sie denn auch mit Blick auf die Streiksituation. Sie stehe aber durchaus auch dafür, dass die Fachkräfte angemessen entlohnt werden sollten. „Das ist doch ganz klar“, findet sie. „Sie arbeiten mit dem Wertvollsten, das wir haben: unseren Kindern. Darüber muss also nicht diskutiert werden.“ Hier sollten sich die Arbeitgeber ihrer Meinung nach auch nicht hinter der Corona-Pandemie oder den Kriegsfolgen verstecken. „Wir haben weiterhin innenpolitische Themen, die wir auch ansprechen müssen.“ Und der Beruf des Erziehers beziehungsweise der Erzieherin müsse attraktiv bleiben. „Sonst haben wir in ein paar Jahren ein Problem.

Sandra Marquez-Schroth hofft zudem, dass die Lage nicht weiter eskaliert und das Fachpersonal bald wieder wie vor einigen Jahren wochenlang am Stück streikt. Das wäre für viele Eltern fatal.

Auch in dieser Woche hatte die Gewerkschaft Verdi wieder zum Streik im Sozial- und Erziehungsdienst aufgerufen. Am Donnerstag kam es deshalb zu Schließungen und Einschränkungen in vielen Kitas. Wieder einmal, denn immer wieder gibt es seit mehreren Wochen Warnstreiks. Wir haben uns mit zwei Müttern aus Urbach, wo die Streikbeteiligung verhältnismäßig hoch ist, darüber unterhalten, wie sie die wiederkehrenden Kita-Schließungen wahrnehmen.

Tamara Kar, Vorsitzende des Urbacher

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