Urbach

Kritischer Fachkräftemangel in den Urbacher Kindergärten

Kinderbetreuung
Seit 29. Juni sind wieder alle Kinder in den Kitas. Zur Abrechnung der Gebühren für die Zeit davor hat der Gemeinderat jetzt einen Beschluss gefasst (Symbolfoto). © pixabay

Dass die Kinderbetreuung seit Beginn der Corona-Krise eine Herausforderung für alle Eltern und Kommunen ist, haben wir in den vergangenen Monaten immer wieder thematisiert. Daran wird sich wohl auch so schnell leider nichts ändern. In Urbach ist die Lage besonders dramatisch, da bereits vor der Krise Fachkräfte gefehlt haben. Schon Anfang März mussten Kindergarten-Gruppen in der Gemeinde deshalb kurzzeitig ihre Betreuungszeiten verkürzen. Nun hat sich die Lage coronabedingt weiter verschärft.

Zuerst die gute Nachricht: Der Gemeinderat beschloss in seiner vergangenen Sitzung, auf die Erhebung von Kindergartengebühren und Gebühren für die kommunalen Zusatzbetreuungsangebote an den Schulen für den Monat Mai zu verzichten. Ausgenommen davon sind die Kinder, die in der Notbetreuung untergekommen sind.

Gebühren für Mai werden erlassen

Nun die schlechte Nachricht: „Wir stehen vor einer großen Herausforderung in der Organisation der Kinderbetreuung“, sagte Simone Frenzel, in derselben Sitzung, die zu Beginn der Corona-Krise ihr Amt als neue Kindergartenmanagerin der Gemeinde antrat. Jede vierte Fachkraft sei in der Kinderbetreuung nicht einsetzbar, viele gehören zur Corona-Risikogruppe und zwar in einem Anteil, der über dem von anderen Kommunen liege. Ein Betriebsarzt wird die Situation in den nächsten Wochen noch einmal genauer beurteilen, es ist aber nicht davon auszugehen, dass sich die Lage dadurch maßgeblich verändern wird.

Die Verwaltung regte deshalb an, vier Stellen für Bewerber zu schaffen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Kinderbetreuungsbereich absolvieren wollen und bei den erzieherischen Fachkräften einen „Puffer“ aufzubauen. Letzteres soll erreicht werden, indem nicht nur die ohnehin 5,5 offenen Stellen in diesem Bereich besetzt werden, sondern auch darüber hinaus Fachkräfte eingestellt werden können.

Die FSJler können keine Fachkräfte ersetzen

„Wir fahren auf Kante“, sagte Simone Frenzel. Sie habe keine weiteren Vertretungskräfte mehr, die sie bei Ausfällen entsenden könne. „Wir müssen zügig reagieren, wenn wir eine gute Bewerbung haben“, sagte Bürgermeisterin Martina Fehrlen. „Wenn wir jemanden finden, der passt, können wir nicht vier Wochen bis zur nächsten Gemeinderatssitzung warten.“ Die FSJler könnten allerdings keine Fachkraft ersetzen“, mahnte sie an.

„Ich halte das mit den FSJlern für einen guten Vorschlag“, äußerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Detlef Holzwarth zum Thema. Sofern gewährleistet sei, dass die jungen Menschen für die Arbeit geeignet seien und angemessen angeleitet werden könnten. „Die FSJler können wir uns gut vorstellen“, sagte auch Anke Schön (Freie Wähler). „Probleme haben wir aber dabei, zusätzlich Personal einzustellen.“ Das passe nicht zu den durch Corona notwendigen Sparmaßnahmen der Gemeinde. Unter den in der Kinderbetreuung momentan gegebenen Voraussetzungen sei es dringend erforderlich, ein Betreuungskonzept für alle Kindergärten zu erstellen.

