Urbach

Kommentar: Die Qual der Kandidatur

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Wie vor Wochenfrist gilt nach wie vor in Urbach: Kandidaten für die Bürgermeisterwahl gesucht. Dringend. Redakteur Michael Städele kommentiert. © Laura Edenberger

Urbach.
Seit genau einem Monat besteht die Möglichkeit, sich als Nachfolger des Urbacher Bürgermeisters Jörg Hetzinger zu bewerben. Den Hut hat aber noch niemand in den Ring geworfen. Zwar haben potenzielle Kandidaten noch etwas mehr als drei Wochen Zeit, das zu tun, aber es stellt sich schon die Frage: Warum gibt es noch keinen Kandidaten/keine Kandidatin in Urbach? Man darf da sehr wohl ins Grübeln kommen.

Natürlich ist es so, dass es Bürgermeisterkandidaten nicht (mehr) wie Sand am Meer gibt. Kandidaten zumindest mit einigermaßen Format, versteht sich. Natürlich waren im Februar eine Woche lang Faschingsferien – wobei das vielleicht ein Grund, aber beileibe kein Hindernis gewesen sein sollte, sich für eine Kandidatur in Urbach zu entscheiden.

Urbach steht vergleichsweise sehr gut da

Was sind also die Gründe, dass sich Bewerber/innen alles andere als die Rathausklinke in die Hand geben? Warum haben sie zumindest bisher kein Interesse, Bürgermeister/in in der Gemeinde Urbach zu sein, die vergleichsweise sehr gut da steht? Sowohl – allen Unkenrufen aus den Reihen der üblichen Verdächtigen zum Trotz – finanziell als auch von der Infrastruktur her (erst jüngst auf Vordermann gebrachte Wittumhalle, die Atriumhalle und die Auerbachhalle, ein Freibad, funktionierendes Vereinsleben, neues Wohngebiet in der Mitte, das in absehbarer Zeit erweitert wird, ein neues Gewerbegebiet bei der Auerbachhalle und und und, – wobei die Reihenfolge beliebig ist)? Was also ist es?

Ist die Gartenschau ein Grund?

Es darf spekuliert werden. Vielleicht ist es die Remstal-Gartenschau, an der sich in Urbach bekanntlich die Geister scheiden und die sehr viel Unfrieden in den Ort gebracht hat. Aber Hand aufs Herz: Wenn ein Bewerber/eine Bewerberin sich diesem Konflikt nicht stellen will, kann er ihn auch nicht lösen. Und wäre von vornherein fehl am Platz. Denn es wird die vornehmste Aufgabe des künftigen Rathauschefs sein, hier klare Kante zu zeigen und den Weg vorzugeben, wo’s weiterhin langgeht. Schon im Wahlkampf werden die Bewerber vor allem in dieser Frage Farbe bekennen müssen. Man muss kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass die von Urbach für die Remstal-Gartenschau geplanten Vorhaben das Wahlkampfthema Nummer eins sein werden. Samt dem Bürgerbegehren, das jetzt ansteht, nachdem die Kritiker die dafür erforderlichen Unterschriften offenbar zusammengebracht haben (sie werden an diesem Samstag um 13 Uhr Bürgermeister Jörg Hetzinger überreicht und müssen dann auf ihre Richtigkeit geprüft werden).

Hornauer wollte mit Hetzinger sprechen

Nun ist es ja nicht so, dass keine Namen gehandelt werden. Einer hat seinen am Dienstag selber ins Gespräch gebracht. Thomas Hornauer ist von Plüderhausen kurz nach Urbach gefahren und wollte ein Gespräch mit Bürgermeister Hetzinger. Der hatte aber angesichts der kurz darauf beginnenden Gemeinderatssitzung keine Zeit für den Herrn. Was Hornauer genau wollte, ist sein Geheimnis. Die Informationen, wie man sich bewirbt, müsste er eigentlich haben von seinen Kandidaturen in Plüderhausen und Welzheim.

Menschen wie Hornauer könnten im Übrigen auch potenzielle Kandidaten abschrecken. Warum? Weil es alles andere als vergnügungssteuerpflichtig ist, wochenlang in den Sozialen Medien mit Halb- oder Unwahrheiten konfrontiert zu werden. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum so mancher Kandidat nicht sofort nach Beginn der Bewerbungsfrist „Hier“ schreit, sprich, seine Unterlagen abgibt. Allerdings vergibt er sich damit die Chance, dass sein Name ganz oben auf dem Stimmzettel steht.

Gespräche werden geführt

Urbach ist eine attraktive Gemeinde, keine Frage. Umso mehr verblüfft, ja irritiert, dass sich zumindest bisher kein geeigneter Kandidat/keine Kandidatin gemeldet hat. Vielleicht liegt’s ja aber auch daran, dass fast zeitgleich in Rudersberg ein neuer Rathauschef gesucht (und inzwischen auch gefunden) wurde und dass Remshalden ebenfalls einen neuen Rathauschef braucht. Die drei Kommunen liegen recht nah beieinander.

Die Hoffnung freilich stirbt zuletzt. Und es bleibt noch Zeit bis zum Bewerbungsschluss. Außerdem ist es ja nicht so, dass keine Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt würden. Eins scheint schon relativ weit gediehen zu sein, die betreffende Person will aber weder ihren Namen in der Zeitung lesen (was wir akzeptieren, wenn auch schweren Herzens) noch ihre Kandidatur bekannt geben. Diese Person scheint fähig zu sein. Man möchte ihr zurufen: Nur Mut!

Das gilt auch für andere, die im stillen Kämmerlein vielleicht noch darüber nachdenken, Urbacher Bürgermeister werden zu wollen. Es kann doch nicht sein, dass sie das Feld denen überlassen, die viel Gedöns machen und dann bei 0,5 bis 4,2 Prozent landen.