„Uns ist klar, dass das ein Riesenaufwand ist“, sagte Schön. Die Freien Wähler seien aber der Meinung, dass das Betreuungskonzept in Urbach während der Corona-Krise nicht so aufrechterhalten werden könne, wie bisher. „Personalkosten sind ein wichtiges Thema“, sagte auch Detlef Holzwarth. „Da binden wir uns mit einem Vertrag nicht nur ein Jahr lang, sondern länger.“

Bei weiteren Ausfällen platzt die Betreuung in den Gruppen

„Ich stimme ihnen wirklich zu,“ wandte sich die Bürgermeisterin ans Gremium. Auch sie sehe ein wirkliches Problem mit den neuen Stellen und dem Haushalt der Gemeinde. „Aber ich möchte noch einmal betonen, wenn uns morgen einer abspringt, platzt uns die Betreuung in den Gruppen.“

„Die Fachkräfte sind so knapp am Markt, dass ich dafür werben möchte, Bewerber einzustellen, wenn wir welche bekommen,“ sagte Patricia Bäuchle (CDU). „Das Thema, dass uns immer Erzieherinnen fehlen, haben wir doch eigentlich ganzjährig.“

Manfred Wrobel-Adelhem (Bürgerliste Urbach) wollte von der Verwaltung wissen, was sie sich vom Einsatz des Betriebsarztes verspreche. „Er kann zurate gezogen werden, um zu sehen, welches Personal uns zur Verfügung steht“, erklärte Simone Frenzel. „Nicht jeder, der zur Risikogruppe gehört, ist überhaupt nicht mehr einsetzbar.“

Motivation der Bewerber sorgfältig prüfen

„Ich arbeite in einer Einrichtung, die mit vielen FSJlern arbeitet“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Siegrun Burkhardt und bat darum, die Motivation der FSJ-Bewerber sehr sorgfältig zu prüfen. „Wir machen oft die Erfahrung, dass die Motivation schnell nachlässt und die jungen Menschen unzuverlässig sind“, berichtet die Rätin. „Das ist dann mehr Belastung als sonst.“

„Bei uns landen die besorgten Anrufe der Eltern“, merkte Simone Frenzel an. Dabei seien auch solche, die bereits Urlaub und Überstunden abgebaut haben und jetzt einfach weiterarbeiten müssten. Für diese Eltern müsse es eine Perspektive für das nächste Kindergartenjahr geben.

Kein Verständnis mehr im neuen Kindergartenjahr

„Wir schauen ja nicht, dass im nächsten Monat FSJler anfangen“, so Frenzel. Aber die Gemeinde müsse zweigleisig fahren. „Es muss ein neues Bewerbungsverfahren sofort gestartet werden“, forderte die Kindergartenmanagerin. „Viele Eltern können jetzt noch Verständnis aufbringen, aber nicht für ein gesamtes Kindergartenjahr mit Gruppen, die nicht offen sind oder schließen müssen, sobald eine Fachkraft nicht kommt.“

Einen Kompromiss mit dem Vorschlag der Verwaltung schlug letztendlich Burkhard Nagel, Vorsitzender der Grünen-Fraktion, vor: Statt der Verwaltung grünes Licht für jegliche weitere Stellenbesetzung im Kindergartenbereich zu geben, sollen höchstens zwei Fachkräfte zusätzlich zu den ohnehin offenen Stellen angestellt werden – sollten sich überhaupt so viele finden lassen, was zweifelhaft ist. Damit zeigte sich das Gremium soweit zufrieden. Bei einer Abstimmung, die lediglich als Stimmungsbild diente, sprachen sich die Räte und Rätinnen dafür aus, weitere Stellenbesetzungen so zu handhaben und sich um FSJler zu bemühen.

Dass die Kinderbetreuung seit Beginn der Corona-Krise eine Herausforderung für alle Eltern und Kommunen ist, haben wir in den vergangenen Monaten immer wieder thematisiert. Daran wird sich wohl auch so schnell leider nichts ändern. In Urbach ist die Lage besonders dramatisch, da bereits vor der Krise Fachkräfte gefehlt haben. Schon Anfang März mussten Kindergarten-Gruppen in der Gemeinde deshalb kurzzeitig ihre Betreuungszeiten verkürzen. Nun hat sich die Lage coronabedingt weiter

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